Krumme Dinger - Das Geschäft mit den Bananen

Von Leon Kadar

Didier Lenton Valverde ist Generalsekretär der Gewerkschaft SITRAP in Costa Rica. Diese ist verantwortlich für 41 Bananenplantagen. Didier Lentin Valverde hat selbst 19 Jahre auf Plantagen gearbeitet, bis er vor zehn Jahren die Entscheidung traf, sich für die Rechte der Plantagenarbeiter einzusetzen. Mittlerweile reist er bis nach Europa, um beim Endverbraucher auf die schlechten Zustände auf den Plantagen aufmerksam zu machen.

In südamerikanischen Ländern ist es legal, sich einer Gewerkschaft anzuschließen, zieht aber meist eine fristlose Kündigung nach sich. Dies behindert die Gewerkschaftsarbeit stark, obwohl sie dringend notwendig ist. Löhne, Überstunden, Sicherheit und Gesundheit sind Themen, über die keiner spricht. Nach einer Studie von OXFAM haben sich in den letzten Jahren die Löhne verbessert und liegen mittlerweile minimal über dem Existenzminimum, doch die durchschnittlich 24 bis 32 Überstunden im Monat werden nicht vergütet. Zudem sind Urlaubstage trotz gesetzlicher Vorschriften unbezahlt.

Die Sicherheits- und Gesundheitslage der Plantagenarbeiter ist die beunruhigendste Folge der Unterdrückung der Gewerkschaften. Auf vielen Plantagen sind die Arbeiter regelmäßig giftigen und krebserregenden Pestiziden ausgesetzt, die durch Flugzeuge über den Feldern versprüht werden. Ein Arbeiter, der von OXFAM interviewt wurde, erzählte Folgendes: „Wir bleiben an unseren Arbeitsplätzen, weil sie uns nicht weggehen lassen. Wir bedecken uns mit unseren Hemden, weil der Verwalter der Plantage uns nicht erlaubt, die Felder zu verlassen“. Es gibt Gesetze, die besagen, dass Pestizide nur versprüht werden dürfen, wenn sich keine Arbeiter auf dem Feld befinden. Allerdings werden sie missachtet. Die Schutzkleidung, die das gesundheitliche Risiko deutlich eindämmen würde, wird allerdings nur von wenigen Betrieben gestellt.

Die Arbeiter sind nicht die Einzigen, die unter den Pestiziden leiden. Auch Anwohner haben mit den Folgen zu kämpfen, da die Flugzeuge meist zu tief fliegen und somit zusätzlich auch Wasservorräte verseuchen. „Viele Anwohner mussten ihre Sachen packen und wegziehen, weil ihre Kinder durch den Pestizid-Einsatz krank geworden sind. Gerade heute hat uns die Mission Manuela Espejo des Vizepräsidenten besucht, um die geistig behinderten Kinder der Region zu sehen. Sie leiden unter Gehirnlähmung, Problemen in Armen und Beinen, Hautausschlag, etc. Wasser und Luft werden verseucht, wir sind sehr besorgt über die Situation. Und sie [die Plantagenbesitzer] schenken dem keine Beachtung. Einmal waren wir bei einer Veranstaltung in Malagon, und auf einmal kam das Flugzeug und hat uns alle besprüht, die Leute wurden wütend und haben das Flugzeug mit Steinen beworfen.“, berichtet eine Arbeiterin aus Guyanas.

 

An den aktuellen Umständen sind nicht nur südamerikanische Produzenten schuld, sondern auch deutsche Supermarktketten, die den Großteil der 1,2 Millionen Tonnen Bananen erwerben. Edeka, Rewe, Aldi, die Schwarzgruppe (Lidl, Kaufland) und die Metro sind die Hauptabnehmer der Ernte. Sie können durch ihre großen Abnahmemengen den Lieferanten die Konditionen vorschreiben, da die Lieferanten gezwungen sind, ihre Waren zu verkaufen. Dieser Preisdruck zieht sich automatisch durch die ganze Lieferkette und kommt beim Bananenbauern auf der Plantage an. Dieser hat keine Chance, seinen Lohn zu verteidigen, ohne seinen Job zu riskieren.

 

Zu der Frage, warum keine Fairtrade-Bananen im Sortiment vorhanden sind oder warum nur teilweise, wollten große Supermarktketten (REWE, Lidl) keine Stellung nehmen. Einzig und allein die Kaufland-Kette verwies auf ihre Fairtrade-Bananen: “Neben unseren vorgenannten Maßnahmen zu flächendeckenden Verbesserungen im Bananenanbau bieten wir unseren Kunden auch fair gehandelte Bananen an.“ Die vorgenannten Maßnahmen beruhen auf Standards der ILO (International Labour Organization), sind aber nicht nachvollziehbar für den Verbraucher im Supermarkt. Als Mitglied des Aktionsbündnis für nachhaltige Bananen ist Kaufland dazu verpflichtet, nachhaltige Grundprinzipien zu „beachten“. Doch es wird hier nicht gefordert alle Missstände hundertprozentig zu beheben. Der Anteil an Fair gehandelten Bananen bei Kaufland liegt bei 10%.


Zurück zum Supermarkt und zu der Entscheidung, welche Banane der Verbraucher kaufen möchte. Entscheidet er sich für die Bio-Banane, kann er ein Teil des Leids verhindern, da bei Bio-Bananen auf Pestizide verzichtet wird um gesundheitliche Schäden einzuschränken. Niedrige Löhne und die ausbeuterische Arbeitszeit ist nicht zu verhindern, außer man kauft eine Fairtrade-Banane. Verglichen mit dem Bio-Siegel, sichert ein Fairtrade-Siegel nicht nur den biologischen und umweltfreundlichen Anbau, sondern ebenfalls gerechte Entlohnung und Arbeitsumstände. Leider sind Fairtrade Bananen nicht in allen Supermärkten erhältlich. Wenn Didier Lenton Valverde Menschen in Deutschland und Europa aufklärt und die Entscheidung der Verbraucher immer öfter auf eine Fairtrade-Banane fällt, wird sich der Markt anpassen und die Plantagenarbeitern in Südamerika unterstützen.