Wirtschaften in Netzen

Ob Heidschnucke oder Martini-Apfel – Landwirte und Gastronomen vermarkten regionale Produkte erfolgreicher im Netzwerk als allein. Doch wie klappt die Zusammenarbeit am besten? Umweltwissenschaftlerinnen der Leuphana Universität Lüneburg haben die Erfolgsfaktoren aufgelistet und drei Netzwerke beraten: die „Arche-Region Amt Neuhaus“, den „Lüneburger Streuobstwiesen-Verein“ und den „Verein Regionale Esskultur“.

„Regionalität boomt“, sagt Umweltwissenschaftlerin Friederike Lang. Unter Leitung von Sabine Hofmeister, Professorin am Institut für Nachhaltigkeitssteuerung, haben Lang und ihre Kolleginnen Regina Schrader und Annemarie Burandt Netzwerke zur Vermarktung regionaler Produkte untersucht. Das Forschungsvorhaben im EU-Regionalprojekt Innovations-Inkubator hieß „Wirtschaften in Netzen – Stärkung regionaler Absatzmärkte für kleine und mittlere Unternehmen als Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der Region“. Von 2010 bis 2012 gaben die Umweltwissenschaftlerinnen dabei fundierte Tipps an regionale Netzwerke:

  • Die „Arche-Region Amt Neuhaus – Flusslandschaft Elbe“ bewahrt alte Tierrassen vor dem Aussterben.
  • Der „Lüneburger Streuobstwiesen Verein“ erhält seltene Obstsorten.
  • Der „Verein Regionale Esskultur“ schützt das kulinarische Erbe der Region der Lüneburger Heide.

Was entscheidet über Erfolg oder Misserfolg?

Das Forschungsteam befragte zunächst Mitglieder der drei Partner-Netzwerke in Einzelinterviews. In einer sogenannten Konstellationsanalyse, einer neuen Methode aus der Umweltplanung, untersuchten die Forscherinnen an den Netzwerken beteiligte Akteure, für sie geltende Gesetze und Regeln sowie die zu berücksichtigenden natürlichen Gegebenheiten, wie etwa den Verlauf der Elbe. Differenzierte Stärken-Schwächen-Analysen der Netzwerke rundeten die Untersuchung ab. „Diese Ergebnisse haben wir den Netzwerken in Workshops genau vorgestellt“, erklärt Schrader.

Die Umweltwissenschaftlerinnen identifizierten in ihrer Untersuchung eine Vielzahl von Faktoren, die den Erfolg von Netzwerken zur Regionalvermarktung entscheidend beeinflussen. Fünf sind besonders wichtig:

  • Es gibt Schlüsselpersonen. Einzelne Personen engagieren sich mit höchstem Einsatz im Netzwerk, verfügen über einen hohen Wissensstand und motivieren andere.
  • Je größer der Arbeits- und Zeiteinsatz jedes einzelnen Mitglieds des Netzwerks, desto größer ist sein Erfolg.
  • Das Netzwerk ist gut organisiert. Es steuert den Einsatz der Einzelnen. Seine interne Kommunikation stützt es über Treffen, eine Internetseite oder einen Mailverteiler.
  • Das Netzwerk achtet auf hohe Produktqualität, um den Anspruch der Verbraucher zu erfüllen. Zudem kommuniziert es Produkte, Herstellungsweisen und Inhaltsstoffe transparent.
  • Das Netzwerk verfügt über gute Partner: Regionale Mitstreiter in Politik, Medien, Natur- und Umweltschutz unterstützen mit Informationen, Kontakten oder Finanzen.

Die Charakterisierung von Erfolgsfaktoren kann Netzwerken zur Regionalvermarktung in ganz Deutschland als Hinweis dienen. Die Umweltwissenschaftlerinnen stellten sie zudem auf der Tagung „Produkte regional vermarkten“ am 7. Mai 2012 in Camp Reinsehlen bei Schneverdingen vor.

Know-how für die Region

Auf Grundlage der Forschungsergebnisse erarbeiteten die Umweltwissenschaftlerinnen mit den Partnernetzwerken in Workshops konkrete Schritte für deren Zukunft. Der „Streuobstwiesen-Verein“ plant nun die Vermarktung der Äpfel auszubauen, der Verein „Regionale Esskultur“ schärft sein Profil und die „Arche-Region“ arbeitet sowohl an der Vermarktung wie auch der Profilschärfung. „Die Netzwerk-Mitglieder verarbeiten ihre Produkte traditionell und verkaufen sie regional“, erklärt Schrader. „Damit sichern sie ihr Einkommen, stärken den regionalen Absatz und treiben die nachhaltige Entwicklung der Region voran.“

Prof. Hofmeister betreut die Netzwerke weiter und bringt die Projektergebnisse zudem in die Lehre an der Leuphana Universität Lüneburg ein: Im Projektseminar „Nachhaltige Raumentwicklung – Wirtschaften in Netzen: Regionalvermarktung und Akteurs-Netzwerke von der Elbe bis zur Heide“ untersuchen Studierende der Umweltwissenschaften im Wintersemester 2012/13 die Netzwerke und deren Bedeutung für die Nachhaltige Regionalentwicklung.

Die Wissenschaftlerinnen selbst untersuchen in einem Folgeprojekt zum Thema Solidarische Landwirtschaft, wie regionale Erzeuger-Verbraucher-Zusammenschlüsse zu einer nachhaltigen Regionalentwicklung beitragen.