Was zwei EL Zucker, ein EL Kaffeepulver und ein EL Öl bewirken können

von Lisa Holldorf 

Die Cradle to Cradle Regionalgruppe Lüneburg führte mit einer Kombination aus Vortrag zum dreckigen Geheimnis der Kosmetikindustrie und Workshop zur Herstellung von Duschpeeling und Deo durch einen erkenntnisreichen Nachmittag.

Was ist Cradle to Cradle?

Der Verein Cradle to Cradle („Von der Wiege zur Wiege“) stellt sich eine Welt ohne Abfall vor, in der Produkte idealerweise so hergestellt sind, dass sie im Kreislauf zirkulieren und gesund für Mensch und Umwelt sind. Den Begriff „Müll“ verwenden die Mitglieder von Cradle to Cradle nicht gerne. Sie sprechen stattdessen von Ressourcen. Die Erde sollte nicht als Rohstoffquelle ausgenutzt werden. Das Team hinter Cradle to Cradle erkennt, dass die Erde nur begrenzt viel Müll verträgt und wichtige Rohstoffe bald erschöpft sind. Dieser Entwicklung versucht Cradle to Cradle entgegenzuwirken: Weniger Rohstoffe verbrauchen, Müll vermeiden und den CO2 Ausstoß verringern. Ein wichtiger Bestandteil der Cradle to Cradle Idee ist die Trennung von zwei Kreisläufen. Der biologische Kreislauf umfasst alles, was sich in der Natur abnutzen kann. Diese Teile müssen vollständig biologisch abbaubar sein, ohne Schadstoffe freizusetzen. Der technische Kreislauf umfasst alle Teile, die nicht biologisch abbaubar sind und nicht in die Natur gelangen dürfen. Diese Produkte sollten problemlos in ihre Bestandteile zerlegbar sein und als Rohstoffe für neue Produkte wiederverwendet werden.

Die Kosmetikindustrie

Die konventionelle Kosmetikindustrie kann nicht wirklich von sich behaupten, umweltverträgliche Produkte zu gestalten. Vor allem die Bestandteile Aluminium, Mineralöle und Mikroplastik sind sehr schädlich. In konventioneller Kosmetik sind häufig Substanzen versteckt, die Allergien auslösen oder unter dem Verdacht stehen, krebserregend zu sein. Aluminium (zum Beispiel in Deos, Zahnpasta und Lippenstiften enthalten) hat den Ruf, ein Risikofaktor für Alzheimer und Brustkrebs zu sein. Erfolgreich bewiesen ist dies noch nicht. Fakt ist: Ein Großteil der Bevölkerung überschreitet den empfohlenen Grenzwert der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), nämlich 0,143 Milligramm pro Kilogramm und Tag, allein durch die Aufnahme über Nahrungsmittel.

Die meisten Kosmetika sind auf Basis von Mineralölen hergestellt, die aromatische Kohlenwasserstoffe (MOAH) enthalten können. Das Problem an diesem Inhaltsstoff: Ein Teil des Lippenstifts gelangt in Abfall und Abwasser und somit als Dünger auf die Felder.

Auch das Mikroplastik ist allgegenwärtig in der konventionellen Kosmetikindustrie. Die kleinen Plastikteilchen sind in Peelings zu finden. Über den Abfluss gelingt Mikroplastik in Meere und Flüsse, da die Kläranlagen die feinen Teilchen nur bedingt filtern. In der Natur wird Mikroplastik von Organismen wie Plankton gegessen, zieht Umweltgifte an und lässt sich nicht mehr aus diesem biologischen Kreislauf entfernen. Im Mittelmeer kommt nach Angaben des Cradle to Cradle Teams schätzungsweise ein Plastikteilchen auf zwei Plankton-Lebewesen. Deswegen setzt sich auch der BUND für ein Verbot von Mikroplastik in Kosmetika ein.

Alternativen

Wie also diesem Dilemma entkommen? Ein Weg führt in die Naturkosmetik, deren Begriff jedoch nicht geschützt ist. Wer sich sicher sein will, dass er ein umweltfreundliches Produkt kauft, muss auf Siegel wie Demeter, Vegan, EcoCert oder Eco Control achten. Jedoch stehen die einzelnen Siegel für unterschiedliche kontrollierte Inhaltsstoffe. Die Mitglieder der Cradle to Cradle Regionalgruppe Lüneburg empfehlen, folgende Themen beim Kauf von Kosmetikprodukten zu hinterfragen:

-Wer stellt das Produkt her?

-Was genau ist drin?

-Wie wurde das Produkt produziert?

-Kann ich das auch selber machen?

Dennoch stellt sich die Frage, ob es Alternativen zum Siegel-Dschungel in der Drogerie gibt. An diesem Punkt setzt die Regionalgruppe an und zeigt den Workshop-Teilnehmern, wie Duschpeeling und Deo ganz einfach hergestellt werden können. Für ein Duschpeeling ohne schädliche Zutaten braucht es nur Zucker, Öl, Kaffeepulver und optional Zimt oder ätherische Öle. Die Öle können variiert werden, besonders gut eignen sich pflegende Öle wie Oliven- und Mandelöl. Statt Zimt können auch Kräuter wie Oregano oder Pfefferminze verwendet werden. Für ein Deo verrühren die Seminarteilnehmer Stärke, Natron, Kokosöl und optional ätherische Duftöle. Kokosöl kann auch durch Kakaobutter oder Bienenwachs getauscht werden.

Die Idee hinter dem Selbermachen ist simpel: Substanzen wie das schädliche und nicht abbaubare Mikroplastik werden durch Lebensmittel wie Zucker oder Kaffeepulver ersetzt. Der Cradle to Cradle Gedanke kann in diesem Fall durch bereits verwendeten Kaffeesatz strikter umgesetzt werden. Denn wie das Cradle to Cradle Team erklärte: Abfälle sind Ressourcen.

Die Seminarteilnehmer verließen den Raum mit zwei gefüllten Marmeladengläsern und schauen beim nächsten Drogeriebesuch hoffentlich genauer auf die Inhaltsstoffe des neuen Deos.