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Essaywettbewerb 2012ESSAYWETTBEWERB 2012

Was heißt es heute, gesund zu leben? 

Jedes Jahr geschieht es aufs Neue: mit dem Jahreswechsel fassen viele Menschen „gute Vorsätze“ für das nächste Jahr. Sie wollen sich ausgewogener ernähren, mit dem Rauchen aufhören oder mehr Sport treiben. Beliebt ist auch der Vorsatz, sich mehr Zeit für sich selbst und die Familie zu nehmen. Häufig haben viele Vorsätze eines gemein: den Wunsch, gesünder zu leben. Doch was heißt es denn heute eigentlich, gesund zu leben? Und warum streben viele Menschen dies an? Bedeutet eine gesunde Lebensweise einfach ein längeres Leben? Oder ein glücklicheres? Was bedeutet es für Menschen, die von Geburt an „krank“ sind, gesund zu leben?

Eines scheint klar: Es geht nicht mehr nur um die medizinischen Aspekte, die eine gesunde Lebensweise mit einer vitaminreichen Ernährung und viel Bewegung gleichsetzen. Mit der Frage, was es heute bedeutet, gesund zu leben, beschäftigen sich auch Kultur-und Sozialwissenschaftler. Welchen Stellenwert hat das Verhältnis von „Krankheit“ und „Gesundheit“ in unserer heutigen Gesellschaft und welche Problematiken ergeben sich daraus? Sind „gesund“ und „krank“ zwei sich gegenseitig ausschließende menschliche Zustände? Ist es eine rein physische oder auch eine psychische Thematik?

Viele Menschen fühlen sich heute offensichtlich nicht gesund. Die Anzahl der Menschen, die sich psychisch nicht fit fühlt, hat statistisch in den westlichen Großstädten der Welt zugenommen. Hohe Arbeitsbelastung und der Wunsch oder die Pflicht, perfekt zu sein, setzen die Menschen stark unter Druck. Büro- und Computerarbeiten sorgen zudem für physische Beeinträchtigungen. Die Menschen bewegen sich zu wenig und verharren über Stunden in schlechten Haltungen. Hinzu kommen vielerorts starke Umweltbelastungen. Ist also die Thematik einer gesunden Lebensweise heute besonders relevant? Müssen wir uns mehr anstrengen, um gesund zu leben? 

Schenkt man dem aktuellen Bio- und Ökotrend Glauben, so bedeutet eine gesunde Lebensweise die Umstellung auf reine Bio-Ernährung, keine Konservierungsstoffe, keine künstlichen Aromen, wenig oder gar kein Fleisch. Viel Bewegung in der Natur gehört ebenso dazu wie der Grundsatz „Fahrrad statt Auto“. Aber was lässt uns glauben, dass dies alles wirklich gesund sei? Der Stellenwert der Ernährung hat in unserer Alltagskultur, die oftmals durch Fast-Food-Restaurants bestimmt wird, abgenommen. Aber welche Rolle spielt die Ernährung überhaupt für ein gesundes Leben? 

Welche Faktoren bedingen darüber hinaus eine gesunde Lebensweise? Bedeutet es, keinen Stress zu haben? Zeit für Freunde und Familie zu haben? Wer definiert in unserer Gesellschaft, was als gesund gilt? Die kulturelle Pluralität der heutigen Zeit führt auch zu unterschiedlichen Auffassungen und Verständnissen, was es bedeutet, gesund zu leben. 

Was unterscheidet unsere heutigen Definitionen von „Gesundheit“ und „Krankheit“ von den Auffassungen aus früheren Zeiten? Ist unser heutiges Verständnis von Gesundheit generationenspezifisch? Wie haben sich kulturelle Sichtweisen auf Krankheit und Gesundheit im Laufe der Geschichte gewandelt? Und wie prägt der medizinische Fortschritt unsere kulturelle Sichtweise auf die Felder „Gesundheit“ und „Krankheit“? Die Frage nach einer gesunden Lebensweise zeigt also auch moralische und normative Problemfelder auf. Was bedeutet es, wenn ein Mensch nicht mehr gesund werden kann? Und welchen Preis sind wir bereit zu zahlen, um gesund zu leben?

Die Thematik von Gesundheit und Krankheit hat bereits in vielen Generationen verschiedenste Wissenschaftsdisziplinen beschäftigt. Auch heute ist dieser interdisziplinäre Diskurs von hoher Aktualität. 

… und was bedeutet es für Dich „heute, gesund zu leben“?

08.03.2012, verfuerth