Erfahrungsbericht

Interview mit Malte Jütting, Student der Politkwissenschaft und Volkswirtschaftslehre

Lieber Malte, Du hast in Verbindung mit dem Basisprogramm Praxisphase ein Praktikum beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Berlin gemacht. In welcher Abteilung warst Du eingesetzt, welche Arbeitsbereiche konntest Du kennenlernen?

Ich habe meine dreimonatige Praktikumszeit im Büro des Persönlichen Afrikabeauftragten der Bundeskanzlerin und Afrikabeauftragten des BMZ am Berliner Dienstsitz des Ministeriums verbracht. Die dort behandelten Themen sind auf einer eher strategischen Ebene angesiedelt, so dass ich einen Überblick über ganz verschiedene entwicklungspolitische Inhalte, vom Umgang mit natürlichen Rohstoffen bis hin zu den Chancen der Digitalisierung für Afrika, bekommen konnte. Auch regional habe ich von Äthiopien bis Guinea und von Algerien bis Mosambik die ganz unterschiedlichen Staaten unseres Nachbarkontinents kennenlernen dürfen und so eine sehr abwechslungsreiche Zeit erlebt.   

Ein Teil der Prüfungsleistung im Basisprogramm Praxisphase besteht aus der Entwicklung und Bearbeitung einer Leitfrage, um auf diese Weise das im Studium erlangte Wissen für sich selbst in der Praxis erfahrbar zu machen. Diese Leitfrage wird auf dem Auftaktworkshop mit den Lehrenden des Komplementärstudiums entworfen und im weiteren Verlauf mit einer Fachbetreuerin oder einem Fachbetreuer aus der eigenen Disziplin weiterentwickelt. Welche Leitfrage hast Du gewählt? Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit Deiner Fachbetreuerin? (Welche Fragestellungen nimmst Du aus der Praxisphase wieder mit in dein Studium, um wissenschaftliche Antworten zu finden?)

Im Rahmen meiner Praxisphase beim BMZ habe ich mich unter anderem mit dem Thema „Good Governance im Rohstoffsektor“ auseinandergesetzt. Viele Entwicklungsländer in Subsahara-Afrika haben gigantische Vorkommen an mineralischen Rohstoffen, deren potentielle Erträge die Summen der momentan gezahlten Entwicklungshilfegelder weit übersteigen. Sinnvoll genutzt könnten die Bodenschätze daher zu einer inklusiven und nachhaltigen Entwicklung beitragen. Demgegenüber steht jedoch die von einigen Wissenschaftlern vertretene These des „Ressourcenfluches“, die davon ausgeht, dass das tatsächliche Wirtschaftswachstum sowie die soziale Entwicklung in ressourcenreichen Staaten aufgrund von Konflikten und Korruption oft weit hinter denen der rohstoffarmen Länder zurückbleiben. Als Reaktion auf diese Beobachtung versucht die Entwicklungszusammenarbeit der Geberländer mithilfe verschiedener Initiativen und Programme die Regierungsführung im Rohstoffsektor zu verbessern, etwaige Intransparenz zu beseitigen sowie soziale und ökologische Nachhaltigkeit von Rohstoffprojekten sicherzustellen. Im Rahmen der „Leitfrage“ des Basisprogramms habe ich dieses Thema aufgegriffen und versucht, mich der Fragestellung, welche Einflussfaktoren ein Auftreten des Ressourcenfluches effektiv verhindern können, zu nähern. Dies habe ich in Form eines Exposés für eine wissenschaftliche (Abschluss-) Arbeit umgesetzt. Hierbei hat mich die betreuende Professorin aus meinem Fachbereich durch wertvolle Hinweise im Vorfeld und ein ausführliches Feedback im Anschluss gut unterstützt.   

Ein wichtiger Teil des Programms besteht aus der Beantwortung von 10 Fragen der Woche auf der moodle Plattform. Auf welche Weise haben die Fragen Dich bei der Reflexion der Praxisphase unterstützt?

Die zehn Fragen der Woche decken ganz verschiedene Themenbereiche ab und regen zu einer regelmäßigen Reflexion der Erfahrungen an. Sowohl persönliche Eigenschaften, wie etwa die eigenen Stärken und Schwächen, als auch die Vorstellungen über den zukünftigen beruflichen Werdegang wurden in den wöchentlichen Fragestellungen aufgegriffen. Nicht zuletzt wurde auch die Verzahnung zwischen Wissenschaft und Praxis vertieft behandelt, so dass ich ganz konkret neue Impulse (z.B. für die Kurswahl im Komplementärstudium oder potentielle Hausarbeitsthemen) für meine verbleibende Zeit an der Leuphana Universität mitnehmen konnte. Insgesamt habe ich diesen Teil des Basisprogramms sehr geschätzt, was auch von den anderen Studierenden bestätigt wurde.       


Auf dem Abschlussworkshop präsentieren alle Teilnehmerinnen Ihre Ergebnisse in Form eines Posters. Da das Basisprogramm Praxisphase im Komplementärstudium angeboten wird, kommen die Teilnehmer*innen aus vielen unterschiedlichen Studiengängen. Wie hast Du den überfachlichen Austausch erlebt?

Den überfachlichen Austausch im Rahmen des Basisprogramms Praxisphase habe ich als äußerst gewinnbringend erlebt. Im Abschlussworkshop waren Studierende aus den verschiedensten Fachrichtungen vertreten, die ihr Praktikum bei ebenso unterschiedlichen Arbeitgebern (von Dax-Unternehmen über Fernsehsender bis hin zu politischen Stiftungen) verbracht haben. Die Präsentationen beim Abschlussworkshop waren daher sehr kurzweilig und konnten spannende Einblicke in Bereiche geben, mit denen ich mich sonst nie auseinandergesetzt hätte (z.B. wie eigentlich Online-Werbeplätze gehandelt werden). Ich hatte den Eindruck, dass fast alle Studierenden von dieser Vielfalt positiv überrascht waren und den Abschlussworkshop – trotz des Termins am Samstagvormittag – in guter Erinnerung haben werden.

Der nächste Auftaktworkshop für das Basisprogramm Praxisphase findet am 27.01.2017 von 12:15 - 17 Uhr statt. Eine Anmeldung ist noch möglich. Bei Fragen wenden Sie sich gerne an die Koordinatorin des Programms Anja Stegert unter basispro@leuphana.de

Das Basisprogramm Praxisphase wird im Komplementärstudium, Modul 11702000 Praxisorientierte Zugänge zu inter- und transdisziplinäre Wissenschaften angeboten (5 CP)