Hörsaal der Leuphana
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Leuphana College LecturesLEUPHANA COLLEGE LECTURES

Die Leuphana College Lectures sind eine interdisziplinäre Vorlesungsreihe im Komplementärstudium, die im Rahmen des Innovations-Inkubators stattfindet. Im Sommersemester 2012 widmet sich die Ringvorlesung dem Thema „Innovation. Das neue Denken“. 

Innovation gilt als eines der Schlüsselkonzepte der Gegenwart. Sechs renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Philosophie, Soziologie, der Politikwissenschaften und der Wissenschaftsforschung diskutieren die Frage, wie sich technologische Entwicklungen und gesellschaftliche Veränderungen theoretisch und lebensweltlich angemessen darstellen lassen. Sie unterziehen die Vorstellung, dass innovative Entwicklungen mit der Tradition brechende Kräfte in der Geschichte seien, einer Kritik. Dabei geht es auch darum, diese Entwicklungen als soziale und kulturelle Prozesse verständlich zu machen.

Zu den Vorträgen der Leuphana College Lectures sind neben den Studierenden auch die Hochschulöffentlichkeit und interessierte Bürgerinnen und Bürger herzlich eingeladen.


Vorträge im Sommersemester 2012

Do, 19.04.2012, 18.15 Uhr, HS 3
Moderne/Postmoderne: Innovation war einmal
Dr. Martin Weiss (Alpen Adria Universität Klagenfurt, Österreich)

"Leben wir noch in der Neuzeit; in der Epoche in der die Worte „neu“ und „wertvoll“ als Synonyme gelten? Oder ist uns der Fortschritt  schon längst zur Routine geworden? Glauben wir noch immer, dass die Bäume in den Himmel wachsen? Oder zweifeln wir am Dogma des unendlichen Wirtschaftswachstums? Ist es paradox, dass die „Aktivisten“ der Occupy-Wall-Street-Bewegung T-Shirts mit der Aufschrift „I would prefer not to“ tragen? Oder liegt das Wesen der menschlichen Freiheit tatsächlich in der Potenz nicht zu ...?"


Do, 10.05.2012, 18.15 Uhr, HS 3
Das alte Bild im Neuen: Innovationen in der biomedizinischen Bildgebung
Dr. Barbara Orland (Universität Basel, Schweiz)

„In der Technikentwicklung kommt häufig eine Innovationsrhetorik zum Einsatz, die neue Verfahren als präzedenzlos und einzigartig feiert. Keinesfalls soll der Eindruck entstehen, man ahme nach oder schöpfe die Potentiale gut eingeführter Technik aus. Am Beispiel verschiedener Entwicklungsstufen der vorgeburtlichen Bildgebung wird im Vortrag gezeigt, dass neue Visualisierungstechniken oft jedoch auf erfolgreiche Bildtraditionen zurückgreifen. Von klaren Brüchen kann keine Rede sein, neue Bilder entstehen aus der Re-Kombination des Alten.“


Do, 24.05.2012, 18.15 Uhr, HS 1
Tentative Governance emergenter Wissenschaft und Technik
Prof. Dr. Stefan Kuhlmann (University of Twente, Niederlande)

„Neu entstehende Wissenschafts- und Technikfelder wie die Nanotechnologie, die synthetische Biologie, das Geo-engineering bergen das Potential zur Umwälzung ganzer Sektoren und Institutionen der Gesellschaft. Zugleich erwachsen mit ihnen aber auch veränderte  Akteurkonstellationen sowie Praktiken der Wissensproduktion, Innovation und gesellschaftlicher Aneignung, die sich von denen hergebrachter Technologien unterscheiden. Institutionelle Anpassungsleistungen und Lernprozesse sind erforderlich, die entsprechende Steuerungsmodi verlangen. Die ‚Governance‘ neuer Wissenschaft und Technologie muss geeignet sein, undeutlich definierte und häufig ‚bewegliche Ziele‘ zu verfolgen.  Sie kann als ‚tentativ‘ bezeichnet werden, wenn sie danach strebt, hoch dynamische, wechselseitig abhängige und kaum vorhersehbare Entwicklungsprozesse zu beherrschen – oder wenn eingefahrene Muster des Handelns aufgebrochen und in experimentelle Bahnen gelenkt werden. Tentative Governance schafft offene soziale Foren des Experimentierens und Lernens statt Handlungsspielräume einzuschränken. Dies muss man weder als Ausdruck besonders ‚guter‘ Governance noch als besorgniserregend bewerten: Tentative Governance ist ein Phänomen, das weitere Erforschung  und Reflektion verdient.“


