Operations Excellence für Unternehmen

Besser arbeiten: Mit optimierten Abläufen können mittelständische Unternehmen jährlich Hunderttausende Euro sparen. Ein Team um Prof. Dr. Heinrich Schleich von der Leuphana Universität Lüneburg hat dafür ein Analyseinstrument entwickelt, das den Unternehmen zeigt, wie sie ihren Betrieb auf ein international konkurrenzfähiges Spitzenniveau heben können.

„Die von uns untersuchten Firmen haben zwischen 0,8 und 2,7 Millionen Euro pro Jahr unnötig ausgegeben“, sagte Schleich. „Wir konnten ihnen zeigen, wie sie ihre Abläufe effizienter gestalten und so je nach Größe zwischen einer halben und zwei Millionen Euro jährlich einsparen können.“ Der Anteil der Ineffizienz-Kosten sinke dadurch auf maximal vier Prozent, berichtete der Wissenschaftler vom Institut für Produkt- und Prozessinnovationen.

Was ist „Operations Excellence“?

Der Ausdruck „Operations“ umfasst alle an der Wertschöpfung beteiligten Bereiche eines Unternehmens: Beschaffung, Produktion, Distribution, Supply Chain Management, Verwaltung und Vertrieb. Der Begriff „Operations Excellence“ beschreibt folglich das Agieren aller Unternehmensbereiche auf Weltklasse-Niveau.

Schleich und seine Mitarbeiter Annett Rupprecht und Carsten Nolte haben ein Modell entwickelt, mit dem kleine und mittlere Unternehmen ihre Kostenstrukturen und Kostensenkungspotenziale präziser darstellen und bewerten können. „Wir befragen zunächst zwei Tage lang die Führungskräfte des Unternehmens und untersuchen Eckdaten wie Kosten und Personal“, beschreibt Schleich die Vorgehensweise. „Danach können wir zu jedem Analysekriterium auf einer vierstufigen Skala zeigen, wie gut oder schlecht die  Prozesse im Vergleich zu denen eines Weltklasse-Unternehmens ablaufen.“

Die Analyse ermöglicht es Unternehmen, Strategien, Prozesse und Systeme auf Weltklasse-Niveau zu etablieren. Dies optimiert die Betriebe hinsichtlich Kosten, Qualität, Durchlauf- und Lieferzeiten, Flexibilität und Wandlungsfähigkeit. Damit schaffen die Unternehmer nachhaltig die Voraussetzung, innovative Produkte und Dienstleistungen schnell und effizient und damit wettbewerbsfähig anzubieten.

Großer Nutzen für den Mittelstand

Die Forscher der Leuphana entwickelten die neue Methode gemeinsam mit dem Lüneburger Technologieunternehmen Sieb & Meyer AG und dem Lüneburger Laserhersteller LAP GmbH Laser Applikationen. Für den Mittelstand wird sich die Methode auszahlen, meint der Technische Leiter von LAP, Hans-Peter Werner: „Als Weltmarktführer für Lasersysteme in der Strahlentherapie, Nuklearmedizin und radiologischen Diagnostik können wir uns keine Verschwendung leisten. Die Kurzanalyse gibt uns eine Anleitung, welche Optimierungen bei uns sinnvoll und machbar sind –  die ersten Schritte setzen wir bereits um.“

Die Lüneburger Beraterfirma Competence Centrum mittelständische Industrie GmbH (CCMI) hat die Analyse bis Ende 2012 bereits in mehr als 30 Unternehmen durchgeführt. Schleich hat das CCMI 2011 gegründet und beschäftigt inzwischen 18 Mitarbeiter, weitere sollen hinzukommen. Die Mitarbeiter beraten mittelständische Unternehmen und Organisationen aus Industrie, Handel und Dienstleistung und stellen so die Ergebnisse des Projekts „Operations Excellence“ direkt zur Verfügung. Ergänzend stellt Schleich die Ergebnisse mittelständischen Unternehmern aus der Region regelmäßig in Vorträgen und Workshops vor, häufig in Zusammenarbeit mit der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg und der Industrie- und Handelskammer für den Elbe-Weser-Raum. Die Ergebnisse aus der Beraterpraxis finden umgekehrt Eingang in die Forschung an der Leuphana.

Das Forschungsprojekt ist eines von 45 Vorhaben des Innovations-Inkubators Lüneburg. Nach zweijähriger Laufzeit schloss „Operations Excellence“ am 31. Januar 2012 als erstes Inkubator-Projekt seine Arbeit ab.