Integratives Gendering
Das Konzept des Integrativen Genderings
Integratives Gendering zielt auf die Veränderung der Fachkulturen in kleinen Schritten und auf Vermittlung von Gender-Kompetenz als eine Schlüsselkompetenz sowohl bei Lehrenden als auch bei Lernenden[1].
Die Fachkulturen der einzelnen Wissenschaftsdisziplinen sind unterschiedlich ausgeprägt. Allen gleich ist, dass sie aufgrund des jeweils in den Kulturen entwickelten Habitus ausgrenzende Strukturen aufzeigen. Dies gilt in besonderem Maße für naturwissenschaftlich technische Disziplinen, die besonders Frauen strukturell ausgrenzen. Gleichzeitig bemühen sich viele dieser Disziplinen um eine Erhöhung des Frauenanteils. Um diese Ansätze, aber auch Ansätze in anderen Fachkulturen zu unterstützen, wurde das Konzept des Integrativen Genderings an der Leuphana Universität Lüneburg entwickelt.
Der Ansatz des Integrativen Genderings ist theoretisch einem integrativen Bildungsverständnis (vergl. hierzu Chur, Dietmar (2005)) verpflichtet, welches alle hochschuldidaktischen Lern- und Aktionsbereiche berücksichtigt. Integratives Gendering setzt an sowohl an der
- inhaltlichen Ebene,
- der Verhaltensebene als auch
- der Bewusstseinsebene.
Genderaspekte und Gender-Wissen wirken bei den Akteurinnen und Akteuren der hochschulischen Handlungsfelder auf ihre Handlungskompetenzen, auf ihr Wissen und auf ihren Informationsstand ein. Die Genderaspekte sind somit auch neben der Hochschuldidaktik Teil der hochschulischen Personalentwicklungsplanung. Integrativ heißt also auch, Gender in Fachveranstaltungen, durch spezifische Sequenzen und durch eine spezifische Didaktik zu vermitteln.
Der Ansatz des „Integrativen Genderings“ (Jansen-Schulz 2005, 2006, 2007[2]) geht über den Ansatz der genderorientierten Didaktik (Kahlert 2003; 123) hinaus. Integratives Gendering findet auf mehreren Ebenen gleichzeitig statt und umfasst sowohl
- genderorientierte Didaktik und Methodik,
- Gendermodule als auch
- Empowerment von Frauen durch situative monoedukative Angebote und Mentoringmodelle für Frauen[3].
Ziele des Integrativen Genderings in der Lehre sind einerseits das Gendering aller Studiengänge und Studiengangsmodule. Andererseits soll die Gender-Kompetenz von Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftlern und Lehrenden gstärkt werden. Gleichzeitig soll erreicht werden, dass Genderaspekte in möglichst vielen Themenbereichen der jeweiligen Disziplin, des jeweiligen Studiengangs berücksichtigt werden.
Integratives Gendering und die differenzierte Wahrnehmung der Personen in Lehre und Forschung bedeutet die Berücksichtigung von Gender- und Diversityaspekten im alltäglichen Prozess der Lehre und Forschung, deren Planung und Durchführung.
Im Rahmen der ersten Akkreditierungsprozesse der Studiengänge wurden in Lüneburg Gendersynopsen von ca. 700 Modulen von ca. 30 (von insgesamt 45 [4]) Studiengängen erstellt. Für diese Synopsen wurden sieben Genderkategorien entwickelt und in einem mehrstufigen Verfahren dazu Auswertungen vorgenommen, die Grundlage des Konzeptes des Integrativen Genderings sind.
[1]Zum Stand der Forschung zu Schlüsselkompetenzen siehe Arbeitsgemeinschaft Betriebliche Weiterbildungsforschung e.V. / Projekt Qualifikations- Entwicklungs – Management (1997-2004); Erpenbeck/ v. Rosenstiel (2003); Chur, Dietmar (2005)
[2] Dudeck, Anne/ Jansen-Schulz, Bettina (2007): Zukunft Bologna!? Gender und Nachhaltigkeit als Leitlinien für eine neue Hochschulkultur. Peter Lang Verlag, Frankfurt, New York
[3] Siehe zu Hochschulreform und Gender Mainstream auch Roloff, Christine/ Selent, Petra 2003
[4] Stand Ende 2005


