Modul - Wissenschaft macht Geschichte

Im Modul „Wissenschaft macht Geschichte“ wird das Wissen der Studierenden vor allem in den Bereichen Geistesgeschichte, Kulturgeschichte und Technikgeschichte erweitert und vertieft. In der praktischen Auseinandersetzung mit grundlegenden Diskursen unserer Gesellschaft werden verschiedene historische Positionen erarbeitet, kontextualisiert und interpretiert. Die Studierenden lernen, diese Positionen nachzuvollziehen und sowohl mündlich als auch schriftlich anzugreifen oder zu verteidigen. Dabei erwerben sie nicht nur themenspezifisches Fachwissen, sondern werden quasi "nebenbei" in die klassischen Methoden wissenschaftlichen Arbeitens eingeführt. Dies ermöglicht es ihnen, sich sofort auch an aktuellen Debatten aktiv, kritisch und unter Einbeziehung der historischen Dimensionen zu beteiligen. Zugleich erwerben die Studierenden die Grundlagen für eine umfassende Methoden- und Informationskompetenz: Sie lernen, Informationen zu finden, ihre Relevanz zu bewerten und daraus Wissen zu generieren. Sie lernen, eine eigene Position zu entwickeln, mit Argumenten abzusichern und mündlich und schriftlich zu verteidigen. Damit leistet das Modul „Wissenschaft macht Geschichte“ einen curricularen Beitrag zur Entwicklung der individuellen Urteilsfähigkeit und des aufgeklärten Engagements innerhalb einer demokratischen Zivilgesellschaft.
Alle Veranstaltungen im Modul beziehen sich auf ein gemeinsames, jährlich wechselndes Thema. In der Vorlesung behandeln Wissenschaftler der Leuphana und eingeladene Experten die jeweilige Fragestellung allgemeinverständlich, didaktisch engagiert und auf einem hohen Reflexionsniveau unter ideengeschichtlichen, philosophischen oder theoretischen Aspekten. In bis zu 70 begleitenden Seminaren wird es dann konkret: Die Studierenden untersuchen nun die unterschiedlichen Auswirkungen des Themenkomplexes auf Literatur, Kunst, Musik, Technik, Politik, Philosophie oder Sozialleben.
Im Leuphana Semester 2011/12 widmet sich das Modul "Wissenschaft macht Geschichte" im inhaltlichen Anschluss an die Thematik der Startwoche "Gesundheit!" der kultur- und geisteswissenschaftlichen Reflexion des Verhältnisses von Gesundheit zu Krankheit. Unter dem Titel "Gesundheit als Utopie? Krankheit als Sinn?" werden in der Ringvorlesung des Moduls Philosophen, Theologen, Juristen, Medizinethiker, Kunsthistoriker, Psychiater und Medienwissenschaftler die Kulturalität, die gesellschaftliche Problematik und den Stellenwert ausloten, die das Verhältnis von Gesundheit zu Krankheit für die menschliche Selbstauslegung einnimmt. So wird etwa der Philosoph, Publizist und Lüneburger Honorarprofessor Dr. Richard David Precht über das Verhältnis von physischer zu psychischer Gesundheit sprechen, der Lübecker Wissenschaftsforscher und Medizinhistoriker Prof. Dr. Cornelius Borck die Beantwortung der Frage versuchen, warum gute Medizin vielleicht gesund, aber nicht glücklich macht, und die Kunsthistorikern Prof. Dr. Beate Söntgen "Schöne Kranke" betrachten. In den begleitenden Seminaren werden die Dimensionen des Phänomens "Gesundheit und Krankheit" anhand praktischer Beispiele aus allen Fachbereichen vertieft und erweitert. Hier können die Studierenden unter etwa 70 Seminaren wählen, z.B. zu Gesundheitslehren in der Frührenaissance, zu Staatsmetaphern der Antike und Selbstinszenierungen gegenwärtiger Politiker oder zur zivilen und militärischen Aktualität und Therapie posttraumatischer Belastungsstörungen.
In den vergangenen Leuphana Semestern wurden sowohl gesellschaftlich aktuelle Debatten als auch theoretische Fragestellungen aufgegriffen, wie der Begriff der Epochenschwelle von der Kopernikanischen Wende bis zu Harry Potter, die Neuausrichtungsstrategie der Leuphana Universität Lüneburg und das ihr zugrunde liegende Humboldt‘sche Bildungsideal sowie der Dualismus von Wissens- und Persönlichkeitsbildung und die damit verbundene Frage nach der Natur des Geistes. Das Leuphana Semester des letzten Studienjahres stand ganz im Zeichen des ubiquitären Themas menschlicher Existenz schlechthin: der Liebe.



