Rik Reinking
  • drucken
  • als E-Mail

Interview Rik ReinkingINTERVIEW RIK REINKING

Wie bist Du zum Sammeln gekommen?

Ich bin durch einen reinen Zufall zum Sammeln von Kunst gekommen. Auf dem Weg zur Schule – da war ich knapp 16 Jahre alt – lag eine Buchhandlung mit Galerie und dort hing immer eine Radierung von Horst Janssen im Fenster. Eines Tages habe ich dann meinen Mut zusammen genommen und bin hinein gegangen, denn ich wollte wissen, wie es ist, damit zu leben.

Was ist Deine Motivation, die dich zum Sammler hat werden lassen?

Ich glaube, es ist weniger Motivation als innere Notwendigkeit. Ich hatte ein Werk erworben und sofort gespürt, dass eine weiteres her muss. Aber nicht, weil das Eine nicht reicht, sondern vielmehr, weil mich der Dialog zwischen Werken interessierte.

Was bedeutet Sammeln für Dich?

Sammeln bedeutet für mich – wie vermutlich für jeden Sammler – in erster Linie bewahren und erhalten. Mit einer stetig wachsenden Sammlung kommen dann die Aspekte des Verwaltens und Lagerns hinzu. Das kann auch zu einer Belastung werden, aber man wird jeden Tag mit neuen Entdeckungen belohnt!

Welchen Platz nimmt das in Deinem Leben ein?

Einen sehr großen – leider häufig viel zu großen – Teil.

Was hast Du mit der Sammlung vor?

Die bessere Frage wäre: „Was hat die Sammlung mit mir vor?“

Welchen Zweck hat die Sammlung für Dich?

Die Sammlung ist für mich eine Art „Tagebuch“ und sie hilft mir, mich räumlich und zeitlich zu „verorten“. Damit meine ich, dass die Werke, Ihre Fragestellungen und Lösungsansätze mir helfen, ein besseres Verständnis von mir und meiner Umwelt zu bekommen.

Geschah das schon damals mit dem Ziel der Zusammenstellung einer Sammlung oder aus Zuneigung/Interesse an einem speziellen Kunstwerk?

Wie bereits erwähnt hatte ich ja den Aufbau einer Sammlung gar nicht geplant. Es war eher so: mir wurde recht schnell bewusst, dass mich der Dialog zwischen den Werken reizt und weniger der Dialog zwischen mir und einem Werk. Und so kamen im Laufe der Zeit immer mehr „Gesprächspartner mit an den Tisch“.

Wie hat sich die Sammlung im Laufe der Zeit geändert?

Ich hoffe doch sehr! Es ist ja so, dass man stetig dazu lernt und irgendwann wird man dann ganz Auge! Ich denke, die Sammlung hat sich zum Einen stark verjüngt und zum anderen ist sie sehr erwachsen geworden, da sie nie vergisst, in den Rückspiegel zu sehen, denn mir ist bei einer jungen und lebendigen Sammlung immer wichtig, diese auch um historische Bezugspunkte zu ergänzen.

Welche Systematik steckt dahinter?

Es ist ein kompliziertes System aus einem Hauptstrang und mehreren Seitenwegen, die jeweils parallel zueinander verlaufen. Müsste ich jetzt aber mit ein, zwei Worten mein Sammlungskonzept erläutern, so komme ich wohl auf die Begriffe: Anwesenheit und Abwesenheit. Damit meine ich An- und Abwesenheit von Körpern sowie Energien.

Welches Konzept?

Das Konzept meiner Sammlung ist das eines Dialoges. Den Dialog führe ich mit den Werken und die Werke untereinander. Dieser Dialog ist dann sowohl generationsübergreifend wie auch kulturkreisübergreifend.

Wonach wählst Du aus, welches Kunstwerk in Deine Sammlung kommt?

Die Werke, die für die Sammlung erworben werden, wähle ich nach Qualität und Authentizität aus, aber sie müssen natürlich auch zu den bereits in der Sammlung vorhandenen Arbeiten in Beziehung stehen und diese auch aushalten können. So wird der eigene Kontext zum eigentlichen Entscheidungshelfer.

