Wie, mein iPhone ist nicht fair?!

Ausarbeitung der Ideen in der Gruppe

Ein Bericht von Aaron-Corin Hane

Die Dunkelheit war bereits hereingebrochen, als der Workshop begann. Etwa 20 Studierende hatten sich in einem Raum auf dem Campus zusammengefunden. Vier Mitglieder des FairLötet e.V standen am Kopf des Raumes. In lockerer Atmosphäre und ohne erhobenen Zeigefinger wurde erst einmal erklärt, was überhaupt unfair an unseren Technikprodukten des Alltags ist. Die Ungerechtigkeit  beginne schon damit, dass Rohstoffe wie Gold oder Silber unter menschenunwürdigen Bedingungen abgebaut würden, erklärte ein Vertreter von FairLötet. In den Minen gebe es zudem keinerlei Schutzmaßnahmen. Geringe Lebenserwartungen der Minenarbeiter und Kinderarbeit seien deshalb völlig normal.

Weiter geht es danach zum Beispiel in China. Hier würden unter anderem Computermäuse für Microsoft verpackt. Die Mitarbeiter würden in Massenunterkünften schlafen, Privatsphäre oder Hygiene seien hier Fehlanzeige, genauso wie Gewerkschaften, die ihre Interessen vertreten, erklärt der Fairlötet-Vertreter weiter.

„Wenn wir unser Smartphone in Deutschland nach zwei Jahren Nutzung wegwerfen, landen es irgendwann in Afrika. Dort stapeln sie sich dann einfach auf riesigen Abfallbergen“, erklärt Matthias Nieß von Fairlötet. Kleine Kinder würden dort sogenanntes „Hinterhof-Recycling“ betreiben. Ohne Schutzkleidung würden sie auf den Schrotthaufen nach Kupfer oder ähnlichem suchen, was sie später für etwas Geld verkaufen können.

„Die Lieferketten sind viel komplizierter als bei Obst.“

Faire Produkte, welche ein Gegenangebot zu Samsung, Apple und Co. sein könnten, gibt es kaum. Wie Fairlötet erklärt, gibt es nur zwei fairer hergestellte Produkte. Das Fairphone und eine Computermaus von der Firma „Nager IT“. Doch auch diese beiden Produkte, schaffen es nicht, hundertprozentige faire Arbeitsbedingungen zu schaffen. Denn die Lieferketten die zum finalen Produkt führen, sind sehr komplex und leider nicht immer genau überprüfbar.

Genau dies würden große Konzerne ausnutzen, um ihre Verantwortung immer an die kleineren Firmen und deren Zulieferer abzuwälzen. „Die Lieferketten sind viel komplizierter als bei Obst“, sagte Matthias Nieß von FairLötet e.V. „Deshalb ist es auch so schwierig vernünftige Fairtrade-Siegel durchzusetzen.“

Der faire Lötzinn

Doch gerade hier kommt der Verein ins Spiel. Als Fairlötet noch nicht gegründet war, setzten sich einige der künftigen Mitglieder mit der Gründerin von „Nager IT“ zusammen. Die Firma wollte ihre Maus gerne noch fairer gestalten. Dann kam die Idee auf, fairen Lötzinn herzustellen. Der Verein FairLötet e.V. wurde gegründet und machte diese Idee publik. Die Firma Stannol wurde aufmerksam und kam mit dem Verein ins Gespräch. Dabei heraus kam dann fair produzierter Lötzinn, welcher an Firmen und Privatleute vertrieben wird. Auch in den Mäusen von „Nager IT“ ist er verbaut.

Ideen finden, um diesem Problem zu begegnen

Nach diesem Input des Vereins, fanden sich die Studenten in fünf Gruppen zusammen. Jede Gruppe hatte ein Thema wie zum Beispiel Bildung. Nun sollte ausgearbeitet werden, wie man auf diesem Wege das Problem der unfairen Elektronik angehen könnte. Nach dieser produktiven Phase stellten die Gruppen sich gegenseitig ihre Konzepte und Ideen auf Plakaten vor. 

Präsentation der Lösungsansätze

Auch hier wurde interessiert zugehört und angeregt diskutiert. Vom Cradle-to-Cradle-Verfahren über schulische Bildung bis zu härteren Gesetzten reichten die ausgearbeiteten Ideen. Allen Teilnehmern war klar, dass somit nicht sofort die IT-Branche revolutioniert wird. Aber das Ziel des Workshops, ein Bewusstsein für dieses schwerwiegende Problem zu schaffen, wurde definitiv erreicht. So gingen die Studierenden gedankenversunken und auf ihr Smartphone schauend in die kalte Nacht.