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Auf Müdigkeitsempfinden ist beim Autofahren kaum Verlass

20. Dezember 2011 Studie zeigt, wie sehr unsere Aufmerksamkeit von unserer inneren Uhr abhängt

Lüneburg. Wie schnell wir Gefahren im Straßenverkehr wahrnehmen, hängt stark von der Tageszeit ab. Auf unser subjektives Müdigkeitsempfinden ist dabei aber nur bedingt Verlass. Zu diesem Schluss kommen Forscher der Leuphana Universität Lüneburg und der Fachhochschule Rhein-Waal in einer aktuellen Studie. Sie empfehlen, auf Fahrten in den späten Nachtstunden möglichst zu verzichten, da dann die Gefahrenwahrnehmung besonders schlecht sei – und zwar selbst im einigermaßen ausgeschlafenen Zustand.

Zwischen 2 und 4 Uhr morgens erreichen viele Menschen ein „Aufmerksamkeits-Tief“. Das gilt sogar dann, wenn sie vorher gut geschlafen haben und sich nicht übermäßig müde fühlen. Das zeigen zumindest die Daten, die der Lüneburger Psychologe Professor Dr. Rainer Höger zusammen mit seinen Kollegen Martin Walter und Professor Dr. Nicki Marquardt (FH Rhein-Waal) in der Zeitschrift für Verkehrssicherheit vorgelegt hat.

Die Wissenschaftler hatten ihre insgesamt 40 Teilnehmer zu einem ausgeklügelten Aufmerksamkeitstest gebeten: Sie zeigten ihren Probanden Fotos von möglichen Gefahrensituationen im Straßenverkehr, und zwar in je zwei Varianten. Beim ersten Bild handelte es sich jeweils um die Originalaufnahme; im zweiten Bild dagegen hatten die Forscher ein wichtiges Detail verändert – beispielsweise leuchteten nun bei einem parkenden Wagen die Rückfahrleuchten und signalisierten ein Ausparken. Die Teilnehmer sahen diese Bilder abwechselnd und in schneller Abfolge auf einem Computerbildschirm. Sie sollten per Tastendruck Bescheid geben, sobald sie den Unterschied erkannt hatten.

„Wir haben nun gemessen, wie schnell unsere Probanden diese Aufgabe lösen konnten – und zwar in Abhängigkeit von der Tageszeit“, erklärt Höger. Dazu teilten die Forscher ihre Probanden in drei Gruppen ein: Die „Morgengruppe“ absolvierte den Test zwischen 9 und 11 Uhr, die „Abendgruppe“ zwischen 18 und 20 Uhr und die „Nachtgruppe“ zwischen 2 und 4 Uhr. Das wenig überraschende Ergebnis: Die Teilnehmer der Nachtgruppe brauchten im Schnitt ein Drittel länger, um die Unterschiede zwischen den Bildern zu identifizieren, als die Probanden in beiden anderen Gruppen.

Erstaunlich gering war aber der Zusammenhang zwischen dem Testergebnis und dem subjektiven Müdigkeitsgefühl der Teilnehmer. „Wir hatten unsere Probanden gebeten, vor dem Experiment ausreichend zu schlafen“, sagt Höger. „Die Teilnehmer der Nachtgruppe fühlten sich daher im Schnitt nur unwesentlich müder als die der Abendgruppe. Dennoch schnitten sie im Aufmerksamkeitstest deutlich schlechter ab. Man kann seinem subjektiven Müdigkeitsempfinden also nur bedingt trauen.“

Die Wissenschaftler empfehlen, sich nur in dringenden Fällen in der Zeit zwischen 2 und 4 Uhr morgens ans Steuer zu setzen. „Das ist einfach eine unfallträchtige Zeit; auch Vorschlafen hilft da nur bedingt“, betont Höger. Das gilt übrigens auch für Menschen, die regelmäßig nachts fahren: Es sei kaum möglich, die innere Uhr zu trainieren oder gar neu zu stellen.

13.01.2012, zuehlsdorff