Weitere Informationen zur diesjährigen Leuphana Konferenzwoche für nachhaltiges Handeln gibt es hier. Link-Label

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Lebendige Wissenschaft: "Made in Germany"LEBENDIGE WISSENSCHAFT:
"MADE IN GERMANY"

Den Gipfel auf dem Lüneburger Uni-Campus haben die Erstsemester in Eigenregie organisiert. Energie, Macht und Klima waren die Leitthemen der drei Konferenztage. In Seminaren, Vorträgen und an Informationsständen präsentierten die Studierenden Ergebnisse aus 47 Projektseminaren des Moduls „Wissenschaft trägt Verantwortung“. Das Motto der Tagung spielt an auf Deutschlands zwiespältige Rolle in der Welt, erklären die Studierenden Annemarie Bierstedt und Julia Harms. „Deutschland ist einerseits Mitverursacher der Ausbeutung von Mensch und Natur in Entwicklungsländern, beispielsweise durch den Import von Billig-Ananas. Andererseits übernimmt Deutschland Verantwortung und ist sehr weit vorn bei Problemlösungen, etwa bei regenerativen Energien.“ Das Logo der Konferenzwoche – eine Ananas – zierte auch die Veranstaltungsplakate, die die Studierenden entworfen haben.

Hochkarätige Referenten: Max Schön und Prof. Dr. Claudia Kemfert © Leuphana

Flankiert wurden die studentischen Präsentationen von Vorträgen namhafter Referenten. Deren Themenspektrum umfasste Zukunftsforschung ebenso wie Nachhaltigkeit und Welthandel. Dass Umweltschutz Krisen lösen kann, davon ist Prof. Dr. Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung „Energie, Verkehr, Umwelt“ am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin und Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit an der Hertie School of Governance (HSoG), überzeugt. Die Energieexpertin referierte zum Thema „Wirtschaftliche Chancen des Umweltschutzes“ und fordert: „Schluss mit Diskussionen, die Politik muss endlich handeln.“ Ihre Kritik richtet sich vor allem gegen die Trägheit der deutschen Politiker. „Die nationalen Maßstäbe liegen hinter den europäischen Rahmenbedingungen zurück. Deutschland braucht endlich ein umfassendes Energiekonzept und ein Energieministerium“, sagt Prof. Kemfert. Laut der Expertin sei der Nachhaltigkeitsgedanke in den Unternehmen bereits fester verankert als in der Politik.

Max Schön, Präsident der Deutschen Gesellschaft Club of Rome sowie Mitglied des Aufsichtsrates der Desertec Foundation, sprach ebenfalls zum Auftakt der Konferenzwoche. Er zeigte sich beeindruckt vom Spektrum der Tagung. „Die unterschiedlichen Themenschwerpunkte sind ein toller Anreiz nach Lüneburg zu kommen. Es ist beachtlich, wie konsequent und umfassend sich die Universität mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzt.“ Der Experte weiß: „Wer gelernt hat, den Blick über den Tellerrand zu werfen und sich disziplinenübergreifend mit Themen wie der Nachhaltigkeit zu beschäftigen, hat heutzutage definitiv Vorteile in der Berufswelt. An der Leuphana werden die Studierenden optimal auf die Zukunft vorbereitet.“
Zu den weiteren hochkarätigen Referenten zählten auch Mathias Ahrberg, Erfinder des Fair-Trade-Labels „fairliebt“, der Klimaexperte Prof. Dr. Stefan Rahmstorf sowie der Karlsruher Mathematiker und Wirtschaftstheoretiker Prof. Dr. Wolfgang Eichhorn, der einen Vortrag zum Thema „Krisenfaktor Weltfinanzsystem – wer trägt die Verantwortung“ hielt.

Markt der Möglichkeiten im Hörsaalgang © Hübner

Im Mittelpunkt der dreitägigen Leuphana Konferenzwoche standen jedoch die Studierenden. In Seminaren wie „Social Entrepreneurship: Sozialunternehmen in Entwicklungsländern“, „Management von Kunst- und Freizeiträumen“, „Daumenkinos zur Nachhaltigkeit“ oder „Regenerative Energien“ demonstrierten die Studierenden auf vielfältige Weise, wie sie sich dem Thema Nachhaltigkeit näherten. Mara Kölmel zeigte beispielsweise mit dem Projekt „educationLOAN“, wie Bildungskredite Kindern in Togo eine Schulbildung ermöglichen. Sarah Kociok informierte auf dem Markt der Möglichkeiten über den Verein Viva con Agua de Sankt Pauli. Jüngst hat die 25-Jährige selbst einen Lüneburger Ableger des offenen Netzwerkes mit ins Leben gerufen. Die sogenannte All-Profit-Organisation investiert Spendengelder in Trinkwasserprojekte. Mit den Themen Ölverbrauch, nachwachsende Rohstoffe und alternative Energien hat sich hingegen Jochen Loock auseinandergesetzt. Seine Ergebnisse aus dem Seminar „Peak Oil“ präsentierte er in Form eines Quiz’ „Blamieren oder kassieren“.

Bereits zum dritten Mal fand die Leuphana Konferenzwoche für nachhaltiges Handeln statt. Die Tagung bildet den Abschluss und zugleich Höhepunkt des Leuphana Semesters. Es folgt einem in Deutschland einzigartigen interdisziplinären Konzept. Das Leuphana Semester absolvieren alle Erstsemester-Studierenden gemeinsam. Die vier Module „Wissenschaft trägt Verantwortung“, „Wissenschaft nutzt Methoden“, „Wissenschaft macht Geschichte“ und  „Wissenschaft hat Grenzen“ vermitteln ihnen den Einstieg in die Wissenschaft. Sie erhalten Einblicke in andere Fachbereiche, setzen sich mit unterschiedlichen Sichtweisen auseinander und erlernen so die Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens. In den 47 Projektseminaren des Moduls „Wissenschaft trägt Verantwortung“ haben die 1200 Erstsemester in den vergangenen Monaten wissenschaftlich gearbeitet – Kulturwissenschaftler neben Betriebswirten und Informatikern. „Ziel der Konferenzwoche ist, den Blick zu weiten und Allgemeinbildung zu fördern. Die Studierenden haben die Chance der Mitgestaltung genutzt“, sagt Susanne Wittek, Koordinatorin des Moduls „Wissenschaft trägt Verantwortung“ resümierend.

12.05.2011, zühlsdorff