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Wie kann sich Niedersachsen an den Klimawandel anpassen?
09. Juli 2012 Hannover/Lüneburg. Extremwetterereignisse, steigende Meeresspiegel und stärkere Hitzebelastungen werden als Folgen Klimawandels erwartet. Für Niedersachsen liegen jetzt Empfehlungen vor, wie sich das Land an solche klimatischen Veränderungen anpassen kann. Die niedersächsische Regierungskommission Klimaschutz hat sie in der vergangenen Woche an Ministerpräsident David McAllister und Umweltminister Stefan Birkner übergeben. Wissenschaftler der Leuphana Universität Lüneburg haben mit ihrer umwelt- und politikwissenschaftlichen Expertise einen entscheidenden Beitrag für das Zustandekommen der Empfehlungen geleistet.
Mehr als 550 Vorschläge für Einzelmaßnahmen zur Klimaanpassung hat die Kommission der Landesregierung geliefert. Deren Spektrum ist breit: Sie betreffen Handlungsfelder wie Wasserwirtschaft, Küstenschutz, Biodiversität oder Gesundheit ebenso wie die Land- und Forstwirtschaft. Beispielsweise wird empfohlen, die Feldberegnung im östlichen Niedersachsen effizienter zu machen und vermehrt bisher ungenutzt abfließende Niederschläge und gereinigtes Abwasser zurückzuhalten und einzusetzen. Die Klimaforscher gehen nämlich davon aus, dass sich die Niederschläge stärker vom Sommer in den Winter verlagern und der steigende Bedarf an Beregnungswasser im Sommer zu Konflikten mit anderen Grundwasserverbrauchern führen kann. Die Regierungskommission empfiehlt deshalb auch Anpassungsmaßnahmen für die Wälder im ostniedersächsischen Tiefland: Aus Nadelwäldern sollen leistungsfähigere Mischwälder werden.
„Die Anpassung an den Klimawandel stellt die Gesellschaft insgesamt, aber natürlich auch Kommunen, Unternehmen und Verbände vor neuartige Herausforderungen“, sagt Meinfried Striegnitz vom Institut für Umweltkommunikation. Er hat das Projekt „Entwicklung einer Klimaanpassungsstrategie für Niedersachsen“ zusammen mit dem Politikwissenschaftler Professor Thomas Saretzki vom Zentrum für Demokratieforschung während der vergangenen zwei Jahre geleitet. „Um mit den Folgen des Klimawandels auch auf lokaler Ebene umzugehen, bedarf es neuer politischer Verfahren mit denen geeignete Anpassungsstrategien entwickelt werden können.“
Um zu den jetzt vorgelegten Empfehlungen zu gelangen, mussten die Wissenschaftler der Leuphana eine wahre Herkules-Aufgabe stemmen: Zahlreiche Arbeitsgruppen hatten sich mehrere Jahre lang mit ganz unterschiedlichen Aspekten der Klimaanpassung beschäftigt. Beteiligt waren verschiedene gesellschaftliche Interessengruppen, Landesbehörden und Experten der norddeutschen Klimafolgenforschung. So entstand eine große Zahl an Empfehlungen. Die Wissenschaftler des Instituts für Umweltkommunikation (INFU) und des Zentrums für Demokratieforschung (ZDEMO) der Leuphana haben sie im Abschlussbericht zusammengeführt. Sie verfügen über eine besondere Expertise auf den Gebieten der Partizipations- und Kooperationsforschung sowie der Politikfeld- und der Strategieanalyse. Die ermöglichte es ihnen, die inhaltlichen Beratungen zu unterstützten, Kontroversen auszuräumen und Interessengegensätze zu überwinden. Die Lüneburger Wissenschaftler stellten auch Analysen von Anpassungsstrategien anderer Länder bereit und identifizierten thematische Lücken in der bisherigen niedersächsischen Diskussion.
Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister lobte die Arbeit: Mit der Übergabe der Empfehlungen sei eine fundierte Grundlage geschaffen für die Formulierung einer praxisbezogenen Klimaanpassungsstrategie für das Land Niedersachsen.
Niedersachsen geht mit der Einrichtung einer Regierungskommission und der direkten Beteiligung von Interessengruppen in der Klimaanpassung einen in Deutschland bislang einmaligen Weg. Welche Vor- und Nachteile damit verbunden sind, soll deshalb jetzt erforscht werden. Im Oktober dieses Jahres werden die Lüneburger Wissenschaftler damit beginnen. Ergebnisse sollen im Herbst 2014 vorliegen.
Weitere Informationen:
www.leuphana.de/institute/infu/forschung/a-clim.html
Regierungskommission Klimaschutz


