Forschung und Projekte
Prof. Dr. Hans-Rüdiger Pfister
DFG-Projekt „Die Rolle moralischer Heuristiken bei der Verarbeitung fragiler und konfligierender Evidenz von gesellschaftlichen Risiken (im DFG-Schwerpunktprogramm SPP1409 „Wissenschaft und Öffentlichkeit“).
Projektlaufzeit: 2011 - 2013
Drittmittelgeber: DFG
Gesellschaftlich relevante Entwicklungen und Technologien wie die globale Erderwärmung, die Gen- und Nanotechnologie, der Terrorismus und andere Risiken werden hinsichtlich ihrer Ursachen und Konsequenzen in der Öffentlichkeit und in der Wissenschaft meist kontrovers diskutiert. Außerdem sprechen gesellschaftliche Risiken oft grundlegende ethisch-moralische Fragen an. Für den Laien besteht bei der Beurteilung solcher Risiken nicht nur das Problem, die wissenschaftlichen Zusammenhänge zu verstehen, sondern angesichts widerstreitender wissenschaftlicher Befunde und Interpretationen eine eigene Bewertung vorzunehmen. Wir untersuchen die Hypothese, dass Unsicherheiten bei der Bewertung uneindeutiger und konfligierender wissenschaftlicher Evidenz durch Anwendung moralischer Heuristiken aufgelöst werden. Eine moralische Heuristik ist ein intuitiver Mechanismus, mit dem die moralische Qualität einer Handlung beurteilt wird. Ein epistemisches Urteil, etwa wie richtig oder wahrscheinlich ein Sachverhalt ist, wird durch ein moralisches Urteil, etwa wie verwerflich eine entsprechende Handlung ist, ersetzt; man spricht hier von Attributsubstitution. Moralische Heuristiken basieren auf moralischen Emotionen wie Empörung oder Abscheu, die als unmittelbare Reaktion auf moralisch besetzte Stimuli entstehen. Wir nehmen an, dass moralische Heuristiken umso eher aktiviert werden, je uneindeutiger und konfligierender die verfügbare Evidenz für ein Risiko ist. Die enge Assoziation moralischer und epistemischer Bewertungen und die Moralisierung von Evidenz ist ein kennzeichnendes Merkmal des öffentlichen Diskurses über gesellschaftliche Risiken.
Projektleitung:
Prof. Dr. Hans-Rüdiger Pfister (Leuphana)
Prof. Dr. Gisela Böhm (University of Bergen, Norway).
Psychonik
Der interdisziplinäre Ansatz der Psychobionik (Psychologie, Informatik, Automatisierungstechnik) versucht psychologische Gesetzmäßigkeiten der Steuerung menschlichen Verhaltens auf Maschinen zu übertragen und damit Maschinen, insbesondere Computer, mit menschenähnlichen Eigenschaften auszustatten. Können beispielsweise digitale Systeme Emotionen erkennen und interpretieren? Wie können Systeme Informationen in emotionalem Format an Personen rückmelden, so dass die Mensch-Computer-Interaktion menschlicher Kommunikation ähnlich wird? Im Projekt „Psychobionik“ wird die Erkennung und Interpretation der Emotionen von Fahrzeugführern sowie der Steuerung von Fahrzeugen durch die automatische (psychologische) Interpretation von Informationen aus Quellen außerhalb und innerhalb des Fahrzeugs erforscht. Es wird untersucht, wie Maschinen ihre Zustände besonders effektiv dem Fahrer mitteilen können. Ziel ist, eine effizientere, sicherere und humanere Steuerung des komplexen Systems Mensch-Fahrzeug zu erreichen.
Das Projekt „Psychobionik“ wird von Fördermitteln aus dem Niedersächsischen Vorab der Volkswagen-Stiftung gefördert (Zeitraum: 2008 – 2013).
Choice Blindness
Wir entscheiden, um gute Konsequenzen zu erreichen. Sind Menschen in der Lage zu erkennen, ob ihre Entscheidungen die gewünschten Konsequenzen erzielen? Das Phänomen der Choice Blindness zeigt, dass unter bestimmten Bedingungen Entscheidungskonsequenzen nicht korrekt identifiziert werden können. In diesem Projekt wird untersucht, welche kognitiven Faktoren Choice Blindness fördern bzw. verhindern.
Das Projekt wird gefördert vom Meltzer-Fond (Norwegen) und findet in Kooperation mit Prof. Gisela Böhm an der Universität Bergen statt (Laufzeit: 2007– 2009).



