Veröffentlichungen
Die Kultur der 30er und 40er Jahre
26. Februar 2010 Folgt die Gesamtdarstellung der deutschen Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts in der Tendenz einem formalen Einteilungsprinzip nach Jahrzehnten, stellen die 30er und 40er Jahre eine Besonderheit oder einen Ausnahmezustand dar: Das totalitäre System des Nationalsozialismus prägte damals zutiefst Politik, Wirtschaft, Soziales und damit auch die deutsche Kultur in beinahe all ihren Facetten.
Mit übersichtlichen Einzeldarstellungen führt das von Prof. Dr. Werner Faulstich herausgegebene Buch „Die Kultur der 30er und 40er Jahre“ in sämtliche Bereiche der Kultur der Nationalsozialismus ein und vermittelt einen kompetenten Überblick über die beiden Jahrzehnte.
Zunächst werden einleitend einige grundsätzliche Fragen referiert: Wie konnte dieses totalitäre System entstehen, welche Ursachen lassen sich nennen? Anschließend werden politische Eckdaten in Erinnerung gerufen, um die politische Machtentfaltung Hitlers, seiner Herrschaftsorganisation und seiner Partei als Hintergrund für die Ausbildung einer NS-Kultur zu verdeutlichen. Zudem wird kurz auf die allgemeine Bedeutung der Wirtschaft eingegangen, die in vielen Sektoren des kulturellen Lebens für Herrschaftssicherung, Propaganda und Bedürfnisbefriedigung des breiten Volkes und damit für Akzeptanz des Regimes gesorgt hat. Die sozialen Verhältnisse und ihre Veränderungen können dabei nur gestreift werden. Schließlich wird übergreifend auf Kultur und Medien eingegangen, insbesondere auf die Gleichschaltung des kulturellen Systems.
Auf die Problematik bei der Auseinandersetzung mit dieser Thematik weist Faulstich eingangs mit dem Zitat von Ian Kershaw hin: „Im Nationalsozialismus haben wir ein Phänomen, das sich anscheinend kaum einer rationalen Analyse unterziehen lässt. Unter der Leitung eines Führers, der in apokalyptischen Tönen von Weltmacht und Zerstörung redete, und eines Regimes, das sich auf eine äußerst widerwärtige Ideologie des Rassenhasses gründetet, plante und entfesselte eines der kulturell und wirtschaftlich am meisten fortgeschrittenen Länder Europas einen Weltkrieg, dem rund 50 Millionen Menschen zum Opfer fielen, [...]. Angesichts von Auschwitz erscheint die Erklärungskraft des Historikers in der Tat kläglich.“
Der vorliegende Band „Die Kultur der 30er und 40er Jahre“ ist das Ergebnis der Ringvorlesung „Kultur und Medien im Nationalsozialismus“ im Sommersemester 2008 an der Leuphana Universität Lüneburg, die von Prof. Dr. Werner Faulstich veranstaltet wurde. Faulstich forscht und lehrt am Leuphana Institut für Angewandte Medienforschung.
Faulstich, Werner (Hrsg.): Die Kultur der 30er und 40er Jahre. Wilhelm Fink Verlag, München 2009.
266 Seiten, 39,90 Euro, ISBN 978-3-7705-4819-4.



