Gender-Diversity in der Forschung

Grundlageninformationen zu Gender-Diversity in der Forschung
Gender und Diversity müssen zukünftig in allen deutschen und europäischen Forschungsansätzen strukturell und inhaltlich benannt und berücksichtigt werden.Wenn Sie in der Wissenschaft tätig sind, forschen und Forschungsprojekte planen und durchführen, dann finden Sie hier Informationen, Anregungen und Hinweise, wie die Integration von Gender- und Diversityaspekten in die Forschung gelingen kann.
Integration von Gender und Diversity in deutsche und europäische Forschungsprojekte
International ist es bereits Standard, dass Gender- und Diversityaspekte in allen Forschungen berücksichtigt werden. Dies kann sowohl inhaltlich als auch strukturell geschehen. Besonders in naturwissenschaftlich-technischen Forschungsbereichen ist es nicht immer möglich, inhaltlich Gender und Diversity einzuziehen, jedoch ist es strukturell möglich z.B. in der Personalplanung, dem Einsatz von Frauen und Männern in bestimmten Positionen und Frauen in Leitungspositionen.
In der anwendungsbezogenen Forschung aber auch in der Grundlagenforschung ist nach der Bedeutung der Forschungsfragen der Forschungsergebnisse für die Geschlechter, für Alte, Junge, Behinderte, Menschen mit unterschiedlicher ethnischen Herkunft. Das Projekt „Discover Gender“ der Fraunhofer Gesellschaft hat einen ausführlichen Fragebogen für Genderorientierung in anwendungsorientierter Forschung entwickelt, der sehr hilfreich ist, um wirklich alle Aspekte der jeweiligen Forschung zu berücksichtigen.
GenderActionPlan (GAP)
Die Europäische Kommission hatte einen „Gender Action Plan“ (GAP) für das 6.Forschungsrahmenprogramm entwickelt, der bei der Beantragung und Durchführung von EU-Finanzierten Projekten hilft, Genderaspekte zu berücksichtigen.
Der GAP ist heute nicht mehr zwingend vorgeschrieben, gibt jedoch hilfreiche Hinwiese, weswegen wir ihn hier nochmals aufgreifen.
Gender Action Plan = Aktionsplan Chancengleichheit (im 6. Forschungsrahmenprogramm der EU 2002)
Der GAP ist ein Instrument des Gender Mainstreaming auf EU Forschungsebene. Er ist verpflichtend für Integrierte Projekte (IPs) und Exzellenznetze (NoEs). Grundlage sind die Ausschreibungsunterlagen von EU-Projektbereichen: „Write an action plan indicating actions and activities that will be developed to promote gender equality in all forms within your project“. Es geht nicht darum, in jedem Projekt gleiche Genderaspekte zu berücksichtigen, sondern diese sollen angepasst an Inhalt und Struktur der Projekte sein.
Der GAP beinhaltet folgende Ebenen:
- Genderbudgetierung in Forschungsprojekten
- Genderverteilung in Forschungsteams
- Weibliche Leitungen von Forschungsteams
- Gender- und Diversity-Berücksichtigung bei Drittmittelforschung
- Gender- und Frauenforschung ausweisen in Forschungsberichten
- Genderinhalte
Der GAP enthält eine Analyse der derzeitigen Situation: Beteiligung von Frauen an der Forschung und Integration der Gender Dimension in dem Forschungsgebiet des beantragten Projekts und konkrete Maßnahmenvorschläge zur Umsetzung von Gleichstellungs- und Frauenfördermaßnahmen mit klaren Erfolgschancen.
Ein GAP sollte Informationen liefern über:
- Die Identifizierung und Beschreibung von Gender relevanten Forschungsaspekten
- Die unternommen Aktionen und deren Begleitforschung
- Dokumentation und Follow up dieser Aktivitäten im Projektverlauf (Zwischenberichte, Endbericht, Evaluation)
- Internal Gender Watch System der EU Kommission
Ein GAP sollte Auskunft darüber geben wie im Projektverlauf folgende Ziele erreicht werden:
- Ausgewogenheit des Forscherteams, Ermutigung von Frauen,sich auf offene Stellen zu bewerben
- Förderung der Gleichstellung auf allen Ebenen
- Stärkung und Beteiligung von Frauen an der Projektleitung und den Gremien
- Bildung einer gendersensiblen Struktur, die Mentoring und Netzwerke unter Frauen unterstützt
Ein GAP sollte Auskunft darüber geben wie im Projektverlauf folgende Ziele erreicht werden:
- Schaffung einer Gleichstellungsgruppe oder adäquaten Struktur,die die Umsetzung der Chancengleichheit überwacht
- Beteiligung an Informations- und Kooperationsmaßnahmen, die außerhalb des Projektes wirken (z.B. Girl`s Day, Zukunftstag)
- Förderung von Nachwuchswissenschaftlerinnen: Schaffung von Anreizen (Preise, Fördermaßnahmen etc.)
Ein GAP sollte außerdem sicherstellen, dass folgende Bedingungen erfüllt sind:
- Erstellung von geschlechterdifferenzierten Statistiken
- Integration von Genderaspekten in die Forschung und Evaluation, Berichterstattung
- Überprüfung genderspezifischer Auswirkungen der Forschungsergebnisse
Im Forschungskonzept, im Forschungsantrag, im Forschungsbericht
- muss die Differenzierung nach Geschlecht durchgängig beachtet werden
- ist eine geschlechtergerechte Sprache zu berücksichtigen, dies gilt auch für die Forschungsergebnisse
- ist angesichts geschlechterspezifisch unterschiedlicher Lebensverhältnisse und zur Vermeidung von Stereotypisierungen immer eine identische Befragung bzw. Datenerhebung anzuwenden
- darf Geschlecht nicht ohne detaillierte Begründung als erklärende Variable verwendet werden
Gender in der Forschung
Für fast alle Forschungs- und Studienbereiche gibt es inzwischen Frauen-Genderforschung. Einen Überblick darüber bietet die Datenbank www.gender-in-gestufte-studiengaenge.de
oder die Übersicht über Forschungsbereiche
Für alle Forschungsbereiche gelten folgende Ansätze, um Gender- und Diversityaspeke zu berücksichtigen:
- Ergebnisse der Frauen- und Genderforschung und der kritischen feministischen Forschung des jeweiligen Fachgebietes aufgreifen,
- Historisch-generische Untersuchung der Naturwissenschaften und der technischen Wissenschaften hinsichtlich der Aktivitäten von Frauen und von Männern
- Analyse des androzentrischen Bias in der Theorie und Modellbildung und Methodik der Fächer
- Männliche Subjektivität in den Wissenschaften – sexistische Terminologie, biologischer Determinismus
- Interdisziplinäre Frauenforschung in Nawitech und Medizin
- Weibliche Forschungsansätze aufgreifen
- Weibliche Forscherinnen und ihre Biografie aufgreifen
- Weibliche Forschungen zitieren und von den Mitarbeiterinnen, Mitarbeitern und Studierenden zitieren lassen in schriftlichen und mündlichen Arbeiten
- Frauen- Genderforschung mit interkulturellen, internationalen Ansätzen berücksichtigen
- Berücksichtigung des Standes der Genderforschung in jeder Fachdisziplin, in jedem Forschungsdesign – auch unter internationalen Perspektiven
- Strukturelle Berücksichtigung beider Geschlechter in jedem Forschungsdesign (s.o.)


