Zur Soziologie von Künstler-Supportsystemen

Zur Soziologie von Künstler-Supportsystemen
Der Ausgangspunkt der Forschung zur Soziologie von Supportsystemen für Künstler war ein Interesse des niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur, die Praxis von Artist-in-Residence in dem Flächenstaat Niedersachsen mit fünf durch das Land unterstützten Orten (Künstlerhof Schreyahn, Künstlerhäuser Worpswede, Künstlerstätte Schloss Bleckede, Künstlerstätte Stuhr-Heiligenrode, Heinrich-Heine-Haus Literaturbüro Lüneburg) vor dem Hintergrund internationaler Entwicklungen im Bereich Artist-in-Residence zu überdenken.
Folgende Forschungsschritte wurden durchgeführt:
- Recherche auf der Basis vorhandener dokumentarischer Quellen, Sekundärdaten-Recherche (u.a. Res Artis/NL, Transartists/NL, Alliance of Artists Communities/USA, pépinières européennes pour jeunes artistes/F).
- Nutzung des Forschungsnetzwerkes Europäische Vereinigung der Soziologie der Künste (ESA Research Network Sociology for the Arts) zur Kontaktaufnahme mit einschlägigen Expert/innen, die sich mit dem Thema Künstlerförderung beschäftigen.
- Interviews mit ausgewählten Expert/innen im nationalen Rahmen (neben den niedersächsischen Künstlerhäusern, u.a. DAAD Büro Berlin, Künstlerhaus Bethanien Berlin, Kunst-Werke Berlin, Edith-Ruß-Haus für Medienkunst Oldenburg, Kanadische Botschaft Berlin, ein Künstlerinterview, ein Interview mit einer Vertreterin aus dem Ministerium für Wissenschaft und Kultur in Niedersachsen sowie Interviews mit ausgewählten internationalen Expert/innen vor Ort (Outset Contemporary Art Fund, London; HIAP – Helsinki International Artist-in-residence Programme; KIASMA, Helsinki), Einladung von Expert/innen nach Lüneburg bzw. Gruppengespräche (mit Workshop-Charakter u.a. in Worpswede).
Insgesamt sind 29 Interviewpassagen in die Transkription eingegangen. Die Auswertung fand mit ATLAS.ti statt.
Als Ausgangshypothese wurde postuliert, dass die aus dem 19. Jahrhundert stammende romantisch-mäzenatische Konstruktion von Artist-in-Residence, wonach die Künstler/innen einer sozialen Isolation ausgesetzt werden müssen, um von ihrer „genialischen Inspiration“ Gebrauch machen zu können, nicht mehr mit einem globalisierten Kunstsystem kompatibel ist, in dem die künstlerische Produktion in arbeitsteilige Prozesse eingebunden und eine isolierte Tätigkeit der Künstler/innen eher ausgeschlossen ist.
Das Forschungsvorhaben war eingebettet in ein Projektseminar, welches in den Jahren 2006/2007 an der Leuphana Universität Lüneburg durchgeführt wurde. Die empirische Forschung wurde vor allem durch Studierende dieses Seminars ermöglicht. Die Forschungsergebnisse sind publiziert in:
- Behnke, Christoph; Christa Dziallas; Marina Gerber; Stephanie Seidel (Hg.): Artist-in-Residence. Neue Modelle der Künstlerförderung. Lüneburg: Verlag für Wissenschaft und zeitgenössische Kunst an der Leuphana Universität Lüneburg, 2008.
Inhalt:
Vorwort 7
I. Artist-in-Residence Institutionen im internationalen Vergleich
Christoph Behnke
Kunstfeld und Kulturpolitik. Eine feldtheoretische Untersuchung über Künstlerförderung im Rahmen von Artist-in-Residence Institutionen und Programmen 17
Stephanie Seidel
Auf nach China? Artist Residencies und die Volksrepublik China 91
Marina Gerber
Das staatliche kanadische Residency-Programm in Deutschland 109
Marina Gerber
Artist Residencies in Russland 117
II. Interviews
Friedrich Meschede (Berliner Künstlerprogramm des DAAD) 129
Sun Ning (Platform China, Beijing) 141
Bjørn Melhus (Kunsthochschule Kassel, Berlin) 147
Candida Gertler (Outset Contemporary Art Fund, London) 155
Bernd Milla (Künstlerhäuser Worpswede) 163


