Fahrsimulator

Forscher entwickeln einen Fahrtrainer für Trucker. Die Software soll Brummi-Fahrer besser auf kritische Situationen im Straßenverkehr vorbereiten.

Professor Dr. Rainer Höger und sein Team vom Institut für Experimentelle Wirtschaftspsychologie der Leuphana Universität Lüneburg haben ein Simulator-Training entwickelt, das Brummi-Piloten besser auf Risikosituationen im Straßenverkehr vorbereiten soll. Berufskraftfahrer testeten den Prototypen. Das TÜV Nord Technische Schulungszentrum plant, die Forschungsergebnisse künftig in der Schulung von LKW-Fahrern einzusetzen. Weitere Partner sind das ADAC-Fahrsicherheitszentrum in Embsen, die Süderelbe AG sowie die Lüneburger Hiller Spedition.

Die Psychologen hatten dafür zunächst Unfallstatistiken ausgewertet und anhand von Interviews mit Berufskraftfahrern die wesentlichen psychologischen Einflussfaktoren von LKW-Unfällen zusammengetragen. Sie stellten fest, dass Unfälle mit LKW überwiegend auf menschlichen und nicht technischen Fehlern basieren und mit fortschreitendem Alter altersbedingte Defizite sich auf die Fahrsicherheit auswirken. Am häufigsten litten ältere LKW-Fahrer unter Aufmerksamkeits- und Konzentrationsproblemen, erklärt Höger: "Mit dem Alter steigt zwar die Fahr-Erfahrung, aber die Reaktionszeit wird länger. Das Sichtfeld schränkt sich u.U. ein, in einer Art Tunnelblick achtet der Fahrer nicht mehr auf alles, was sich vor ihm abspielt." Die Folge: Mehr Unfälle. Ein Training im Fahrsimulator soll deshalb die Aufmerksamkeit und Reaktionen der Fahrer gezielt schulen.

Bremsende Autos, kreuzende Radfahrer

Die Forscher haben dafür zunächst eine zwanzigminütige „Lüneburger Diagnose-Fahrt" entwickelt, mit der sich Brummi-Piloten über ihre Stärken und Schwächen Klarheit verschaffen können. Testfahrer haben dabei 18 urplötzliche Hindernisse zu bewältigen: unvermutet bremsende Autos, kreuzende Radfahrer und Fußgänger, die auf die Straße laufen. Langfristig wollen Höger und sein Team eine Trainingsfahrt anbieten, die Kraftfahrer besser auf Gefahrensituationen vorbereitet. Erste Einheiten gibt es bereits.

Bundesweit herrscht ein eklatanter Mangel an qualifizierten LKW-Fahrern – nach einer Befragung des TÜV Rheinland von 2012 gaben 84 Prozent der Speditionen an, es gebe „deutlich“ zu wenig Fahrer. Großer Termindruck aufgrund der Konkurrenz unter den Speditionen verschärft zudem den Stress und die Überlastung der Fahrer und erhöht so das Unfallrisiko auf den Straßen. „Qualifizierte Trainings können diese Probleme lindern“, sagt Höger. Schulungen der Fahrer zur Verringerung von Unfällen, die sich vor allem auf die psychologischen Aspekte des Fahrens beziehen und nicht auf die technischen Eigenheiten des Fahrzeugs, seien noch wenig verbreitet.

Das Forschungsprojekt „Programmentwicklung für den Aufbau eines Fahrsimulationszentrums“ im Regionalentwicklungsprojekt Innovations-Inkubator der Leuphana Universität Lüneburg schloss seine Arbeit am 20. Juni 2012 nach zwei Jahren ab. Das Projekt wurde mit 170.000 Euro von der Europäischen Union gefördert. Um die Forschung fortzuführen, hoffen Höger und sein Team auf neue Fördergelder vom Bund. Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren Nicki Marquardt, Swantje Robelski, Benjamin Schulz, Heiko Witthöft, Marco Wiethof und Thomas Rheker.

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