Schwules Blut nicht erwünscht

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Ein Bericht von Moana Wirth

„Nur für Männer: Hatten Sie schon einmal Sexualverkehr mit einem anderen Mann?“, diese Frage steht im einheitlichen Blut- und Plasmaspenderfragebogen des roten Kreuzes. Gleich daneben wird gefragt: „Nur Frauen: Hatten Sie in den letzten 4 Monaten Sexualverkehr mit einem bisexuellen Mann?“. Während andere Fragen in diesem Fragebogen nach Erkrankungen, Vorerkrankungen, Drogenkonsum und Auslandsaufenthalten fragen, beziehen sich diese Fragen auf etwas noch Intimeres, das Sexleben. Doch was genau ist so interessant daran, ob ein Mann Sexualverkehr mit einem Mann hatte, oder auch MSM, wie es bei der Bundesärztekammer abgekürzt wird.

Laut Statistiken des Robert-Koch-Instituts ist bei Sexualverkehr zwischen zwei Männern die Ansteckungsgefahr für AIDS, Hepatitis B, Hepatitis C und andere Krankheiten, die übers Blut übertragen werden können, höher als bei heterosexuellem oder lesbischem Sexualverkehr. Aufgrund dieser potenziellen Gefahr wurde in den „Richtlinien zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Hämotherapie)“ von der Bundesärztekammer und in Einvernehmen mit dem Paul-Ehrlich-Institut das Blutspenden von Männern, die Sex mit anderen Männern hatten (MSM), verboten. Auch im Transfusionsgesetz wird auf das Paul-Ehrlich-Institut als zuständiges Institut verwiesen. Zwar wird jede Blutspende auf diese Krankheiten überprüft, doch werden viele Krankheiten, wie zum Beispiel auch AIDS, erst vier Monate nach der Infektion mit dem Virus von dem Test erkannt, heißt es dazu in der Stellungnahme der Bundesärztekammer und im Anamnese-Fragebogen des Paul-Ehrlich-Instituts.

Doch ist es gerecht, deshalb gleich eine ganze Gruppe von Spendern auszuschließen? Laut einer Statistik des Robert-Koch-Instituts sind im Jahre 2015 geschätzt 3.200 Menschen (3.000-3.400) mit HIV neuinfiziert worden, davon geschätzt 2.700 Männer und 500 Frauen. Etwa 2.200 dieser Infizierten wurden über „Sex zwischen Männern“ infiziert. 

Leben in Deutschland: „Normal“ ist Vater, Mutter Kind

Doch woran liegt es, dass homosexuellen Männern nicht zugetraut wird, ihr eigenes Risikoverhalten einschätzen zu können? Während es für Heterosexuelle die Wahl gibt, anzugeben, dass sie oft wechselnde Sexualpartner haben, wird diese Frage homosexuellen oder bisexuellen Männern gar nicht erst gestellt, sie werden aufgrund ihrer sexuellen Orientierung gleich abgewiesen.

Das könnte unter anderem daran liegen, dass, anders als Heterosexualität, Homosexualität nicht der Norm in Deutschland entspricht. Das „normale“ Familienmodell in Deutschland ist Mutter, Vater und Kind. Die meisten Anträge, Verträge und ähnliches für Paare und Ehepaare, verlangen nach Frau und Mann oder Ehefrau und Ehemann. 

Das Modell von Frau und Frau oder Mann und Mann ist noch nicht genug integriert in die Gesellschaft um als normal angesehen werden zu können. Des Weiteren werden homosexuelle Menschen immer noch diskriminiert, sowohl gesellschaftlich als auch durch Institutionen und Politik. Beispielsweise können heterosexuelle Paare durch die Ehe, ein Kind adoptieren, dies ist einem homosexuellen Paar in einer Lebenspartnerschaft verwehrt. 

Während allerdings das Adoptionsrecht von homosexuellen Paaren noch stark diskutiert wird und sich keine Veränderung zeigt, wird momentan über eine Lockerung des Blutspende-Verbotes für „MSM“ verhandelt, wie das Paul-Ehrlich-Institut und das Deutsche Rote Kreuz berichten. Es bleibt nur die Frage, wie diese Lockerung aussehen wird und ob diese wirklich gerecht ist.

Mehr Infos unter:

http://www.rki.de/

http://www.pei.de/

http://www.bundesaerztekammer.de/

https://www.drk-blutspende.de/

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