Kolloquien
Forschungskolloquium Mathematik
Wo? Leuphana Universität Lüneburg, Campus Scharnhorststr. 1, Geb. 12, Raum 108
Wann? 16.15 Uhr bis 17.45 Uhr
09.05.2011 Inga Niedermeyer (Leuphana Universität Lüneburg)
Symmetriebedingungen in Aufgaben zur räumlichen Perspektivübernahme
In einer Untersuchung zum räumlichen Vorstellungsvermögen von Vorschulkindern (Lüthje 2010) traten bei Aufgaben zur räumlichen Perspektivübernahme Ergebnisse auf, die vermuten lassen, dass die Symmetrie der Aufgabenobjekte Einfluss auf das Lösungsverhalten der Kinder hat. In dem vorgestellten Promotionsprojekt soll dieser Einfluss mit einer höheren Aufgabenanzahl genauer untersucht werden. Dazu wurde ein Aufgabenset erstellt, das eine möglichst systematische Untersuchung verschiedener Bedingungsvariablen ermöglichen soll. Im Vortrag werden das Aufgabenset sowie Fragen, die sich aus einer ersten Erprobung mit 14 Vorschulkindern ergeben haben, präsentiert und zur Diskussion gestellt.
23.05.2011 Prof. Dr. Eckhard Klieme (DIPF Frankfurt)
Formatives Assessment als Element guten Unterrichts
Schlagworte wie "kompetenzorientierter Unterricht" kennzeichnen den aktuellen "Mainstream" der Vorstellungen über guten Unterricht im pädagogischen und bildungspolitischen Bereich. Sie suggerieren, dass guter Unterricht schon durch den Bezug auf Bildungsstandards, deren Kompetenzmodelle und Aufgabenkonzepte erreicht werden kann. Dieser Bezug reicht aber weder aus, um Unterricht praktisch zu verbessern, noch gibt er eine wissenschaftliche angemessene Vorstellung von Unterrichtsqualität.
Im ersten Teil des Vortrags geht es daher um eine pädagogisch und fachdidaktisch reflektierte, unter Rückgriff auf psychologische Erkenntnisse ausformulierte und empirisch überprüfte Konzeption guten Unterrichts, die im Kern als Verbindung von (1) strukturierter Klassenführung, (2) unterstützendem und wertschätzendem Klima, (3) herausfordernden, kognitiv aktivierenden Inhalten und Aufgabenstellungen sowie (4) Adaptivität charakterisiert werden kann. Empirische Erkenntnisse aus der Schulevaluation und aus eigenen Forschungen zum Mathematikunterricht belegen, dass diese Kriterien nicht unabhängig voneinander auftreten, sondern in realen Unterrichtssituationen gestuft auftreten.
Dieses Wissen um Tiefendimensionen der Unterrichtsqualität und ihre Stufung ist theoretisch wichtig und vielleicht als Orientierungswissen für Lehrkräfte nützlich. Unterrichtsentwicklung bedarf gleichwohl konkreter methodisch-didaktischer Gestaltungselemente, die sich empirisch bewährt haben und von Lehrkräften – selbstverständlich gemäß eigener professioneller Kompetenz – eingesetzt werden können. Als ein solches Gestaltungselement gilt in der aktuellen internationalen Unterrichtsforschung das formative Assessment, also eine den Lernprozess begleitende Diagnostik und Rückmeldung für Schülerinnen und Schüler.
06.06.2011 Prof. Dr. Gabriele Kaiser (Universität Hamburg)
Überblick über die internationale Vergleichsstudie zur Mathematiklehrerausbildung TEDS-M-2008
Im April 2010 wurden die ersten Ergebnisse der IEA-Studie TEDS-M 2008 (Teacher Education and Development Study in Mathematics) veröffentlicht. TEDS-M hat sich zum Ziel gesetzt, die Mathematiklehrerausbildung für die Primarstufe und die Sekundarstufe I in verschiedenen Ländern zu erfassen und unter dem Aspekt ihrer Wirksamkeit zu vergleichen. Sie ist damit die erste internationale Vergleichsstudie, die den tertiären Bildungsbereich systematisch in den Blick nimmt. Erhoben wurden dazu in 17 Ländern sowohl institutionelle Rahmenbedingungen und Ausprägungen der Ausbildung als auch professionelle Kompetenzen angehender Lehrkräfte, die sich im letzten Jahr ihrer Ausbildung befanden.1032 zukünftige Primarstufenlehrkräfte und 771 Mathematiklehrkräfte des unteren Sekundarbereichs haben dazu allein in Deutschland an einem Test zur Erfassung ihres mathematischen, mathematikdidaktischen und pädagogischen Wissens teilgenommen.
Nach einer kurzen Einführung in den theoretischen Rahmen und das Design von TEDS-M werden zentrale nationale und internationale Ergebnisse der Primar- und Sekundarstufenstudie dargestellt und mögliche Konsequenzen für die Lehrerbildung.
20.06.2011 Nina Berlinger (Universität Münster)
Räumliches Vorstellungsvermögen – wichtig oder wesentlich für eine mathematische Begabung bei Dritt- und Viertklässlern?
In theoretischen und empirischen Untersuchungen konnten spezifische Merkmale für die Erfassung von Dritt- und Viertklässlern mit einer mathematischen Begabung herausgestellt werden. Zum Beispiel gelten Strukturierungskompetenzen und mathematische Sensibilität und Fantasie relativ unbestritten als mathematikspezifische Begabungsmerkmale. Die Bedeutung des räumlichen Vorstellungsvermögens für die Kennzeichnung von mathematischer Begabung im Grundschulalter ist hingegen noch ungeklärt. Während für einige Autoren das räumliche Vorstellungsvermögen ein wesentliches Merkmal mathematischer Begabung darstellt, sehen andere darin lediglich eine günstige jedoch nicht unbedingt erforderliche Komponente. Im Rahmen meines Forschungsvorhabens soll deshalb untersucht werden, inwiefern die Qualität des räumlichen Vorstellungsvermögens die mathematische Begabung im Grundschulalter mitbestimmt. Im Vortrag werden der theoretische Hintergrund, die Ziele, die forschungsmethodische Anlage und der aktuelle Stand der empirischen Untersuchungen meiner Dissertation dargelegt und erste Ergebnisse vorgestellt
04.07.2011 Prof. Dr. Jens-Holger Lorenz (PH Heidelberg)
Drei Formen der Zahlverarbeitung. Dehaenes "Triple-Code-Modell" und der mathematische Anfangsunterricht
Das Triple-Code-Modell unterstellt die Zahlverarbeitung auf drei getrennten, auch neurologisch nachweisbaren Ebenen im visuellen, auditiven und vorstellungsmäßigen Bereich (Ziffern, Zahlworte, analoge Zahlrepräsentation). Diese werden je nach Anforderung unterschiedlich gefordert und eingesetzt. Sie können aber auch entwicklungsmäßig getrennt verzögert oder gar gestört sein. Dies führt zu leicht identifizierbaren Fehlern, die wiederum auf geeignete Fördermaßnahmen hindeuten.
Es wird versucht zu klären, in welcher Weise die drei "Module" beim Lernen über Zahlbeziehungen zusammenwirken und in welcher Weise der Aufbau von Zahlvorstellungen und das Verständnis von elementaren Rechenoperationen befördert bzw. erschwert wird. Es wird auf die dem Anfangsunterricht vorausgehenden vor schulischen Repräsentationen und deren Einschränkungen eingegangen, ebenso auf entwicklungsbedingt zu erwartende Fehlvorstellungen.


