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Gespräch mit Hannes Rickli

Technische und ästhetische Bedingungen umweltwissenschaftlicher Forschung


Freitag 28. November 2014, 12:00-13:30
Leuphana Universität
Scharnhorststr. 1, Raum C5.225

Der Schweizer Hannes Rickli untersucht seit mehreren Jahren die Bedingungen, unter denen in den Naturwissenschaften Wissen erzeugt wird. Rickli tut dies als Künstler und fragt nach den materiellen und ästhetischen Aspekten dieser Forschung. Hannes Rickli stellt in dieser Veranstaltung seine eigenen künstlerischen Forschungsprojekte der letzten Jahre vor, möchte aber vor allem mit Wissenschaftler_innen und Studierenden, nicht zuletzt der Umweltwissenschaften, über folgende Fragen diskutieren:


- Wie wird in den Umweltwissenschaften die Digitalisierung wahrgenommen?
- Welche Rolle spielt etwa Computing in der Datenerhebung und -auswertung von Langzeitbeobachtungen (z.B. Modellierung, Simulation)?
- Welche gegenseitigen Beeinflussungen und Interdependenzen sind feststellbar (Verteilung der Ressourcen von Informatik zu anderen Gebieten wie Biologie, Geologie, Ökonomie, Soziologie etc.)?
- Gibt es Diskurse in den Umweltwissenschaften, die explizit die Verhältnisse und Abhängigkeiten von Computer und Energie thematisieren?
- Welche Aspekte der Abhängigkeit von der Industrie (z.B. Computer- und IT-Konzerne, Energie etc.) werden im Zusammenhang der Umweltwissenschaften thematisiert?
- Welche Rolle spielen ästhetische Faktoren (z.B. Wahrnehmung von Langzeitprozessen)? Wie werden sie bearbeitet?

Hannes Rickli zu seiner künstlerischen Praxis:

"Meine Untersuchungen zum instrumentellen Raum- und Mediengebrauch sind als eine Art Laboratory Studies (Bruno Latour) mit künstlerischen Mitteln zu verstehen. Sie finden in Form von Beobachtungen und als Teilnahme an Forschungsprozessen im Bereich der Verhaltensbiologie statt. Nicht die biologischen Forschungsergebnisse stehen im Fokus des künstlerischen Interesses, sondern die Praktiken, Apparate, Medien und Infrastrukturen, die zur Herstellung wissenschaftlicher Tatsachen im Feldversuch oder im Labor Verwendung finden. Bearbeitet werden die materiellen und damit ästhetischen Dimensionen biologischer Forschungsprozesse. In audiovisuellen Installationen machen sie gegenseitige Konfigurationen menschlicher und nichtmenschlicher Akteure wahrnehmbar und verhandelbar. Dabei rücken auch elementare, jedoch meist übersehene Phänomene in den Blick, wie etwa die Elektrizität. In welcher Form gestaltet sie – unter den Bedingungen auf Technologie und digitalen Daten basierender Forschung – das, was wir zu wissen imstande sind, mit? Markiert die Endlichkeit der Energieressourcen allenfalls auch die Endlichkeit unseres Wissenshorizonts?"

Hannes Rickli ist Künstler und Professor an der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK. Studium der Fotografie sowie der Theorie der Gestaltung und Kunst. Forschungsschwerpunkt: Instrumenteller Gebrauch von Medien und Raum. Initiator und Leiter von künstlerischen Forschungsprojekten: «Überschuss. Videogramme des Experimentierens» 2007-2009; «Computersignale. Kunst und Biologie im Zeitalter ihres digitalen Experimentierens» 2012-2015 (beide gefördert vom Schweizerischen Nationalfonds SNF). Einzelausstellungen (Auswahl): Fischen Lauschen. Beginn einer Datenübertragung aus der Arktischen See, Schering Stiftung, Berlin, 2013; Kunst mit Experimentalsystemen, Kunstmuseum Thun, 2011; Videogramme, Helmhaus Zürich, 2009. Publikationen (Auswahl): Hannes Rickli (Hg.), Videogramme. Die Bildwelten biologischer Experimentalsysteme als Kunst- und Theorieobjekt. Zürich, 2011; «Livestream Knurrhahn», in: Elke Bippus (Hg.): Kunst des Forschens. Praxis eines ästhetischen Denkens, Zürich/Berlin, 2009.

Weitere Informationen: www.ifcar.ch
www.sikart.ch/KuenstlerInnen.aspx


Eine Veranstaltung des Leuphana Arts Program in Zusammenarbeit mit dem KT "Art and Civic Media" des EU-Innovations-Inkubators. Das Leuphana Arts Program wird gefördert vom niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur. Das Veranstaltungsprogramm wird zusätzlich durch Studienbeitragsmittel unterstützt.