Forschung und Projekte
Dipl. Kaufmann Tim Rathjen
FFB-Eigenprojekt
Zeit- und Einkommensarmut - Zur Dynamik eines multidimensionalen interdependenten Armutsansatzes
Eine zunehmende Zahl von Armutsforschern erkennt, dass Armut ein multidimensionales Phänomen ist und daher nur durch ein multidimensionales Armutskonzept wirklichkeitsnah erfasst werden 25 FFB-Jahresbericht 2009/2010 kann. Die klassischen einkommensorientierten Ansätze greifen zu kurz. Obwohl diese Einsicht immerhin einen Vorschritt darstellt, fehlen in den bisherigen Ansätzen zwei wesentliche Punkte: Zum einen bleibt die Zeitdimension – und damit die Berücksichtigung zunehmender Zeitknappheit und Verdichtung – meist unberücksichtig, zum anderen werden die verschiedenen Dimensionen meist ausschließlich separat betrachtet, das heißt, die gegenseitige Abhängigkeit/Interdependenz der Dimensionen bleibt unberücksichtigt.
Im Rahmen dieses Forschungsprojektes soll beiden Dimensionen Rechnung getragen werden. Die persönliche Freizeit und das Einkommen des Einzelnen stellen die beiden zentralen Ressourcen für die Beantwortung der Frage nach der sozialen Ausgrenzung dar und sind entsprechend Kern eines multidimensionalen interdependenten Armutskonzeptes. Die Abhängigkeit/Interdependenz/Substitution der beiden Dimensionen wird von uns über die personelle Bewertungen der Gesamtbevölkerung (aus der SOEP-Umfrage) erfasst, indem eine CES-Nutzenfunktion mit Freizeit und Einkommen als Inputgrößen und Nutzen/Wohlfahrt als Output mit den Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) geschätzt wird. Mit den detaillierten Zeittagebuchinformationen der Zeitbudgeterhebung des Statistischen Bundesamtes erfolgt dann eine individuelle Zuordnung zu den verschiedenen Sektoren multidimensionaler Armut und eine Quantifizierung von interdependenter Zeit- und Einkommensarmut.
Insbesondere wollen wir der Frage nachgehen, welchen Einfluss die gewisse Zeitsouveränität der Selbständigen als Freie Berufe und Unternehmer auf eine solche multidimensionale Analyse von Zeit- und Geldknappheit hat. Mit neueren mikroökonometrischen Ansätzen wird zudem die Dynamik zwischen den Armutssektoren für verschiedene Bevölkerungsgruppen analysiert. Im Berichtszeitraum haben wir die Arbeit an diesem Projekt weiter vertieft und Ergebnisse auch auf internationalen Tagungen zur Diskussion gestellt. Zudem sind wir der Frage nachgegangen, ob zeitarme Personen erhöhte Konsumausgaben haben. Datenbasis dafür ist die Einkommens- und
Verbrauchsstichprobe (EVS) des Statistischen Bundesamtes mit mehr als 40.000 befragten Haushalten.
Projektbetreuung
- Dipl.-Kfm. Tim Rathjen,
- Prof. Dr. Joachim Merz
Projektlaufzeit
- Beginn: 2008 - Ende: offen
Publikationen
- Merz, J. und T. Rathjen, 2010, Sind Selbstständige zeit- und einkommensarm? – Eine Mikroanalyse der Dynamik interdependenter multidimensionaler Armut mit dem Soio-oekonomischen Panel und den deutschen Zeitbudgeterhebungen,FFB-Diskussionspaper No. 82, Fakultät Wirtschaft, Leuphana Universität Lüneburg, Lüneburg.
- Merz, J. und T. Rathjen, 2009, Time and Income Poverty – An Interdependent Multidimensional Poverty Approach With German Time Use Diary Data, FFB-Diskussionspaper Nr. 79, Fakultät II, Wirtschafts- Verhaltens- und Rechtswissenschaften, Leuphana Universität Lüneburg, Lüneburg. FFB-DP Nr.79 (also as IZA Discussionpaper No. 4337, Bonn 2009 and as ECINEQ Discussionpaper No. 126, Palma de Mallorca 2009).
