SEM-A²: Suchmaschinenwerbung

Lüneburger Wirtschaftsinformatiker stellen eine Methode vor, mit der Unternehmen ihre Suchmaschinenwerbung besser aussteuern können – und bis zu 80 Prozent ihrer Kampagnen-Testkosten sparen

 

Ein Forscher-Team der Leuphana Universität Lüneburg um Prof. Dr. Burkhardt Funk hat ein statistisches Verfahren entwickelt, mit dem Unternehmen über Suchmaschinen wie Google oder Bing! effektiver neue Kunden gewinnen können. Mit der Methode auf Grundlage Bayes’scher Statistiken können Firmen deutlich schneller – in einzelnen Fällen bis zu zehnmal so schnell – feststellen, ob ihre bei Anbietern wie Google AdWords gebuchten Anzeigen tatsächlich dazu führen, dass Kunden ihre Webseiten ansteuern. Diese Wirkung ist etwa messbar in der Anzahl der Klicks auf die Anzeige des Unternehmens in der Trefferliste der Suchmaschine. „Üblicherweise müssen Unternehmen 100 Klicks auf ihre Anzeige abwarten, um einigermaßen sicher die Wirksamkeit eines gekauften Keywords bewerten zu können“, erklärt Prof. Burkhardt Funk, Vize-Präsident der Leuphana und Leiter des Forschungsprojekts „Search Engine Marketing Account Aggregation“ – kurz SEM-A². „Wir können dies bereits nach 15 bis 20 Klicks bewerten.“ Die Unternehmen sparen so etwa 80 Prozent ihrer Testkosten. Für die Entwicklung des Verfahrens kooperierten die Forscher mit der Online-Marketing-Agentur web-netz GmbH und dem Webdienstleister Marktplatz Lüneburger Heide Internet GmbH.

„Potenziell profitiert jeder von unserer Expertise, der Suchmaschinen-Werbung betreibt, weil er sein Budget optimaler nutzen kann“, sagt Funk. Mittelständische Unternehmen stünden oft vor dem Problem, dass kleine Werbebudgets und fehlendes Fachwissen eine optimale Aussteuerung ihrer Online-Werbung verhinderten. „Da wird in der Praxis viel mit Bauchgefühl und Erfahrungswerten gearbeitet – oft funktioniert das ganz gut – in vielen Fällen aber nicht optimal.“ Großkonzerne wenden für Google-Jahreskampagnen oft fünfstellige Summen auf. Oft ergeben sich besonders im so genannten Longtail ihrer Klickraten – den Keywords, nach denen nur selten gesucht wird – große Einsparpotenziale. Insgesamt rund 2,5 Milliarden Euro investierten deutsche Firmen 2013 in die Suchmaschinenwerbung.

Bei der verbesserten Kampagnen-Aussteuerung können sich Unternehmen, Technologieanbieter und Agenturen künftig von einer neuen Agentur für Onlinewerbung in Lüneburg unterstützen lassen. Sie wird derzeit auf Grundlage der Forschungsergebnisse gegründet. Wer an einer umfassenden wirtschaftsinformatischen Darstellung des neuen Verfahrens interessiert ist, erhält Informationen direkt beim Forscher-Team.

Das Projekt SEM-A² lief von Oktober 2011 bis September 2013 und wurde mit rund 174.000 Euro innerhalb des EU-Wirtschaftsentwicklungsprojekts Innovations-Inkubator der Leuphana Universität Lüneburg ermöglicht.