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Alltag in den Medien – Medien im Alltag
11. Dezember 2009 Im Einstundentakt sind im derzeit ausgestrahlten Fernsehprogramm Haus- und Gartenshows, Koch- und Lifestyle-Sendungen zu sehen, die sich zwischen Themen wie „Papa raucht sich zu Tode“ (We are Family, Pro7) und „Teenietochter mit Geldnöten“ (Mitten im Leben, RTL) bewegen. Die Konstruktionen von Alltag in medialen Deutungsangeboten sowie die Prozesse der Medienaneignung in Alltagskontexten stehen im Mittelpunkt des Bandes „Alltag in den Medien – Medien im Alltag“, der von den drei Lüneburger Dozenten Prof. Dr. Jutta Röser, Jun.-Prof. Dr. Tanja Thomas und Corinna Peil im Oktober 2009 herausgegeben wurde.
Ebenso wie bei den oben genannten Lifestyle-Sendungen geht es bei der wöchentlich auf RTL ausgestrahlten Sendung „Die Supernanny“ nicht mehr um das Besondere, Gehobene oder Elitäre. Hier bilden Banalität, Gewohnheit und Unauffälligkeit den narrativen Rahmen. Es scheint, das Fernsehen habe den Alltag und das Zuhause für sich (wieder-) entdeckt und wolle durch die Darstellung des Lokalen und Gewöhnlichen ein Gegengewicht bieten - einerseits zu Prozessen der Mobilisierung und Flexibilisierung der gegenwärtigen Gesellschaft, andererseits zu scheinbar schrankenlosen und sozial entrückten, fiktionalen Prime Time Serien wie 24 oder Lost. Im Gegensatz dazu präsentiert das Fernsehen Alltag heute in einer großen Bandbreite und interessiert sich für alltägliche Handlungen und Herausforderungen, die in vielerlei Hinsicht anschlussfähig an die Lebenswelt der Rezipientinnen und Rezipienten sind.
Den Alltag auffällig zu machen, das ist auch das Anliegen des vorliegenden Bandes. Medienhandeln ist immer auch Alltagshandeln und somit verknüpft mit nicht-medienbezogenen Praktiken. Mediengebrauch ist stets in das soziale Gefüge des häuslichen Zusammenlebens und weitere Kontexte integriert, wo es ganz unterschiedliche Bedeutungen entfalten kann. Dies gilt keineswegs nur für das Fernsehen, sondern auch für Printmedien und erst recht für die digitalen Medien wie Internet und Handy, da sie vielfältige Anwendungen in einem Gerät ermöglichen und eine steigende Bedeutung der mediatisierten interpersonalen Kommunikation mit sich bringen.
Seit einigen Jahren ist die hohe Relevanz von Fragen nach der Bedeutung von Alltag in den Medien und Medien im Alltag auch über Fächergrenzen hinaus nicht mehr begründungsbedürftig. Ziel des vorliegenden Bandes ist das Zusammentragen von Forschungsarbeiten, die diesen Zugang zum Thema explizit machen, indem sie Medienkommunikation im Kontext von Alltag perspektivieren.
Röser, Jutta; Thomas, Tanja; Peil, Corinna (Hrsg.): Alltag in den Medien – Medien im Alltag. Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010.
317 Seiten, 34,90 Euro, ISBN 978-3-5311-5916-4



