Sharing Economy: zwischen Gemeinwohl- und Gewinnorientierung

von Laura Straubhaar

„Immer mehr Menschen nutzen die digitale Mitfahrplattform BlaBlaCar“, erklärt Marei Martens, Communication Managerin des Unternehmens. 40 Millionen Menschen in 22 Ländern sind es, um genau zu sein. Die 2006 gegründete App umfasst mittlerweile eine große Community, in der Fahrer und Mitfahrer mit Hilfe von persönlichen Profilen gemeinsame Fahrten planen können. Die Auslastung in Europa sei mit nur 1,7 Personen pro PKW sehr niedrig, dagegen gehe die Plattform BlaBlaCar an, sagt Martens. Da sei Luft nach oben. Bietet man seine leere Sitzbank im Auto an, sei man nicht nur nachhaltiger, günstiger und in Begleitung unterwegs, sondern verdiene nebenbei noch ein wenig Geld, wirbt Martens.

Die Sharing Economy – ein vielseitiger Begriff

Teilen statt Kaufen. Das klingt gemeinnützig, fair und ressourcenschonend. Die Ökonomie des Teilens meint laut Gabler Wirtschaftslexikon „das systematische Ausleihen von Gegenständen und das gegenseitige Bereitstellen von Räumen und Flächen durch Privatpersonen und Interessengruppen“. Die Sharing Economy umfasst folglich verschiedene Umsatzformen, weshalb es wichtig sei, die unterschiedlichen Akteure immer kontextgebunden und differenziert zu betrachten, erläutert Thomas Dönnebrink, Freelance Experte und Strategist für Collaborative Economy. Durch das Internet verbreitete sich der Sharing-Gedanke auf Online-Plattformen, wie die Beispiele BlaBlaCar, AirBnB oder Ebay zeigen.

 Sharing Economy möchte den Gemeinschafsnutzen und den Community-Gedanken stärken, Begegnungen zu fremden Kulturen fördern, Ressourcen schonen und die Umwelt entlasten. Aber auch die Sichtweisen auf Eigentum sollen durch die Sharing Economy verändert werden, da Statussymbole durch das Teilen geschwächt werden.

Doch Sharing Economy steht auch für profitorientierten Plattformen: Ein Messer könne dem Menschen helfen, aber im falschen Moment und von den falschen Menschen benutzt, könne es auch töten, beschreibt Thomas Dönnebrink den „Plattform-Kapitalismus“. Unternehmen könnten sich zu stark an ihrem Gewinn orientieren und die Einhaltung von Sicherheits- und Einheitsschutz und des Mindestlohns gerate in Vergessenheit. Die großen Anbieter würden immer reicher werden und die kleinen auf der Strecke bleiben. Ist das gerecht?

Eine Alternative: Fairmondo

Es geht aber auch anders: Gerade entstehen alternative Plattformen, die sich auf Gerechtigkeit im Unternehmen und Umwelt konzentrieren. Fairmondo, ein alternativer Online-Marktplatz zu Ebay und Co., ist so ein Beispiel. Auf Fairmondo können Nutzer faire und nachhaltige sowie konventionelle Artikel kaufen und verkaufen. Organisiert als Genossenschaft ist Fairmondo einzigartig im Onlinehandel. Hinter dem Unternehmen stehen keine Großinvestoren, sondern über 2.000 Privatpersonen und gewerbliche Händler. Interessierte können sich ab einem Anteil von 10 Euro am Unternehmen beteiligen und haben Mitspracherecht. „Fairmondo setzt sich für Transparenz im Unternehmen ein, wodurch Transaktionen des Unternehmens von seinen Mitgliedern eingesehen werden können“, erläutert Felix Weth, Gründer und Vorstandsmitglied von Fairmondo. Ziel des Unternehmens sei es, eine Wirtschaft zu schaffen, „in der man gerne arbeitet und nicht ausgebeutet wird“, so Weth.

Aber trägt die Sharing Economy nun zu einer gerechteren Welt bei? Ja, wenn in der Struktur sichergestellt wird, dass demokratische Richtlinien, Transparenz und Kontrolle vorhanden sind. Nein, wenn Mitarbeiter ausgebeutet werden, Sicherheits- und Einheitsschutz nicht eingehalten werden und die finanzielle Ungleichheit immer größer wird.