Vorträge
- Merz, Joachim und Tim Rathjen, Zeit- und Einkommensarmut von Selbständigen – Ein neuer interdependenter multidimensionaler
Ansatz und Ergebnisse für die „woorking poor“, Statistische Woche Nürnberg, 16. September 2010, Nürnberg, Deutschland - Merz, Joachim, Time and Income Poverty – An Interdependent Multidimensional Poverty Approach with German Time Use Diary Data, 31st General Conference of The International Association for Research in Income and Wealth (IARIW), St. Gallen, Switzerland, 22.-28. August 2010
- Rathjen, Tim, Do Time Poor People Pay More?, 32. Jahreskonferenz der International Association for Time Use Research (IATUR), Paris, Frankreich, 8. Juli 2010
- Merz, Joachim und Tim Rathjen, Are Self-Employed Time and Money Poor? Results by an Interdependent Multidimensional Poverty Approach Using GSOEP and GTUS Time Use Diary Data, 9. Internationale Nutzerkoferenz des SOEP, WZB, Berlin, Deutschland, 1. Juli 2010
- Merz, Joachim, Zeit- und Einmkommensarmut von Freien Berufen und Unternehmern, 20 Jahre Forschungsinstitut Freie Berufe (FFB), Leuphana Universität Lüneburg, 11. Juni 2010
- Merz, Joachim, Self-Employment and Time and Income Poverty, 32nd Annual Meeting of the International Association for Time Use Research (IATUR), Science-Po, Paris, France, 7.-10. Juni 2010
Merz, Joachim, Time and Income Poverty - An Interdependent Multimensional Poverty Approach, University of Utah, Salt Lake City, USA, 27. April 2010 - Merz, Joachim und Tim Rathjen, Are Self-Employed Time and Money Poor? Dynamics of Interdependent Multidimensional Poverty with German Time Use Diary Data, 6. CREPS Konferenz "Die Dynamik tiefgreifenden Wandels in Gesellschaft, Wirtschaft und Unternehmen", Leuphana Universität Lüneburg, Lüneburg, 26./27. November 2009
- Merz, Joachim und Tim Rathjen, Sind Selbständige zeit- und einkommensarm? Eine Analyse mit den Zeitbudgeterhebungen 1991/92 und 2001/2002, Forschungskolloquium Freie Berufe, Mittelstand und empirische Wirtschaftsforschung, Fakultät II – Wirtschafts-, Verhaltens- und Rechtswissenschaften, Leuphana Universität Lüneburg, Lüneburg, 3. November 2009
- Merz, Joachim und Tim Rathjen, Time and Income Poverty Dynamics – An Interdependent Multidimensional Approach with German Time Use Data, 32. Jahreskonferenz der International Association for Time Use Research (IATUR), Leuphana Universität Lüneburg, Lüneburg, 24. September 2009
- Rathjen, Tim (2010), Do Time Poor People Pay More?, Forschungskolloquium Freie Berufe, Mittelstand und empirische Wirtschaftsforschung, Leuphana Universität Lüneburg, Lüneburg, Deutschland, 29. Juni 2010
- Merz, Joachim und Tim Rathjen, Zur Dynamik von Zeit- und Einkommensarmut in Deutschland, Forschungskolloquium Freie Berufe, Mittel und empirische Wirtschaftsforschung, Fakultät II – Wirtschafts-, Verhaltens- und Rechtswissenschaften, Leuphana Universität Lüneburg, Lüneburg, 16. Juni 2009
- Merz, Joachim, Satisfaction, Time and Income – An Interdependent Multidimensional Poverty Approach with German Time Use Diary Data, International Conference Happiness and Relational Goods: Well-Being and Interpersonal Relations in the Economic Sphere, Isola di San Servolo, Venedig, 11.-13. Juni 2009
- Rathjen, T., Time and Income Poverty: A Microanalysis with the German Time Use Survey 2001/2002, 31. Jahreskonferenz der International Association for Time Use Research (IATUR), Wesley Conference Centre, Sydney, Australia, December 1-3, 2008
