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Inter- und transdisziplinäres Robert-Bosch-Kolleg für Doktoranden: Neue Wege in die Promotion

30.10.2017 Zwölf Stipendiaten promovieren gemeinsam im Robert-Bosch-Kolleg zu verschiedenen Fragen der Transformation zur Nachhaltigkeit. Es ist das erste seiner Art in Deutschland. Zwei Teilnehmerinnen berichten.

Es dauerte vier Jahre, bis Sadhbh Juárez Bourke endlich das richtige Promotionskolleg für ihre Forschung fand. Ihre Studien brachten sie vom Bachelor in Umweltwissenschaften an der Universität Barcelona zum Master in Environmental Governance an der Universität Freiburg. Dort erkannte sie: Nachhaltigkeit braucht nicht nur natur- und sozialwissenschaftliche Sichtweisen, sondern auch Emotionen. Dies sei ein Weg, wie Menschen nachhaltiges Handeln auch in ihr Leben implementieren könnten. Mit anderen Studierenden kam sie über diese Gedanken zum Schauspiel, lernte Methoden und gründete eine wissenschaftliche Theatergruppe. Während dieser Zeit und der intensiven Beschäftigung mit dem Werk des kritischen Pädagogen Augusto Boal nahm eine interdisziplinäre Doktorarbeit in ihrem Kopf immer mehr Form an. Doch sie fand kein Angebot, das einen wissenschaftlichen Rahmen für ihr Vorhaben bot – bis sie die Ausschreibung fürs Robert-Bosch-Kolleg an der Leuphana las.

Mit der Förderung der Robert Bosch Stiftung promovieren unter der Überschrift „Processes of Sustainability Transformation“ dort seit Beginn des Wintersemesters zwölf Doktorand_innen zu unterschiedlichen Themen der Transformation zur Nachhaltigkeit - in dieser Form eine bundesweite Einmaligkeit. Es gibt Naturwissenschaftler_innen, Politolog_innen oder Kommunikationsexpert_innen. Insgesamt sind elf Professor_innen der Fakultät Nachhaltigkeit an diesem Projekt beteiligt (ein Überblick hier). Sprecher des Robert Bosch Kollegs ist Prof. Dr. Matthias Barth vom Institut für Integrative Studien. Mit ihrer Forschung nehmen sich die zwölf Nachwuchswissenschaftler_innen den zentralen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts an wie Klimawandel, Ressourcenknappheit oder sozialer Ungleichheit. In den Forschungsarbeiten wird aus unterschiedlichen Disziplinen ein systematischer und umfassender Blick auf Transformationsprozesse in Richtung Nachhaltigkeit geworfen. Es wird auch nach Bedingungen für eine gelungene Transformation zur Nachhaltigkeit gefragt.

Der interdisziplinäre Charakter des Robert-Bosch-Kollegs war auch der ausschlaggebende Punkt für Lisa Keßler. Nach ihrem Humanbiologie-Studium in Greifswald suchte die Nachwuchswissenschaftlerin nach neuen Perspektiven. Jetzt promoviert sie am Institut für Nachhaltige Chemie und Umweltchemie. „Nur hier an der Leuphana habe ich die Möglichkeit natur- mit sozialwissenschaftlichen Perspektiven zu kombinieren“, beschreibt die 27-Jährige. Bei ihrer Forschung zu nachhaltiger Chemie im  Textilsektor wird sie deshalb nicht nur hauptsächlich im Labor forschen, wie es sonst meist bei einer Dissertation in der Chemie üblich ist. Der interdisziplinäre Austausch im Robert-Bosch-Kolleg erweitert diese Perspektive um sozialwissenschaftliche Aspekte. Dabei unterstützen sie begleitende Seminare. Auch für Lisa Keßler ist Nachhaltigkeit mit Emotionen verknüpft. „Nur wenn wir beispielsweise wissen, dass sehr viel Wasser bei der Verarbeitung von Baumwolle verbraucht wird, kann sich unsere Einstellung beim Einkaufen von Textilien ändern“, sagt die Doktorandin. Ihr Master-Studium hat sie auch in Lüneburg absolviert und ist gern geblieben: „Ich hatte noch eine weitere Zusage für die Promotion, habe mich aber wegen der vielen Möglichkeiten für die Leuphana entschieden.“

Die Robert-Bosch-Stiftung fördert das Promotionskolleg mit insgesamt 1,3 Millionen Euro.   


Kontakt (Leitung des Kollegs)

Dr. Lydia Kater-Wettstädt
Universitätsallee 1, C11.021
21335 Lüneburg
Fon +49.4131.677-1966
Fax +49.4131.677-2767
lydia.kater-wettstaedt@leuphana.de


Autorin: Marietta Hülsmann, Redaktion: Jula Hoffmeister, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.