EINFACH GUTE PFLEGE FINDEN

Pflegeheime in der Region Lüneburg können künftig ihre Arbeit verbessern. Das Forschungsprojekt „Einfach gute Pflege finden“ des Innovations- Inkubators hat ein Monitoringverfahren erarbeitet, das die Meinung der Pflegebedürftigen erfasst.

Pflegeeinrichtungen können künftig genauer und verlässlicher feststellen, wie wohl sich ihre Bewohnerinnen und Bewohner fühlen. Der Psychologie-Professor Peter Paulus und sein Team vom Zentrum für Angewandte Gesundheitswissenschaften   der Leuphana Universität Lüneburg haben gemeinsam mit Partnern aus Pflege und Pflegeberatung ein Monitoring entwickelt, mit dem die Pflegebedürftigen selbst bewerten können, wie gut es ihnen in ihrem Heim geht. Die Befragten geben dazu ihre Zustimmung zu Aussagen wie „Ich schlafe eher gut“, „Hier kann ich das Essen genießen“  oder „Hier habe ich mich mit anderen angefreundet“ an.

„Wenn die Bewohner ihr Wohlbefinden systematisch selbst beschreiben, bekommen wir eine Bilanz, die differenzierter und zuverlässiger ist, als die, die unsere Pflegeteams im Alltagsgeschäft herstellen können“, sagt Ursula Stein, Pflegedienstleiterin im Alten- und Pflegeheim Haus Wietze bei Celle. Zwar gebe es einen geringen zeitlichen Aufwand, doch der Nutzen der damit gewonnenen Einsichten überwiege deutlich. In einer ersten Studie des Zentrums für Angewandte Gesundheitswissenschaften der Leuphana hatte das Haus Wietze bereits sehr gute Bewertungen von seinen Bewohnern erhalten. Künftig soll die Befragung einmal jährlich wiederholt werden. Interessierte Heime können Fragebogen und Auswertungsanleitung in Kürze bestellen. Weitere Informationen erhalten sie per Email vom Zentrum für Angewandte Gesundheitswissenschaften (christel.amirmontaghemi@leuphana.de).

Heime können das Wohlbefinden gezielt fördern

„Pflegeeinrichtungen können mit unserem Diagnoseverfahren besser prüfen, wo sie gut sind und wo sie für das Wohlbefinden ihrer Bewohner noch mehr tun können“, ist Projektleiter Paulus überzeugt. „Von diesem Wissen können die Pflegeeinrichtungen, vor allem aber auch die Pflegebedürftigen profitieren.“ Paulus sieht das neue Verfahren als freiwillige Ergänzung zum sogenannten Pflege-TÜV, mit dem der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) seit 2009 allen Heimen in Deutschland Noten gibt. Während der Pflege-TÜV vor allem die Pflegequalität bewertet, also medizinische Versorgung oder altersgerechte Wohneinrichtung, misst der Lüneburger Test das psychische Wohlbefinden wissenschaftlich.

Weit über 150 Pflegebedürftige, 70 Angehörige und 100 Pflegekräfte in den Landkreisen Celle, Heidekreis, Lüneburg, Harburg und Osterholz hatte das dreiköpfige Forscherteam des Projekts „Einfach gute Pflege finden“ im Innovations-Inkubator der Leuphana Universität Lüneburg während der Entwicklungszeit befragt. Das Forschungsprojekt lief von Oktober 2011 bis Juli 2013. Zum Forschungsteam gehörten neben Prof. Peter Paulus der Entwicklungspsychologe Dr. Dietmar Gölitz  und die Gerontologin Christine Trenkamp. Die Pflegeheime erhielten ihre Ergebnisse in anonymisierten Berichten, damit sie das Wohl ihrer Bewohner gezielt fördern können. Zudem gewann die Gesundheitswissenschaft neue Erkenntnisse, wie sich das Wohlbefinden der Menschen beim Übergang in die Pflegebedürftigkeit entwickelt.