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Literatur

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Gender StudiesGENDER STUDIES

Von der Frauen- zur Genderforschung

Die heutige Frauen- und Genderforschung hat sich aus der zweiten Frauenbewegung heraus entwickelt, die in Deutschland ihren Beginn in der Studentenbewegung ab 1968 hat.

Frauenforschung hat sich zunächst auch als kritische Forschung zur bestehenden Forschung entwickelt, in der Frauen, bzw. das Geschlecht als Kategorie gar nicht vorkamen. Dementsprechend waren die Anfänge der Frauenforschung sehr parteiisch und untersuchten die Situation der Frau in der Gesellschaft.

Frauenforschung stützt sich sowohl auf makroanalytische als auch auf mikroanalytische Ansätze.

Die makroanalytischen Ansätze beziehen sich auf die Verbindung von Kapitalismus und Patriarchat, Kritik an der geschlechtsspezifischen Hierarchisierung der Arbeitswelt und der doppelten Vergesellschaftung von Frauen (Familie und Arbeit).

Die mikroanalytischen Ansätze beziehen sich auf die Entwicklung der Geschlechtsidentität und die soziale Konstruktion von Geschlecht.

Die Frauen- und Geschlechterforschung hat in ihrer bisherigen knapp 40-jährigen Entwicklung drei theoretische Phasen durchlaufen und ist inzwischen theoretisch stark ausdifferenziert.

Gleichheitsansatz

Der Ursprung der Frauenforschung wird im Gleichheitsansatz gesehen. Er geht zurück auf die Frauenforschung der 60er Jahre (Frauenforschung war hier noch überwiegend eine Forschung von Männern über Frauen mit dem Ansatz von Frauen als Mängelwesen). 

Der Gleichheitsansatz der anfänglichen Frauenforschung entsprang einer parteiischen Perspektive, weil sich sowohl die Wissenschaft als auch die Gesellschaft aus Frauensicht anders darstellte. Die Diskriminierung von Frauen sollte belegt werden, Gleichberechtigung wurde gefordert.

Differenzansatz

Vom Gleichheitsansatz zum Differenzansatz herrscht ein fließender Übergang in den 80er Jahren. Der Differenzansatz legt den Fokus auf die verschiedenen (differenten) Lebenswelten von Frauen und Männern. Gesellschaftliche Strukturen stehen bei dieser Forschung im Mittelpunkt. Der Differenzansatz wurde in den 90iger Jahren erweitert durch den

Konstruktivismusansatz

Als Schwerpunkt wird hier die kulturelle Konstruktion von Zweigeschlechtlichkeit gesehen, wobei auf eine Trennung zwischen dem biologischen Geschlecht (sex) und dem sozialen Geschlecht (gender) kritisch Bezug genommen wird. In den Theorieansätzen gibt es hier zwei Hauptrichtungen:

1. Sozialer Kontruktivismus: Das Augenmerk wird hierbei auf die Herstellung des sozialen Geschlechts – auf das "doing gender“– in Interaktionen und sozialen Prozessen gelegt: Gender wird in permanenten Zuschreibungs-, Wahrnehmungs- und Darstellungsroutinen reproduziert, die sich lebensgeschichtlich verfestigen und identitätswirksam sind. Dem ‚doing gender’ kommt damit eine weitreichende Bedeutung in der Konstruktion von Weiblichkeit und Männlichkeit zu. Biologistische Argumentationen, die eine natürliche Unterlegenheit des weiblichen Geschlechts behaupten, werden mit dem Verweis auf die soziale Bedingtheit der Geschlechterhierarchie entkräftet.
Vertreterin dieser Theorie ist beispielsweise auch Carol Hagemann-White.

2. Dekonstruktivismus: die dekonstruktivistische Perspektive, wie sie prominent Judith Butler vertritt, treibt die sex/gender Trennung an ihre logische Grenze: Stellt sich das soziale Geschlecht oder die Geschlechtidentiät (gender) unabhängig vom Biologischen (sex) her, wirft dies die Frage auf, welche Relevanz dem Biologischen überhaupt noch zukommt. Die Bedeutsamkeit und damit auch die Faktizität eines biologischen Geschlechts wird hinterfragt. Das Geschlecht (sex und gender) wird als diskursive Konstruktion verstanden, die nicht auf einem biologischen Gegebenen beruht, sondern permanent performativ hergestellt wird.

Als feministische TheoretikerInnen weisen DekonstruktivistInnen zugleich darauf hin, dass auch das Berufen auf eine nicht hinterfragte, vermeintlich allgemeingültige Kategorie „Frau“ – eine performative, diskursive Konstruktion ‚der Frau’ aufruft. Dies wird als problematisch betrachtet, da 1. das System der Zweigeschlechtlichkeit reproduziert wird und 2. davon ausgegangen wird, es gäbe eine einigende Gemeinsamkeit aller Frauen. Differenzen unter Frauen, seien es Machtunterschiede oder Klassendifferenzen, werden dabei ausgeblendet. Ebenso werden z.B. geopolitische oder soziohistorische Kontexte, in denen sich die Kategorie Frau jeweils herstellt, vernachlässigt.

Die Frauen- und Genderforschung beschäftigt sich inzwischen mit nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen:

  • Lebensphasen und –lagen
  • Arbeit, Politik und Ökonomie
  • Körper und Gesundheit
  • Bildung, Kultur und Religion
  • Frauenbewegung und Gleichstellungspolitik
  • Naturwissenschafts- und Technikkritik
06.03.2013, Ricarda Heil