Inklusion ist toll – aber gar nicht so einfach

von Denise Dunckel

Inklusion ist das Bildungsthema der Stunde. Aber so aktuell das Thema ist, so heikel ist es auch. Wie heikel, zeigt die Tatsache, dass die Lehrkräfte, mit denen wir gesprochen haben, lieber nicht ihre Namen hier genannt sehen möchten – selbst wenn sie eigentlich positive Erfahrungen mit Inklusion gemacht haben. So sagt eine Lehrkraft an einer inklusiven Schule: „Als erstes wusste ich nicht so recht etwas mit dem Begriff ‚Inklusion‘ anzufangen, aber mittlerweile habe ich es verstanden und finde das Konzept gerecht für alle“. Inklusion soll Zugehörigkeit ermöglichen, sodass jeder Mensch, ob mit oder ohne Beeinträchtigung, genau dort sein kann, wo er gerne möchte.

Ist eine inklusive Schule damit automatisch auch eine gerechte Schule? Eine gerechte Schule ist für jeden anders. Viele Aussagen überschneiden sich dabei. Eine gerechte Schule sollte sich doch durch Vielfalt bei ihren SchülerInnen und Angestellten auszeichnen. Zudem sollte sie zu einem motivierenden, positiven Raum werden, in dem sich jeder individuell entfalten kann und akzeptiert wird. Darüber hinaus sollen jeder SchülerIn die gleichen Bildungschancen ermöglicht werden und es soll Interaktion zwischen allen geschaffen werden. Inklusive Schulen versuchen alle Aspekte zu ermöglichen.

Stimmen aus der Schulpraxis

Lehrkräfte an inklusiven Schulen bestätigen diese Vorteile der Inklusion. So berichtet eine Lehrerin, dass sie sehr viel motivierter sei, seitdem die Inklusion bei ihr an der Schule durchgedrungen ist. „Nach so vielen Berufsjahren, wie ich sie habe, ist es endlich etwas Neues und Aufregendes im Berufsalltag“, sagt sie. Jedoch gibt es auch seitens der Lehrkräfte negative Aspekte. Auch wenn Inklusion vom Großteil als Chance gesehen wird, das Bildungssystem zu verbessern, sehen die Lehrkräfte eine große Hürde in ihr. „Wir Lehrer hatten schon immer sehr viel zu tun, auch nach dem Unterricht“, äußert eine Lehrkraft einer Grundschule in Hamburg. „Seien es Unterrichtsvorbereitungen, Besprechungen, das Korrigieren von Tests und vieles mehr. Aber seitdem die Schulen inklusiv werden, haben wir noch mehr Aufwand und müssen noch individueller planen. Das ist manchmal gar nicht so leicht, wenn man nicht richtig ausgebildet ist, um sich gerecht allen widmen zu können.“

Für diese Fälle werden unterstützend in den Klassen SonderpädagogInnen und weiteres Fachpersonal angestellt. Sie sollen die Lehrkräfte unterstützen, sodass sie sich im Team um die Klassen kümmern können. In diesen Teams können sie sich zusammen um jeden einzelnen SchülerIn kümmern und sich seinen speziellen Fähigkeiten widmen. Diese individuelle Betreuung kann die Lernleistung steigern. In der Klemm Studie der Bertelsmann-Stiftung konnte auch allgemein nachgewiesen werden, dass SchülerInnen in inklusiven Schulen durch die Teams besser unterstützt werden. Ebenso können die SchülerInnen durch die individuellen Förderungen bessere Lernleistungen erbringen.

Ob Inklusion somit als gerecht wahrgenommen werden kann, muss jeder selbst entscheiden. Wichtig ist nur, dass man sich nicht dazu drängen lässt, sich für eine Seite zu entscheiden Denn die Entscheidung für oder gegen Inklusion soll genauso individuell sein, wie der inklusive Unterricht eines jeden Schülers und genauso individuell, wie jeder einzelne SchülerIn, ob mit oder ohne Beeinträchtigung.