Hermann Bahr

Ein österreichischer Kritiker der europäischen Avantgarden

Hermann Bahr ist einer der zentralen Programmatiker der Wiener Moderne um 1900. In der neueren Forschung wird vor allem seine Funktion als "Kulturvermittler" in den Blick genommen, wobei das verstärkte Interesse jedoch weniger auf seine literarischen als auf seine zahlreichen essayistischen und journalistischen Texte gerichtet ist. Gerade in diesem Bereich aber erschwert eine bislang unvollständige Quellenlage die Forschung. 

Das vorliegende Projekt versteht sich als forschungsorientierte Aufarbeitung des Ensembles theoretischer und publizistischer Schriften Hermann Bahrs. Geleitet von aktuellen kulturwissenschaftlichen Fragestellungen nach Übersetzung und kulturellem Austausch, nach den Zusammenhängen zwischen literarischer und wissenschaftlicher Kultur der Moderne, nach Übertragung und transnationaler Kulturdynamik soll ein exemplarisches Materialcorpus untersucht werden. Das dringendste Anliegen des Projekts ist daher, dieses einzigartige Archiv der europäischen Moderne-Diskussion durch intensive Recherche und philologisch sorgfältige Kommentierung zu rekonstruieren. 
Dabei soll erstmals ein vollständiges Inventar der journalistischen Publikationen Bahrs erstellt und ediert werden. Die verstreuten und bislang noch nie systematisch gesammelten Zeitschriftenartikel, Rezensionen und Feuilletons, mit denen Bahr den Wiener Kulturbetrieb in einen internationalen Austausch geführt hat, sind besonders dazu angetan, seine Rolle als Kulturvermittler und Theoretiker der Moderne neu zu konturieren. Darüber hinaus soll die 2004 vom Antragsteller begonnene Neuauflage der Kritischen Schriften in 23 Bänden, im Rahmen derer bereits fünf Bände erschienen sind, fortgesetzt und innerhalb des Projektzeitraums abgeschlossen werden. Das Projekt wird daher jene Schriften verklammern und in wissenschaftlich verlässlicher Gestalt zugänglich machen, mittels derer sich Bahrs Funktion als "Netzwerker" von europäischem Format beispielhaft rekonstruieren lässt. Ihre Relevanz gründet sich auf der Einsicht, dass das Ensemble der theoretischen und publizistischen Schriften zu einer entscheidenden Ausweitung der Kenntnis der Wiener, der zentraleuropäischen und der europäischen Moderne beizutragen vermag. Weitere Informationen finden Sie auf der Projekt-Homepage.


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