Gesundheit
Die Kosten im Gesundheitswesen explodieren. Im Jahr 2009 lagen die jährlichen Ausgaben laut Gesundheitsberichterstattung des Bundes bei nahezu 278 Milliarden Euro. Prognosen gehen von einem weiterhin starken Anstieg der Kosten aus. Allein die zunehmende Alterung der Gesellschaft wird in den kommenden 50 Jahren die Ausgaben verdoppeln. Nicht nur der demografische Wandel, sondern auch der technische Fortschritt stellt das Gesundheitssystem unter enormen Druck. Noch gilt die Gesundheitsversorgung in Deutschland - auch im weltweiten Vergleich - als führend. Aber die Grenzen sind unverkennbar.
Um auch für die folgenden Generationen ein qualitativ hochwertiges Gesundheitssystem erhalten zu können, ist heute aktives Handeln notwendig. Mit dem Innovations-Inkubator Lüneburg will die Leuphana Universität dazu beitragen und hat spezifisch für diese gesellschaftspolitisch hochrelevante Herausforderung einen Themenschwerpunkt Gesundheit entwickelt.
Finanzierbare Konzepte zur zukünftigen Versorgung
Die dringende Modernisierung des deutschen Gesundheitssystems wirft zahlreiche Forschungsfragen auf, die in diesem Rahmen beantwortet werden sollen: Wie kann eine flächendeckende Gesundheitsversorgung bei hoher Qualität der Leistungen sichergestellt werden? Durch welche Steuerungsmechanismen lässt sich das deutsche Gesundheitswesen effektiver gestalten? Inwiefern kann die individuelle Gesundheitskompetenz der Bürgerinnen und Bürger gestärkt werden? Welche Möglichkeiten bieten in Zukunft webbasierte Formen der Gesundheitsvorsorge und -versorgung?
Die Leuphana will mit dem Innovations-Inkubator zur Modernisierung und Reformierung des deutschen Gesundheitswesens beitragen und widmet sich der Frage, wie eine gerechte und qualitativ hochwertige Versorgung auch in Zukunft finanzierbar sein kann.
Forschungsprojekte mit Wirtschaftskooperationen
Im Kompetenztandem "Vernetzte Versorgung" untersucht das Forschungsteam um den Psychiater Prof. Wulf Rössler neue Wege in der Versorgung psychisch Erkrankter. Durch ein integriertes Versorgungssystem von ambulanten Bezugstherapeuten, Psychiatern und Ärzten können Patienten statt stationär im häuslichen Lebensumfeld behandelt werden.
Das Projekt „Internet-Therapie“ entwickelt für Menschen mit psychischen Erkrankungen Online-Module, die ihr gesundheitsschädliches Verhalten nachhaltig reduzieren sollen. Dazu nutzen die Forscher bislang in der Therapie ungenutztes technisches Potenzial wie Webcams, Chat und mobile Anwendungen, z.B. die Smart Phone Sensorik.
Das Kompetenztandem "Management-Modelle in der integrierten Versorgung – Neue Ansätze für chronische Erkrankungen" baut ein Geschäftsmodell für eine integrierte Behandlung von Hochkostenerkrankungen wie Diabetes und chronischen Wunderkrankungen auf.
Wie berufsbedingten Erkrankungen vorgebeugt und Erkrankten der Weg zurück ins Berufsleben erleichtert werden kann, erforscht „Gesund im Beruf“. Dazu baut das Kompetenztandem lokale Einrichtungen auf, die kleinen und mittleren Unternehmen Leistungen im Bereich Prävention Versorgung und Eingliederungsmanagement anbieten.
Das Forschungprojekt "Einfach gute Pflege finden" hilft Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen bei der Suche nach geeigneten Pflegeanbietern. Gemeinsam mit dem Lüneburger Pflegeberater DPR Deutscher Pflegering wollen die Forscher die Pflegesituation und das Wohlbefinden der hilfebedürftigen Menschen in der Region langfristig verbessern.
Studium und Forschung
Zur Stärkung von Lehre und Forschung im Bereich Gesundheit vergibt der Innovations-Inkubator Gastprofessuren: Prof. Monika Rulle forscht zu „Gesundheitstourismus in der Region“, Prof. Mirella Cacace im Bereich „Gesundheitsökonomie in der Region“. Zudem bietet der Inkubator Master- und Promotionsstipendien in der Graduate School an.
Berufsbegleitend studieren und sich für das Gesundheitswesen ausbilden lassen – Der Bachelor „Integriertes Care Management“ bereitet auf Fach- und Führungsaufgaben in der Pflege älterer Menschen vor. Der Master „Prävention und Gesundheitsförderung“ qualifiziert in den Bereichen Gesundheitswissen-schaften und Management und richtet sich an künftige Führungskräfte aus dem Sozial-, Bildungs- und Gesundheitswesen und der freien Wirtschaft.
In der Case Study „Wer pflegt uns in Zukunft?“ entwickeln Studierende der Professional aus der Region Strategien, wie mehr Menschen im Projektgebiet Lüneburg für den Pflegeberuf gewonnen werden können.
Das „Forschungsnetz Gesundheit“ untersucht, inwieweit die Förderung gesundheitsrelevanter Ressourcen und Maßnahmen in kleineren und mittleren Unternehmen (KMU) Wettbewerbsfähigkeit, Produktivität und Innovationsbereitschaft im Unternehmen beeinflusst. Eine Panelstudie analysiert in Kooperation mit etwa 50 KMU, wie das Arbeiten von Beschäftigten und Führungskräften gesteigert werden kann.
Veranstaltungen
Am 11.Oktober 2011 fanden in Lüneburg die Ersten Leuphana Gesundheitsgespräche statt. In unterschiedlichen Panels erörterten Spitzenvertreter aus dem Gesundheitsbereich die Frage, welche Formen der Privatisierung das deutsche Gesundheitswesen benötigt, um gegenwärtigen und künftigen Herausforderungen adäquat begegnen zu können.
Die Leuphana Startwoche stand im Jahr 2011 unter dem Thema Gesundheitsökonomie. Begleitet von Experten des deutschen Gesundheitswesens entwickelten 1.800 Erstsemesterstudierende in einer Verhandlungsfallstudie ein tragfähiges Modell zur Finanzierung des deutschen Gesundheitssystems.
















