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Cady NolandCADY NOLAND

Not yet titled, 1996, Karton, Aluminiumlack

Cady Nolands Arbeit „Not yet titled“ mag zunächst an geometrisch-formelle Werke der Minimal Art erinnern. Doch bei genauerer Betrachtung können Parallelen zum Aufbau eines Prangers gezogen werden. Assoziationen zu  Folter, öffentlicher Demütigung, Zwang und Haft drängen sich auf. Die 1956 geborene Noland beschäftigt sich in ihrer Arbeit häufig mit Gewalt und Gefangenschaft sowie der Zurschaustellung von Privatem und Skandalösem in den Medien. Sie greift die öffentliche Darstellung und Inszenierung von Schande und Erniedrigung auf verschiedene Arten und Weisen in ihrem Schaffen auf. Die Darstellung von und Bezüge zu Gewalt sind in ihren Werken häufig nicht angreifend oder dominant, sondern wirken besonders durch die Zurückhaltung und Andeutungen. Der Pranger, der als Objekt aufgeladen ist mit Bedeutungen und Konnotationen von Gewalt und öffentlicher Schande, gliedert sich in diesen Zusammenhang ein. Die aus Karton gefertigte Arbeit wurde mit Aluminiumlack überzogen; die kalte, metallische Oberfläche spiegelt die Kaltblütigkeit der Vorgänge am Pranger wider. Das Werk ist ein Multiple und diese Art der Produktion, der Massenhaftigkeit und Nicht-Einmaligkeit, lässt sich ebenfalls auf die massenhafte Verbreitung solcher Straf-, Demütigungs- und Zurschaustellungsprozesse beziehen.

15.08.2011, krahn