- Merz, J. und T. Rathjen, Time and Income Poverty – A Microanalysis with the German Time Use Survey 2001/ 02, Forschungskolloquium Freie Berufe, Mittelstand und empirische Wirtschaftsforschung, Fakultät II – Wirtschafts-, Verhaltens- und Rechtswissenschaften, Leuphana Universität Lüneburg, Lüneburg, 25. November 2008
Dissertationsprojekt
Zeit- und Einkommensarmut – Eine Mikroanalyse mit der deutschen Zeitbudgeterhebung 2001/2002 des Statistischen Bundesamtes
In modernen Gesellschaften wie der Bundesrepublik Deutschland nimmt das Tempo des sozialen Lebens zu, bei den Menschen entsteht zunehmend das Gefühl von Zeitstress. So haben heute Waren und Dienstleistungen „Konjunktur“, die eine Zeitersparnis versprechen. Convenience-Produkte, internetfähige Handys oder Bücher über das „Sparen von Zeit“ in den Bestsellerlisten zeugen von dieser Entwicklung. Die Kosten für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sind entsprechend immer häufiger nicht nur in Euro und Cent sondern auch in Stunden und Minuten zu zahlen. Die Zeitressource gewinnt damit gegenüber der Einkommensressource an Bedeutung. Entsprechend sind Armuts- oder generell Wohlfahrtsanalysen, die ausschließlich das monetäre Einkommen der Menschen betrachten, unpassend. Eine zunehmende Zahl von Armutsforschern erkennt, dass Armut ein multidimensionales Phänomen ist und daher nur durch ein multidimensionales Armutskonzept wirklichkeitsnah erfasst werden kann. Mit der zusätzlichen Betrachtung der Zeit (und später weiteren Dimensionen) soll auch im Rahmen des Dissertationsvorhabens ein erster Schritt hin zu einer umfassenderen Betrachtung von Armut gelingen.
Vor dem Hintergrund der dargestellten Entwicklung werden drei zentrale Fragen empirisch aufgearbeitet:
- Wer hat verhältnismäßig wenig Zeit zur Verfügung und kann daher als zeitarm bezeichnet werden?
- Wer hat verhältnismäßig wenig Geld zur Verfügung und kann daher als einkommensarm bezeichnet werden?
- Wie können diese Dimensionen im Rahmen eines interdependenten multidimensionalen Armutskonzeptes zusammengeführt werden?
Die Ergebnisse der Zeit- und multidimensionalen Armutsanalysen stellen ein Novum dar. Sie können Ansatzpunkte für staatliche Maßnahmen zur Verringerung von Armut und des sozialen Tempos („Entschleunigung“) liefern. Durch das Aufzeigen einer neuen, multidimensionalen Perspektive bereichern die gewonnenen Erkenntnisse der Dissertation die Armutsforschung und Diskussion um die arbeitenden Armen („working poor“) in Deutschland. Mit der Verknüpfung von Zeit und Einkommen kann die Lebenssituation dieser zeit- und einkommensarmen Menschen wirklichkeitsnäher wiedergegeben werden. Die Ergebnisse unterstützen die zielgenaue Abstimmung sozialpolitischer Maßnahmen auf bedürftige Menschen und sind damit ein Beitrag für mehr Gerechtigkeit
Projektbetreuung
- Dipl.-Kfm. Tim Rathjen,
- Prof. Dr. Joachim Merz
Projektlaufzeit
- Beginn: 2008 - Ende: offen
Publikationen
- Merz, J. und T. Rathjen, 2010, Sind Selbstständige zeit- und einkommensarm? – Eine Mikroanalyse der Dynamik interdependenter multidimensionaler Armut mit dem Sozio-oekonomischen Panel und den deutschen Zeitbudgeterhebungen, FFB-Diskussionspaper No. 82, Fakultät Wirtschaft, Leuphana Universität Lüneburg, Lüneburg.