Wie kommst Du zu neuen Werken für Deine Sammlung, oder kommen die Werke vielmehr zu Dir? Soll heißen: gehst Du aktiv auf Suche oder ist es eher der Zufall, der Dich zu neuen Kunstwerken bringt?

Es gibt Werke, die finden mich und Andere, die sind verdammt schwer zu finden.

Wie entscheidest Du, was für Dich Kunst ist?

Für mich interessante Kunst ist es, wenn Sie mir Fragen stellt oder mir Lösungsansätze bietet.

Wie kommst Du mit den Künstlern in Kontakt?

Viel reisen.

Woher die Informationen?

Viel lesen.

Welchem Problem steht man als Sammler am häufigsten gegenüber?

Als Sammler steht man am häufigsten dem Problem der Lagerung gegenüber. Ich kenne viele Sammler, die mir immer garantierten: „Wenn das Zimmer voll ist, höre ich auf!“ oder „wenn das Zimmer voll ist, dann wird nur noch ausgetauscht!“. Dem folgt dann häufig: „Aber wenn wir keinen Platz mehr haben, dann hören wir auf!“ und dann ist der Weg zum eigenen Lager nicht mehr weit. Es ist halt nicht unbedingt einfach, damit aufzuhören.

Hast Du Berater und Kooperationspartner?

Nein. Zum Glück habe ich keine Berater, aber ich schaue genau hin und höre genau zu.

Verkaufst Du Kunstwerke auch wieder?

Bis jetzt noch nicht.

Wenn ja, nach welchen Kriterien scheiden Werke wieder aus der Sammlung aus?

Das weiß ich noch nicht.

Wenn Du jedoch keine Werke wieder verkaufst, was lässt Dich dann an allen bisher erstandenen Werken festhalten?

Wie Eingangs beschrieben ist meine Sammlung für mich eine Art Tagebuch. Also ist auch jede einzelne Arbeit wichtig für mich, weil jede Menge Erinnerungen damit verbunden sind. Aus diesem Grund kenne ich auch nicht den Begriff „Fehlkauf“.

Was ist Dein Wunsch für die Zukunft Deiner Sammlung, was schwebt Dir vor?

Konzentration.

Was bedeutet diese Ausstellung im Lüneburger Rathaus für die Sammlung Rik Reinking?

Zum Einen für die Erfahrung mit Zeit-, Kultur- und Architekturgeschichte in den Dialog treten zu dürfen und zum Andern für die Erfahrung mit einer Gruppe von Studenten und Studentinnen inhaltlich arbeiten zu können. Dabei kamen viele neue Impulse auch direkt in die Sammlung, also prägt nicht nur das Arbeiten
mit der Sammlung jeden einzelnen der Teilnehmer, sondern es ist ihre freie Sicht auf Werke, die sie in einem ganz neuen Licht strahlen lassen. Das erleben zu dürfen, dafür bin ich dankbar!

In unserem kuratorischen Konzept haben wir eine Auswahl von Kunstwerken getroffen, die entweder dem Minimalismus zuzuordnen sind oder aus der Fluxus-Bewegung stammen, bzw. an sie anknüpfen. Welche Bedeutung haben Minimal Art und Fluxus für Dich?

Da es in meiner gesamten Sammlung um An- und Abwesenheit von Körpern und Energien geht und um ein räumliches und zeitliches Bezugssystem, hatten sich diese beiden Interessensfelder der jüngeren Kunstgeschichte über die Zeit herauskristallisiert.

Kannst Du dies mit anderen Aspekten Deiner Sammlung, beispielsweise den Streetart-Sachen verbinden?

Ja, sogar sehr gut! Streetart und Fluxus sind sich schon von der Sache her sehr nah und in der Minimal Art geht es auch immer darum, einen Ort zu definieren und zu besetzen. Die konzentrierte Setzung und die spontane Lebendigkeit sind zwei Grundpfeiler der Streetart.

15.08.2011, krahn