Wie sieht deine gerechte und nachhaltige Uni aus? Gestalte sie!

Pläne werden geschmiedet

Ein Bericht von Lisa Esselun und Melissa Krajewski

Ein kleiner Raum und viel Material. So könnte man die Ausgangssituation des Workshops wohl am besten beschreiben. Dann beginnt ein Mann mit gelbem Mantel zwei Tassen und ein Taschenmesser auszupacken und setzt sich eine rote Clownsnase auf: Es ist Henrik von Wehrden, Dekan der einzigen Fakultät für Nachhaltigkeit in Deutschland. Seine Studenten wollen im Workshop ihre Vorstellungen einer nachhaltigen Universität zu realisierbaren Konzepten entwickeln. Nachhaltigkeit ist also das Thema.

Doch was genau ist das eigentlich? Von Wehrden hat drei Definitionen: Nachhaltigkeit im Rahmen der Gerechtigkeit zwischen Menschen, Nachhaltigkeit als Checkliste für Unternehmen und Nachhaltigkeit als unendliches und unerreichbares Ziel.

Was ist diese „Nachhaltigkeit“ überhaupt?

Der Dekan geht juristisch vor und sagt, dass zunächst alles nachhaltig für ihn sei bis zum Beweis des Gegenteils. Außerdem müssten alle nachhaltigen Aspekte immer unter der Gerechtigkeitsfrage gesehen werden. Die Bedürfnisse Vieler dürften nicht über die Bedürfnisse Weniger gestellt werden – umgekehrt natürlich auch nicht.

Jeder Mensch sei wichtig, deshalb sind Diversität und Austausch für von Wehrden sehr wichtig und damit erklärt er auch seine rote Clownsnase: Der Dekan wolle nicht dogmatisch unterrichten, denn dann würde er seine Bedürfnisse über die der Studenten heben. Um seinen eigenen Beitrag zu einer global nachhaltigen Entwicklung zu leisten, müssten wir außerdem unser Handeln reflektieren. Ein Tipp des 41-Jährigen: Sachen ausprobieren.

Vier Wochen probierte er, sich nur mit einem „KeepCup“, einer Tasse, einem Messer und einem Löffel zu ernähren. Zwar hat seine Familie mehr Geschirr, aber er nutzt seitdem fast nur diese Dinge. Sein Experiment ist geglückt. Mit dem Appell, jeder müsse für sich selbst herausfinden, was er für sich im Sinne der Nachhaltigkeit tun kann, verlässt er den Raum und überlässt Irmhild Brüggen und Lars Wohlers die Moderation.

Praxis statt Theorie

Die beiden erklären, dass nun die Studierenden ihre eigene „Lebenswelt Universität“ gestalten dürfen. Sie sollen nicht nur ein Bewusstsein für Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit entwickeln, sondern es nun auch praktisch realisieren. Sechs Gruppen haben nun15 Minuten Zeit, zwei Konzepte darzustellen, die den Campus der Leuphana nachhaltiger machen können. Sie sollen Ziel, Inhalt und Umsetzung ihrer Idee formulieren. Das Gemurmel startet. Wörter wie Energie, Natur und Barrierefreiheit fallen. An Motivation fehlt es den 24 Studierenden nicht, unzählige Ideen fliegen durch den Raum. Brüggen, Nachhaltigkeitsbeauftragte der Universität, unterstützt die Gruppen und erklärt, welche Nachhaltigkeitsstrategien bereits umgesetzt wurden.

Konzepte werden entwickelt

Nachdenken und aktiv werden!

Nach einer Viertelstunde hängen die Studierenden ihre Ergebnisse an die Pinnwände und wählen ihre Favoriten. Beliebtester Vorschlag ist die Idee, Grünflächen der Leuphana sinnvoll zu nutzen. Die Gruppe erklärt: Man könnte die Dachflächen der Mensa als in einen Garten umwandel. Das Stichwort Urban Gardening fällt. Selbst anbauen und die Produkte selbst nutzen oder verkaufen – weitere Ideen folgen. Eine Studentin wirft ein, dass es leider aber auch Personen geben könnte, die Vandalismus betreiben könnten. Wohlers ermutigt die Studenten: „Das kann es immer geben, aber davon dürfen wir uns nicht abschrecken lassen!

Die Zweitplatzierten stellen ihre Vision vor. Ihr Ziel ist es, dass die soziale Nachhaltigkeit ohne große Ressourcenbelastung gefördert werden soll. Die Studierenden erklären: Die Spielwiese könnte als dauerhafter Ort zum Entspannen dienen, das Zelt bietet Schutz bei Wind und Regen. So könnte die Leuphana Vorreiter für aktive Pausen sein.

Die nächste Gruppe hat eine ähnliche Vision. Auch sie unterstützt die Idee der aktiven Pause und fordert mehr Bewegungsmöglichkeiten. Beispielsweise könnte man ein Trampolin organisieren. Eines, das auf eine der unbenutzten Grünflächen des Unigeländes ganzjährig stehen kann. Die Studierenden sollen so zu mehr Bewegung animiert werden und alleine die Idee sorgt schon für Bewegung in den Köpfen: Könnte man mit dem Trampolin nicht auch Strom erzeugen? Zwei Fliegen mit einer Klappe. Wohlers stimmt zu. Der Gedanke, dass Strom nur durch klassische Kraftwerke entsteht, ist längst veraltet. Alternative Energiequellen finden, wieso also nicht mit einem Trampolin?

Die vierte Gruppe stellt ihre Vision gegen das Aussterben von Bienen vor. Man könnte einen „Campus-Honig“ einführen, der von eigenen Bienen gewonnen wird. Dazu kann man beispielsweise die vorhandenen Insektenkästen weiter ausbauen und mehr Wildblumenflächen schaffen. Eine Zusammenarbeit mit Imkern wäre an dieser Stelle nötig.

Brüggen und Wohlers bedanken sich bei den Studierenden für die inspirierenden Beiträge. Sie versichern, dass die Visionen zukünftig berücksichtigt und weiterentwickelt werden.