Fairer Handel. Wie fair ist er wirklich?

©Jakub Kaliszewski: Die Auswahl an fair gehandelten Lebensmitteln ist groß

Von Laura Straubhaar

FairChoice, fair for life, FAIRTRADE. Die Auswahl der verschiedenen fair gehandelten Siegel ist riesig und führt schnell zur Überforderung beim Kauf. Kaffee macht mit 35 Prozent den größten Anteil am Gesamtumsatz des Fairen Handels aus und das merkt man spätestens beim Blick über das Sortiment.

Wer ist FAIRTRADE?

1997 schlossen sich 14 nationale Siegel-Initiativen, darunter FAIRTRADE Deutschland, zusammen. Das FAIRTRADE-Label kennzeichnet Lebensmittel, die aus fairem Handel stammen und bei deren Herstellung bestimmte soziale, ökologische und ökonomische Standards eingehalten wurden. Der faire Handel erzielte in Deutschland 2015 insgesamt einen Umsatz von 1,139 Milliarden Euro. Das blaugrüne FAIRTRADE-Produktsiegel machte dabei mit 895 Millionen Euro (79 Prozent) den größten Anteil am Fairen Handel aus. 

Was ist das FAIRTRADE-Siegel?

Das FAIRTRADE-Siegel wird in Deutschland von TransFair e.V. vergeben. Dafür muss ein Produkt eine Reihe von Kriterien erfüllen. Dazu gehören: fairer Mindestpreis, Sozialprämie, direkter Handel, langfristige Handelsbeziehungen, die Bereitstellung von Vorfinanzierungsmöglichkeiten, demokratische und transparente Organisationsstrukturen sowie den Verzicht auf Kinderarbeit. Außerdem setzt sich FAIRTRADE für einen Mindestpreis ein, der unabhängig vom Weltmarkt an Produzenten gezahlt wird. Die Einhaltung dieser Kriterien wird von der internationalen Zertifizierungsstelle FLO-CERT überprüft. Produzentengruppen, Händler und Lizenznehmer werden deshalb regelmäßig kontrolliert.

Wie fair ist das FAIRTRADE-Siegel?

Erschwerte Transparenz tritt bei sogenannten Mischprodukten auf, also bei Lebensmitteln, die mehrere Zutaten enthalten wie Schokolade oder Gebäck. Bei diesen Produkten muss der Verbraucher genau hinsehen, wie viel Prozent Fairness wirklich im Produkt steckt. Denn seit 2011 liegt der Mindestanteil für faire Inhaltsstoffe in einem FAIRTRADE-Mischprodukt bei nur noch 20 Prozent. Hinzu kommt die Ausnahme, dass im Falle einer Dürre oder Missernte auch nicht fair-zertifizierte Zutaten verwendet werden können, damit die noch zu verbleibende Menge im Mischprodukt gedeckt wird. Die 20 Prozent-Grenze darf jedoch niemals unterschritten werden.

Durch die neue 20-Prozent-Regelung können mehr Produkte fair zertifiziert werden, die bei der vorherigen Regelung von 50 Prozent ausgeschlossen wurden. Dazu gehören Mischprodukte wie Eiscreme oder Milchshakes. Die fair gehandelte Produktpalette wird folglich vielfältiger, aber gleichzeitig auch aufgeweichter. Wird die Grenze als zu gering empfunden, könnte der faire Handel ingesamt an Glaubwürdigkeit verlieren.

Auch wenn der Anteil der Fairness in einem Produkt variieren kann, leistet der faire Handel insgesamt einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen und gerechten Entwicklung in den Exportländern. Letztendlich muss der Verbraucher selber entscheiden, wie viel Fairness im gekauften Produkt vorhanden sein soll.

Zurück im Supermarkt. Ist man überfordert mit der Auswahl and fairen Produkten, hilft ein Blick auf die Rückseite. Denn dort steht, wie groß sein fairer Anteil wirklich ist.