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Erfolg mit Projekt zu Klimafolgenforschung
06. May 2009 Die Umwelt- und Nachhaltigkeitswissenschaftler der Leuphana Universität Lüneburg können einen neuen Erfolg verbuchen. 590.000,- € erhält das Institut für Umweltkommunikation (INFU) in den nächsten fünf Jahren für ein sozialwissenschaftliches Forschungsprojekt zur langfristigen Strategieentwicklung für den Küstenschutz in Niedersachsen. Das Projekt-Team besteht aus Heiko Grunenberg, Katina Kuhn und Projektleiter Meinfried Striegnitz. Das Verbundprojekt wird angeführt von der Forschungsstelle Küste des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN).
Der Klimawandel ist in vollem Gange – der diesjährige April hat es erneut gezeigt. Die genauen Auswirkungen auf lokaler und regionaler Ebene sind allerdings noch weitgehend unerforscht. Daher hat das Niedersächsische Wissenschaftsministerium jetzt den Startschuss für ein Verbundprojekt "Klimafolgenforschung – Szenarien für die Klimaanpassung (KLIFF)" gegeben. In diesem Netzwerk erarbeiten Wissenschaftler von 21 Universitäten und Forschungseinrichtungen in den nächsten fünf Jahren mit einem Gesamtbudget von € 13,6 Millionen Handlungsoptionen und Anpassungsstrategien für die für Niedersachsen wichtigen Themenbereiche Landwirtschaft, Pflanzenbau und Tierproduktion, Forstwirtschaft, Wasserwirtschaft und Küstenschutz.
Der Schutz von niedrig gelegenen Siedlungsräumen vor Sturmfluten ist für Niedersachsen überlebensnotwendig: etwa 1,2 Millionen Menschen im Lande sind auf den Schutz der Deiche angewiesen, hinzu kommt eine ähnlich hohe Zahl mittelbar in den Nachbarländern Bremen und Hamburg. Der Klimawandel wird höhere Wasserstände, häufigere und stärkere Stürme und mächtigere Sturmfluten mit sich bringen. Wie kann der Küstenschutz darauf reagieren?
Im Projekt A-KÜST, "Veränderliches Küstenklima – Evaluierung von Anpassungsstrategien im Küstenschutz", wird der Verbund von acht Forschungseinrichtungen, darunter das INFU, unter Leitung der Forschungsstelle Küste dieser Frage nachgehen und Anpassungsstrategien für den Küstenschutz exemplarisch für den Ems-Dollart-Bereich erarbeiten und bewerten. Als Ausgangspunkt dienen die vom Weltklimarat (IPCC) erarbeiteten Szenarien der Klimaentwicklung. Für den Bereich der südlichen Nordsee werden regionalisierte Klima-, Wind-, Strömungs-, Erosions-/Sedimentations- und Seegangsmodelle mathematisch durchgerechnet. Erstmalig wird dabei für diesen Raum nicht nur eines der IPCC-Szenarien betrachtet, sondern die Spannbreite der wesentlichen Szenarien parallel berechnet. Erstmalig werden damit auch quantitative Aussagen für die als Folge des Klimawandels veränderte mechanische Belastung von Deichen, anderen Küstenschutzbauwerken und Dünen hergeleitet; diese werden als Voraussetzung für alle weiteren ingenieurtechnischen Planungen des Küstenschutzes benötigt. Auf dieser Basis können dann Strategiealternativen für den Küstenschutz aufgestellt und systematisch hinsichtlich Kosten und Nutzen, Vor- und Nachteilen und zukünftiger Flexibilität überprüft und bewertet werden. Wird es weiterhin möglich sein, die Küste auf der bestehenden Deichlinie durch weitere Deicherhöhungen vor Sturmfluten zu schützen? Oder wird zukünftig der Bau von Warften, zusätzlichen Schutzdeichen und – im schlimmsten Fall – der Rückzug aus besonders betroffenen Gebieten unvermeidlich werden?
Erstmalig werden derartige Strategieüberlegungen bereits in einem ganz frühen Entwicklungsstadium schon in der Phase grundlegender Forschungen zwischen den Wissenschaftlern einerseits und den späteren Nutznießern, Betroffenen sowie regional Verantwortlichen andererseits vermittelt. Das INFU wird diesen innovativen transdisziplinären Austausch gestalten und den Prozess fortlaufend sozialwissenschaftlich untersuchen, auswerten und optimieren. Das Projekt-Team, bestehend aus Heiko Grunenberg und Katina Kuhn unter der Leitung von Meinfried Striegnitz, verfügt über Erfahrungen in der sozialwissenschaftlichen Klimaforschung, in der Information über Klimarisiken und Sturmflutschutz sowie in der Vermittlung in Konflikten um Küstenschutzbaumaßnahmen.
Parallel zur Ermittlung der Folgen der Klimaänderung für den Küstenschutz und zur Strategieentwicklung werden Wahrnehmungen und Einstellungen, Erwartungen und Befürchtungen, Wertorientierungen und Präferenzen hinsichtlich der strategischen Handlungsoptionen im Küstenschutz bei den regionalen Entscheidungsträgern und der Öffentlichkeit vom INFU erhoben und in den Forschungsprozess der Natur- und Ingenieurwissenschaftler eingebracht.
Indem strategische Alternativen des Küstenschutzes im Diskurs von Wissenschaftlern, Entscheidungsträgern und Öffentlichkeit entwickelt und evaluiert werden, soll Klarheit darüber gewonnen werden, welche Handlungsoptionen im Küstenschutz langfristig technisch machbar, finanzierbar und gesellschaftlich akzeptabel sein werden, um den Schutz vor Sturmfluten in Niedersachsen auf qualitativ hohem Niveau nachhaltig sicherzustellen.



