Ein Campus für die Universität des 21. Jh.

Campusentwicklung in Lüneburg 1990 - 2009
Die Entwicklung des Universitätscampus an der Scharnhorststraße hat eine bewegte Geschichte. Nachdem die Bundeswehr die Nutzung des früheren Kasernengeländes vor etwa zwanzig Jahren aufgab, haben das Land Niedersachsen und die Hochschulleitung Anfang der neunziger Jahre mit Weitsicht und Mut den Umzug der Universität aus dem Stadtzentrum auf das freigewordene Areal in Angriff genommen.
Die ursprünglich in der Zeit des Nationalsozialismus erbaute Kaserne hat dabei einen in dieser Form bundesweit einmaligen Konversionsprozess durchlaufen. Sie legte ihre ursprüngliche Aufgabe – Disziplinierung und Drill von Soldaten – ab und wurde zu einer modernen, kompakten Campusuniversität. Das einstige Kasernengelände ist heute mit seiner gewandelten Funktion als Universitätsstandort der Freiheit des Gedankens und der Neugier der Wissenschaft verpflichtet.
Die heutige Universität hat durch die Fusion von Fachhochschule Nordostniedersachsen und Universität Lüneburg vor knapp zehn Jahren an regionaler Bedeutung und Größe gewonnen – und sie will weiter wachsen, indem sie exzellente Studienbewerber aus der ganzen Welt ebenso anzieht, wie hervorragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Parallel dazu haben sich das Umfeld und die Aufgaben der Universität erheblich verändert: Der durch den Bologna-Prozess geschaffene europäische Bildungsraum und die Internationalisierung der Forschungslandschaft bringen Herausforderungen, bei deren Bewältigung die universitäre Infrastruktur eine wesentliche Rolle spielt.
Über mehrere Jahre erstreckte sich die fusionierte Leuphana Universität über vier Standorte mit teilweise erheblichen Distanzen. Ein solch dezentralisierter Campus stand in direktem Gegensatz zur Umsetzung eines flexibel planbaren modularen Studienmodells, innerhalb dessen eine flexibel kombinierbare interdisziplinäre Studiengestaltung möglich ist, denn kurze Wege sind dafür eine entscheidende Voraussetzung. Die Synergien einer Konsolidierung der universitären Einrichtungen auf einem zentralen Campus trägt zudem dazu bei, der Leuphana ein organisches Zentrum zu geben und sie zu einem fokussierten Ort mit sichtbarer Ausstrahlung zu machen.
Der Entwurf von Prof. Daniel Libeskind setzt bewusst einen Kontrapunkt zur rasterförmigen und schematischen Architektur der Kaserne: Vorhandene Strukturen werden aufgebrochen, um den freien Geist und die Vielschichtigkeit der Wissenschaft zu symbolisieren. Es geht bei dem Entwurf um einen ästhetischen Anspruch, der unverkennbar ist, und somit auch sinnbildlich für das neue Universitätsmodell steht. Diese Modernität ist gleichzeitig ein bewusst gewählter Kontrast zur mittelalterlichen Innenstadt. Lüneburg ist sowohl traditionelle Hansestadt als auch moderne, junge Universitätsstadt – auch dies wird durch das Zentralgebäude symbolisiert.
Neben ästhetischen Kriterien und Nutzungsüberlegungen war für die Planung ein weiterer Aspekt von großer Bedeutung: Die Universität will mit dem neuen Zentralgebäude zeigen, dass es auch mit öffentlichen Mitteln möglich ist, ein modernes Niedrig-Energie-Haus entstehen zu lassen, das nach seiner Inbetriebnahme mehr Energie produziert als es verbraucht. So werden nicht nur Umweltbelastungen vermieden, sondern auch die Betriebskosten auf ein Minimum reduziert – eine konsequente Umsetzung des Nachhaltigkeitsgedankens, dem die Universität verpflichtet ist.