Do, 07.06.2012, 18.15 Uhr, HS 3
Think Pink? Think Diverse!
Dr. Helga Lukoschat (Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft, Berlin)

„In Innovationsprozessen garantieren vielfältig zusammensetzte Teams mehr Perspektivenvielfalt und mehr Kreativität. Doch geht es bei der Integration von Gender- und Diversity-Aspekten in Forschung und Entwicklung nicht nur um eine bessere personelle Balance im Team - nur rund 12 Prozent der Wissenschaftler in der industriellen F&E sind Frauen - sondern um systematische Zugänge, das Potenzial von Gender und Diversity für Produkt- und Prozessinnovationen zu erschließen. Um nicht  erneut Stereotypen  - „think pink“ -  zu generieren, ist allerdings ein hohes Maß an Reflexion der Kategorie Gender erforderlich. Ziel sind nicht „Frauen“- oder „Männer“-Produkte, sondern die höhere Qualität und Bedarfsgerechtigkeit von Produkten in sich rapide wandelnden Lebens- und Arbeitswelten.
In Zusammenarbeit mit fünf großen Unternehmen  hat die EAF im Bereich Automobilentwicklung, Handy-Nutzung und Medizintechnik erforscht, unter welchen Bedingungen Gender- und Diversity-Aspekte sinnvoll in das Innovationsmanagement integriert werden können und welche Herausforderungen damit für die Forschungsteams verbunden sind.“


Do, 28.06.2012, 18.15 Uhr, HS 3
Wie viel Altes braucht das Neue?
Prof. Dr. Elena Esposito (Universität Modena und Reggio Emilia, Italien)

„Das Neue ist ein rätselhaftes Phänomen, weil es seine eigene Negation einschließt: um verstanden und geschätzt zu werden, muss das Neue erkennbar, also auch ein wenig alt sein. Die zwei Momente des Neuen und des Alten sind immer zusammen gegeben. Wann und warum ist unsere Gesellschaft von der Aufwertung des Alten und der Tradition zur Suche nach dem Neuen übergegangen? Welche Probleme stellt eine Form der Stabilisierung aufgrund des Neuen, das sich immer umwandelt und seine Kriterien ändert?“


Do, 10.07.2012, 18.15 Uhr, HS 3
Soll man eigentlich noch wissenschaftliche Bücher schreiben?
Prof. Dr. Michael Hagner (ETH Zürich, Schweiz)

„Das geisteswissenschaftliche Buch ist unter Druck geraten, und das nicht nur wegen der neuen Medien. Auch Forschungsgewohnheiten, die im 20. Jahrhundert dominierten und mehr oder weniger stabil blieben, ist in wenigen Jahren in Bewegung gekommen. Also lautet die Frage: Welche Rolle spielt das gedruckte Buch für das Selbstverständnis und die Außenbetrachtung der Geisteswissenschaften? Meine Überlegungen zur Situation des Buches werde ich anhand von drei Stichworten - Kulturkritik und mediale Heilserwartung, Überforschung und Open access entfalten.“


Veranstaltungsort

Alle Veranstaltungen der Vorlesungsreihe "Leuphana College Lectures" (außer am 24. Mai 2012) finden in Hörsaal 3, Leuphana Universität Lüneburg, Scharnhorststr. 1, 21335 Lüneburg statt.

02.04.2012, verfuerth