Aktuelle Meldungen
Leuphana-Institut erforscht Fehlverhalten im Straßenverkehr
04. Juni 2010 Aggressionen schmälern die Fahrtüchtigkeit. Auch Emotionen wie Angst, Euphorie oder Trauer können sich negativ auf das Fahrverhalten auswirken. In einem interdisziplinären Forschungsprojekt untersuchen Psychologen und Informatiker des Instituts für Experimentelle Wirtschaftspsychologie der Leuphana Universität Lüneburg, kurz „LüneLab“ die Übertragung von Erkenntnissen der Psychologie auf technische Systeme. Die Lüneburger Wissenschaftler arbeiten an Assistenzsystemen, die es dem Auto ermöglichen sollen, die seelische Verfassung seines Fahrers zu erkennen. Jüngst hat ein Team des Norddeutschen Rundfunks (NDR) die Verkehrspsychologen bei ihren Forschungen mit der Kamera begleitet. Der NDR drehte für einen Fernsehbeitrag zum Thema „Wut am Steuer“.
Im Kellergeschoss am Leuphana-Standort Rotes Feld wird im Fahrsimulator der Einfluss von Stimmungen auf das Fahrverhalten untersucht: Hinter dem Lenkrad sitzend blickt der Proband auf ein an die Wand projeziertes dynamisches Verkehrsszenario. Während der Simulationsfahrt wird der Fahrer durch eine Beifahrerin künstlich in die zu untersuchende Stimmung gebracht: Beispielsweise macht die Beifahrerin Druck und fordert die Testperson auf, schneller zu fahren, obwohl dies im Verkehrsszenario gar nicht möglich ist. „Während der Fahrt messen wir dann die Herzfrequenz, die Hautfeuchtigkeit, die Körperhaltung und den Händedruck am Lenkrad“, erklärt Projektleiter Prof. Dr. Rainer Höger. Zudem beobachtet eine Kamera das Gesicht des Fahrers. Die Pupillen-Bewegungen geben millisekundengenau Aufschluss darüber, welche Objekte auf der simulierten Fahrbahn fixiert werden. Mit Hilfe der verschiedenen Messgrößen wird versucht, die Verfassung des Fahrers aufzuschlüsseln.
Im Herbst 2008 haben Prof. Höger und sein Team ihre Forschungen zur Psychonik aufgenommen. Das Projekt wird mit 800.000 Euro vom Land Niedersachsen und der VolkswagenStiftung unterstützt. Die Förderung ist auf fünf Jahre angelegt. Die Forschungsergebnisse sollen der Autoindustrie eine Einschätzung geben, ob es möglich ist, die Grundstimmung eines Autofahrers sensorisch zu vermessen. „Im Idealfall erschaffen wir eine Datensammlung, die es dem Auto der Zukunft ermöglicht, sich auf den Stimmungszustand des Fahrers einzustellen“, sagt Prof. Höger.
Zur NDR-Sendung:
Die 45-minütige Dokumentation „Wut am Steuer“ wird voraussichtlich im August oder September ausgestrahlt. Fernsehautor Tristan Chytroschek hat sich auf Spurensuche begeben und bei Unfallforschern, Verkehrspsychologen, Straßenbauern, Autoingenieuren und Polizisten nachgefragt, mit welchen Mitteln sich Aggression im Straßenverkehr verringern lässt.



