Stereotypen
Die Rolle des Mannes im Wandel der Zeit
1. Hinführung
Männer gelten in der Gesellschaft immernoch als das stärkere Geschlecht und Männlichkeit bedeutet für viele heldenhaft, dominant, aggressiv, hart und häufig auch gewalttätig zu sein. Bis heute sind das Dominanzverhalten, die auseinadnerklaffende Erwerbssituation, Gewalt und das sogenannte „Alphatiergehabe“ von Männern eines der zentralen Themen feministischer Forschung über Männer und Männlichkeit. Aber die meisten Männer fühlen
sich gar nicht besonders stark und mächtig - sie fühlen sich nur mächtig in der Phantasie, beim Konsum von Pornographie, als Zuschauer eines Fußballspiels oder als Besitzer eines Motorrads. Viele fühlen sich extrem von den Frauen herausgefordert und sind sich im unklaren darüber, wie sie Mann sein sollen in der neuen Welt- einer Welt der Massenarbeitslosigkeit, der Globalisierung, der selbstsicheren und modernen Frauen und der Gender-Debatten. Dieser Zwiespalt ist eine Schlüsselsituation der gegenwärtigen Männlichkeitspolitik. Welche Folgen hat insbesondere der Wandel des Frauenbildes nun auf die Identitätsfindung des Mannes und welche Rolle kommt dem Mann eigentlich zu? Dies soll in dem folgenden Text dargestellt werden.
2. Softy oder Macho - Männer im Zwiespalt
„Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“ (Allan und Barbara Pease, 1999), "Männer sind Schweine- Frauen aber auch", sowie "Männer sind primitiv, aber glücklich!", sind unter anderem seit einigen Jahren gängige Show-Slogans des deutschen Komikers Mario Barth. Aber was hat es damit auf sich? Sind dies lediglich klischeebehaftete Rollenbilder des Mann-Seins des 21. Jahrhunderts, ein Trend oder gar Realität? Fest steht, dass sich die Frauen in den letzten Jahrzehnten weiter entwickelt haben und sich das traditionelle, dem Mann untergeordnete Hausfrauenbild weitestgehend in der Gesellschaft geändert hat. Wie im Einführungstext über "Männlichkeitsforschung" bereits erwähnt, verschwimmen somit die Geschlechterrollen immer mehr und besonders das Rollenbild des Mannes wird von je her kritisiert, in Frage gestellt, analysiert und ändert sich stetig. So lautet eine Schlagzeige auf der Internetseite Bild.de "Kerle in der Krise- Wann ist man(n) ein Mann?". In diesem Bericht wird deutlich, dass Männer selbst kaum noch genau wissen, was Männlichkeit bedeutet, nicht mehr die alleinigen Ernährer und Beschützer sind und zunehmend durch die Emanzipation der Frauen überfordert zu sein scheinen. Auf der einen Seite sollen sie rational, stark, dominant und technikversiert sein und auf der anderen Seite Gefühle und Emotionen zeigen und natürlich die karrierebewusste Partnerin bei der Erziehung der Kinder und im Haushalt unterstützen. Die Emanzipation hat demnach zu einer Verunsicherung vieler Männer geführt und viele befinden sich in einem regelrechten Zwiespalt und einer Identitätskrise. Die unklaren Rollenmuster haben zunehmend dazu geführt, dass diese echte emotionale und auch gesundheitliche Probleme hervorrufen können. Die Gesundheit bleibt häufig auf der Strecke. Ich verweise in diesem Zusammenhang nur kurz auf das Motto "Ein echter Mann kennt keinen Schmerz". Die meisten Männer bekennen sich zwar zu einer neueren und moderneren Rollenverteilung, können und wollen sich jedoch von alten Rollenmustern nicht völlig losreißen und stellen ihren Beruf häufig über die Familie. So tun sich z.B. immer noch einige Männer mit der Väterlichkeit, das heißt mit der Erziehungsarbeit schwer und überlassen
gerne der Frau die aktive Gestaltung des Familienlebens. Emotionen und Gefühle zu zeigen, Interaktives Gender-Diversity Portal - 7 wie z.B. Einfühlungsvermögen, werden daher als eher unmännlich angesehen. Aspekte wie väterlicher Stolz, Führung und Verantwortung bewirken widerum die Kehrseite. Diese Widersprüchlichkeiten entspringen ursächlich der veralteten Denke der Gesellschaft, welche weiterhin die traditionellen Rollenbilder in den Köpfen aufrecht erhält und durch die Medien manifestiert wird.
3. Fazit
So überwiegen mittlerweile sogenannte Idealtypen, welche sowohl sexy, emotional und sinnlich, als auch stark und selbstbewusst sind. Jene, die die emanzipierten Frauen als selbstverständlich ansehen, ihnen Respekt zollen und sich nicht über sie stellen. Also von allem ein bisschen. Doch wer entscheidet was "Ideale" von Männlichkeit im 21. Jahrhundert sind? Können und wollen sich Männer mit diesem Idealtypus überhaupt identifizieren? Es darf dabei nicht vergessen werden, dass in die Entwicklung der ständigen Neukonstruktion
der Männerrolle noch viele andere Faktoren, wie Bildung, die Wertevermittlung durch die Gesellschaft und der Eltern, Trends, Ethnie, Schicht und Religion in die immer steigende Identitätskrise der Männer mit einfließen. Eine allgemeine Gleichstellungspolitik, ohne Vorurteile sowohl von Männern als auch von Frauen, in allen Bereichen ist daher in Zukunft sehr wichtig für die Vermeidung von Konflikten zwischen beiden Geschlechtern. Schlussendlich bleibt jedoch zu sagen, dass nicht das Geschlecht oder die Zuordnung in ein bestimmtes Rollenmuster, sondern die Persönlichkeit und das eigene Wohlbefinden eines
jeden Menschen, letztendlich für dessen Attraktivität und Erfolg entscheidend sein sollten. Nur wenn man sich dessen bewusst ist, ist es möglich endlich von bestehenden und häufig klischeebehafteten Rollenmustern abzuweichen, diese weiter zu entwickeln oder sogar völlig neu zu definieren.


