Ernesto Neto
Sculpi (the first movement), 2000, Pflanzengranulat, Nylon
Bei den Werken des 1964 in Rio de Janeiro geborenen Künstlers Ernesto Neto spielen die verwendeten Materialien eine große Rolle. Dehnbare und sinnlich erfahrbare Kunstfasern wie Nylon oder Lycra betonen die Leichtigkeit und Durchlässigkeit der von ihnen gebildeten Strukturen und erzeugen gleichzeitig eine plastische Fülle. Die Fragilität der feinen Membranen verleiht dabei Netos Skulpturen eine besondere Intimität.
Durch Form und Material spielen die abstrakten Werke auch stets auf den menschlichen Körper an. Ähnlich einer mikrobiologischen Landschaft oder einem amorphen Wesen dehnt sich die zellenartige, organische Form des Werkes „Sculpi (the first movement)“ von 2000 horizontal auf dem Boden aus. Seine elastische Nylonhaut gibt der hügeligen Landschaft etwas Lebendiges, als hätte dieser Organismus gerade wirklich eine „erste Bewegung“ getan. Die formal betrachtet minimalistische Arbeit stellt wie alle Werke Netos die Auseinandersetzung mit den klassischen Fragen der Skulptur nach Raum, Körper, Schwerkraft, Masse und Licht dar. Physisch wie auch konzeptuell spielt er hierbei mit den Dichotomien von innen und außen, fest und flüssig, transparent und opak und letztlich auch natürlich und künstlich. Indem er die Fremdartigkeit der Natur thematisiert, schafft er eine Spannung, deren ständige Grenzüberschreitungen einen Teil der Faszination seines Werkes ausmachen.



