Arbeitstagung Lernortwechsel

zur Verschränkung von akademischer Ausbildung und Praxisphasen

Lernortwechsel: Vielfältige Ansatzpunkte zur Gestaltung von Praxisphasen

Praxisphasen sind für die wenigsten Studierenden heute noch aus ihrem Uni-Alltag wegzudenken. Das in der Universität oder Fachhochschule angeeignete Wissen soll und muss nicht nur zur Berufsvorbereitung in der Praxis angewendet, überprüft und unter Umständen auch revidiert werden, sondern spielt auch für den Erkenntnisprozess eine herausragende Rolle. Wie genau dieser Lernortwechsel gelingen kann – dazu liegen noch wenige Forschungserkenntnisse vor.

Die Arbeitstagung „Lernortwechsel – Zur Verschränkung von akademischer Ausbildung und Praxisphasen“, die am 17. April 2015 an der Leuphana Universität Lüneburg stattfand, hatte sich zur Aufgabe gestellt, die Forschungslücken auf diesem Gebiet zu benennen und weiterführende Fragen zu formulieren. Vielfältige Praxisphasen-Konzepte wurden von Lehrenden der Leuphana Universität Lüneburg und Gästen der Universität Hildesheim, Witten-Herdecke, Hamburg und Freiburg während der Arbeitstagung vorgestellt und Fragen nach der Gestaltung von Übergängen in einer Podiumsdiskussion erörtert.

Vielfältige Praxisphasen-Konzepte, diverse Herausforderungen

Nach einer kurzen Einführung von Ulli Vilsmaier (Juniorprofessorin für transdisziplinäre Methoden) wurden in einem Poster-Parcours verschiedene Praxisphasen-Konzepte vorgestellt: Dabei wurde ein weiter Bogen aufgespannt: Vom Lehrmuseum bis zum Praxissemester, von Case Studies bis zur Auftragsforschung, von der Theorie-Praxis-Verknüpfung in Schulpraktika bis zum Praktikum als Kompetenztraining.

Zentrale Herausforderungen wurden in einer anschließenden Gruppenarbeitsphase behandelt: Fragen zur Kooperation mit den Praxispartnern, zu rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen sowie zu verschiedenen Organisationskulturen standen im Raum. Diese wurden in die abschließende Podiumsdiskussion hineingetragen. Auf dem Podium diskutierten Prof. Dr. Christiane Söffker (Studiendekanin Fakultät Wirtschaft) Katharina Guhl (Mitarbeiterin in der Lehrorganisation des MBA-Studiengangs) Dr. Frank Chantelau (Studiengangskoordinator Leuphana Law School) Dr. Thomas Glaser (Verwalter der Professur für Rhetorik) und Prof. Dr. Birgit Althans (Professorin für empirische Grundschulpädagogik).

Allen voran zeigte sich, dass ein differenzierter Praxisbegriff (Praktikum, Hospitation, Projektarbeit etc.) unerlässlich ist und pauschale Diskussionen zum FÜR und WIDER von Praktika zu kurz greifen. Das haben vor allem Differenzen in den Zielsetzungen von Praxisphasen zwischen Studienfächern gezeigt. Diese hat maßgeblichen Einfluss auf zentrale Elemente einer Praxisphase, wie bspw. die Betreuung der Studierenden (vor, während und nach der Praxisphase, in Seminaren, per Online-Plattformen, fachlich, überfachlich oder methodisch) sowie die Nachbereitung und Reflektion des Erfahrenen (angeleitet, strukturiert oder unstrukturiert).
Doch bei allen Verschiedenheiten zeigten sich auch fachübergreifende Ziele von Praxisphasen: Die Befremdung durch den Aufenthalt an einem anderen Lernort als der Universität stellt in vielen Fächerkulturen ein zentrales Anliegen einer Praxisphase dar, ebenso wie die Ausbildung diverser Lernmodi, welche in einer Praxisphase angesprochen werden können (fachlich, überfachlich, persönlich).  Und auch die Lernsettings der jeweiligen Lernorte stellen eine Schnittstelle in der Disziplinen-übergreifenden Diskussion dar.

Die Podiumsdiskussion hat deutlich gezeigt, dass hier weiterer Forschungsbedarf besteht, aber auch ein vertiefender Austausch zwischen den Verantwortlichen der unterschiedlichen Studienprogramme an der Leuphana wichtig ist. Zudem wird eine bessere Vernetzung und ein reger Austausch mit anderen Universitäten zu diesem Thema angestrebt.

Die Veranstaltung wurde vom Leuphana College, dem Frauen- und Gleichstellungsbüro und dem Methodenzentrum in Kooperation ausgerichtet.