Uwe Timm als Gastdozent an der Leuphana

Warum steht im Regal des Autoren Uwe Timm ein eiförmiger Kieselstein? Dieser Frage stellten sich die Teilnehmer eines Workshops an der Leuphana Universität. Der 69-jährige Heinrich-Heine-Gastdozent forderte die Studenten im Rahmen des Kompaktseminars am 25. April dazu auf, sich eine Geschichte zum Ursprung dieses Kieselsteins auszudenken und war überrascht über die kreativen Texte der Studenten. Der Workshop ist Teil des Kooperationsprojekts zwischen dem Literaturbüro Lüneburg und der Leuphana Universität. Darin laden beide Partner einen Autor als Gastdozenten nach Lüneburg, der den Studenten durch einen Workshop, eine Antrittsvorlesung und ein Werkstatt-Seminar den Zugang zu seiner Literatur vermittelt. Uwe Timm war der erste in der Reihe der Autoren.
Fast hätte er nicht aus seinem Roman „Heißer Sommer“ lesen können. Weil er sein eigenes Exemplar nicht mit sich hatte, fragte Uwe Timm bei der Antrittvorlesung am 24. April, ob ihm nicht jemand von den Zuhörern ein Buch leihen könnte. Zum Glück half eine literaturbegeisterte Studentierende dem Autoren mit seinem Buch aus. Mit einer Mischung aus Lesung und Gespräch mit dem Moderator und ehemaligem Literaturleiter des NDR Hörfunks Wend Kässens unterhielt der Autor die Zuhörer. Dabei war der Hörsaal bis auf den letzten Platz besetzt und das Publikum bunt gemischt: Sowohl Studierende als auch Lüneburger Bürger lauschten der lebendigen Diskussion und Lesung.
Besonders das Gespräch des Autoren mit dem Moderator, das vertraut und locker wirkte, bleibt vielen Zuschauern sicher in lebhafter Erinnerung. Circa anderthalb Stunden reflektierte der Autor kritisch seine Biografie, philosophierte zusammen mit Moderator Kässens über die Hochschulrevolten von 1968 und erklärte den Zusammenhang zwischen einem sich sich auf ein Beutetier stürzenden Falken und einer Novelle.
In direkten Kontakt mit dem Autor traten die Studierenden der Leuphana dann in dem anschließenden Kompaktseminar. Darin gab Timm den Nachwuchsschriftstellern hilfreiche Tipps auf den Weg, allen voran: Neugier und Mut zum Fragen stellen! „Um sich in Menschen hinein versetzen zu können, muss man zunächst einmal bereit sein, zu fragen“, riet er den rund 30 Teilnehmern. Im Gespräch mit den Studenten ging der gebürtige Hamburger, der mit Werken wie „Die Entdeckung der Currywurst“, "Rot" oder dem Kinderbuch „Rennschwein Rudi Rüssel“ bekannt geworden war, seinem Grundsatz nach und fragte die Studierenden, ob sie selbst schon Kurzgeschichten, Gedichte oder Erzählungen verfasst hätten.
Viele der Teilnehmer hatten bereits abseits von Hausarbeiten und Referatsausarbeitungen Erfahrungen mit dem kreativen Schreiben gesammelt. Die meisten von ihnen würden jedoch nur für den eigenen Schreibtisch dichten. Timm ermunterte die Studenten, Ideen zu verwirklichen und ihre Inspiration aus dem Alltag zu schöpfen. Auch er lehne seine Figuren an reale Personen an und ziehe neue Ideen aus den Begegnungen mit seinen Mitmenschen. Die Figur des Protagonisten seines Romans „Der Schlangenbaum“ hat zum Beispiel ein reales Vorbild, nämlich einen Mann, den der Autor in einer Kneipe in Südamerika getroffen hat.
Einige Studierende haben die Gelegenheit in einem anschließenden Werkstatt-Seminar, ihre während des Workshops gewonnenen Kenntnisse und Eindrücke zu vertiefen. Im Rahmen des Komplementärstudiums wird den Studierenden des Leuphana-Bachelor das Seminar „Literarisches Schreiben“ unter der Leitung von Heinz Kattner angeboten. Der Schwerpunkt des Seminars liegt darin, literarische Gattungsmerkmale anzuwenden, Kritik an Texten vorzunehmen und den eigenen Schreibprozess zu beobachten. Kurz: Es geht darum, kreatives Schreiben zu erlernen.
Dass das Erlernen aber nicht die letzte Stufe auf der Leiter zum Schriftsteller ist, machte Uwe Timm den Studenten während des Workshops klar. Vor allem Übung und Ausdauer gehörten dazu, wenn man als Autor erfolgreich sein möchte, denn „Kurzstreckenläufer haben es schwer“, so der Autor.








