Soziale Gerechtigkeit durch gerechte Löhne?

 Ein Beitrag von Leonie Maaß

Ohne Menschen in sozialen Berufen würde unsere Gesellschaft nicht mehr funktionieren, denn all diese Aufgaben können wir nicht gleichzeitig selbst erfüllen. Die reproduzierenden Berufe wie Erziehung und Pflege, die früher innerhalb der Familie übernommen wurden, werden heutzutage ausgelagert. Und trotzdem sind diese bei der Berufswahl nicht die Beliebtesten. Eine mögliche Ursache dafür ist, dass das Bruttojahresgehalt einer Erzieherin laut eines Gehaltsvergleichs der „Personalmarktservices GmbH“ durchschnittlich bei unter 30.000€ liegt. Vergleicht man dies mit den Gehältern der Manager der DAX-Konzerne fällt auf, dass diese laut dem Magazin „Wirtschaftswoche“ mit durchschnittlich 5,3 Millionen Euro pro Jahr weit über dem liegen, was man als einen gerechten Lohn bezeichnet. Aber was ist unter diesem Begriff überhaupt zu verstehen?

Nach einer Definition des „Wirtschaftslexikons“ ist ein gerechter Lohn angepasst an die Anforderungen, die ein Arbeitsplatz stellt, und die Leistung, die ein Arbeitnehmer erbringt. Dass eine Erzieherin allerdings weniger Anforderungen zu erfüllen hat und eine niedrigere Leistung erbringt als ein Manager darf bezweifelt werden. Jeder Beruf bringt seine spezifischen Anforderungen mit, die erfüllt werden müssen. Was treibt Menschen dennoch an, soziale Berufe zu ergreifen? Häufig sind es Menschen, die sich eine sinnvolle Arbeit wünschen. Soziale Berufe geben den Berufstätigen das Gefühl, helfen zu können und gebraucht zu werden. Diese Tatsache kann ein geringes Gehalt aber nur begrenzt ausgleichen. Die soziale Ungerechtigkeit bleibt.

Herrscht soziale Gerechtigkeit?

Aber was ist überhaupt soziale Gerechtigkeit und wie kommt sie in der Arbeitswelt zum Tragen? Der Soziologe Stefan Hradil zum Beispiel versteht unter sozialer Gerechtigkeit den Zustand einer Gesellschaft, in dem Rechte, Möglichkeiten und Ressourcen gerecht auf alle aufgeteilt werden. Rechte gelten für alle Menschen, egal in welchem Beruf diese arbeiten. Möglichkeiten allgemein zu beurteilen, ist sehr schwer, da jeder individuelle Möglichkeiten hat. Die Berufswahl steht allerdings jedem frei und niemand hat die Verpflichtung, einen sozialen Beruf zu ergreifen. Bleiben noch die finanziellen Ressourcen. Diese sind stark ungleich verteilt, weil durch das Gehalt sehr unterschiedliche finanzielle Mittel zur Verfügung stehen. Soziale Gerechtigkeit herrscht in unserer Gesellschaft also nur zum Teil.

 

Verbesserung der Situation sozialer Berufe

Was kann nun getan werden, damit die Attraktivität sozialer Berufe steigt und mehr Gerechtigkeit entsteht? Das Erste, was einem dazu in den Kopf kommt, ist vielleicht die Idee, die Gehälter zu erhöhen, sodass ein gerechter Lohn gezahlt wird. Diese Forderung stellen Gewerkschaften schon seit langer Zeit, was allerdings schwierig umzusetzen ist, weil soziale Einrichtungen meistens nicht die Mittel haben, höhere Gehälter zu zahlen. Dennoch brauchen wir dringend Menschen, die soziale Berufe ergreifen, denn irgendwann ist jeder von uns darauf angewiesen.