- Merz, J. und T. Rathjen, 2009, Time and Income Poverty – An Interdependent Multidimensional Poverty Approach With German Time Use Diary Data, FFB-Diskussionspaper Nr. 79, Fakultät II, Wirtschafts- Verhaltens- und Rechtswissenschaften, Leuphana Universität Lüneburg, Lüneburg. FFB-DP Nr.79 (also as IZA Discussionpaper No. 4337, Bonn 2009 and as ECINEQ Discussionpaper No. 126, Palma de Mallorca 2009)
Vorträge
- Merz, Joachim und Tim Rathjen, Are Self-Employed Time and Money Poor? Dynamics of Interdependent Multidimensional Poverty with German Time Use Diary Data, 6. CREPS Konferenz "Die Dynamik tiefgreifenden Wandels in Gesellschaft, Wirtschaft und Unternehmen", Leuphana Universität Lüneburg, Lüneburg, 26./27. November 2009
- Merz, Joachim und Tim Rathjen, Sind Selbständige zeit- und einkommensarm? Eine Analyse mit den Zeitbudgeterhebungen 1991/92 und 2001/2002, Forschungskolloquium Freie Berufe, Mittelstand und empirische Wirtschaftsforschung, Fakultät II – Wirtschafts-, Verhaltens- und Rechtswissenschaften, Leuphana Universität Lüneburg, Lüneburg, 3. November 2009
- Merz, Joachim und Tim Rathjen, Time and Income Poverty Dynamics – An Interdependent Multidimensional Approach with German Time Use Data, 32. Jahreskonferenz der International Association for Time Use Research (IATUR), Leuphana Universität Lüneburg, Lüneburg, 24. September 2009
- Merz, Joachim, Satisfaction, Time and Income – An Interdependent Multidimensional Poverty Approach with German Time Use Diary Data, International Conference Happiness and Relational Goods: Well-Being and Interpersonal Relations in the Economic Sphere, Isola di San Servolo, Venedig, 11.-13. Juni 2009
- Merz, Joachim und Tim Rathjen, Zur Dynamik von Zeit- und Einkommensarmut in Deutschland, Forschungskolloquium Freie Berufe, Mittel und empirische Wirtschaftsforschung, Fakultät II – Wirtschafts-, Verhaltens- und Rechtswissenschaften, Leuphana Universität Lüneburg, Lüneburg, 16. Juni 2009
- Merz, Joachim und Tim Rathjen, Zeit- und Einkommensarmut von Selbständigen – Ein neuer interdependenter multidimensionaler
Ansatz und Ergebnisse für die „woorking poor“, Statistische Woche Nürnberg, 16. September 2010, Nürnberg, Deutschland - Merz, Joachim, Time and Income Poverty – An Interdependent Multidimensional Poverty Approach with German Time Use Diary Data, 31st General Conference of The International Association for Research in Income and Wealth (IARIW), St. Gallen, Switzerland, 22.-28. August 2010
- Merz, Joachim und Tim Rathjen, Are Self-Employed Time and Money Poor? Results by an Interdependent Multidimensional Poverty Approach Using GSOEP and GTUS Time Use Diary Data, 9. Internationale Nutzerkonferenz des SOEP, WZB, Berlin, Deutschland, 1. Juli 2010
- Merz, Joachim, Zeit- und Einmkommensarmut von Freien Berufen und Unternehmern, 20 Jahre Forschungsinstitut Freie Berufe (FFB), Leuphana Universität Lüneburg, 11. Juni 2010 Merz, Joachim, Self-Employment and Time and Income Poverty, 32nd Annual Meeting of the International Association for
Time Use Research (IATUR), Science-Po, Paris, France, 7.-10. Juni 2010 - Merz, Joachim, Time and Income Poverty - An Interdependent Multdimensional Poverty Approach, University of Utah, Salt Lake City, USA, 27. April 2010
- Rathjen, Tim, Do Time Poor People Pay More?, 32. Jahreskonferenz der International Association for Time Use Research (IATUR), Paris, Frankreich, 8. Juli 2010
- Rathjen, Tim (2010), Do Time Poor People Pay More?, Forschungskolloquium Freie Berufe, Mittelstand und empirische Wirtschaftsforschung, Leuphana Universität Lüneburg, Lüneburg, Deutschland, 29. Juni 2010
- Merz, J. und T. Rathjen, Time and Income Poverty – A Microanalysis with the German Time Use Survey 2001/ 02, Forschungskolloquium Freie Berufe, Mittelstand und empirische Wirtschaftsforschung, Fakultät II – Wirtschafts-, Verhaltens- und Rechtswissenschaften, Leuphana Universität Lüneburg, Lüneburg, 25. November 2008
- Rathjen, T., Time and Income Poverty: A Microanalysis with the German Time Use Survey 2001/2002, 31. Jahreskonferenz der International Association for Time Use Research (IATUR), Wesley Conference Centre, Sydney, Australia, December 1-3, 2008


