Projektpräsentation - Vom Phantomrisiko zur Unternehmenskrise

Heutzutage können bereits Spekulationen zu einer Unternehmenskrise führen. Was ist dann zu tun? Mit dieser Frage hatte sich ein Projektteam der Leuphana Law School im WS 2016/17 zu beschäftigen. Ein bis dato erfolgreicher Getränkehersteller sah sich plötzlich Gerüchten, dann einem Umsatzrückgang und nur wenig später nationalen und internationalen Haftungsklagen ausgesetzt. Der Grund für diese Entwicklung war in bizarr anmutenden Spekulationen zu sehen, die aber doch enormes Bedrohungspotenzial enthielten.

Die Studierenden hatten die englischsprachige Fallstudie, die starke Bezüge zu Betriebswirtschaft, Recht, Versicherung, Risikowahrnehmung und Kommunikation aufweist, aus einer unternehmerischen Perspektive zu bearbeiten (vgl. Zeitschrift für Versicherungswesen, ZfV (21) 2016, 663).

Immer wieder werden Verbraucher und Unternehmen mit Szenarien konfrontiert, bei denen man zunächst nicht sicher weiß, ob sie wirklich eintreten werden oder nicht. Wenn sich aber die Worst-Case-Szenarien realisierten, könnte sich erhebliches Schadenpotenzial entfalten. Für den Einzelnen wäre das tragisch und für Unternehmen und deren Versicherer könnten sowohl Schadenfrequenz als auch Schadenhöhe eine Herausforderung darstellen. In den Szenarien geht es oft um Personenschäden, so zum Beispiel bei Antibiotikaresistenzen, Gentechnik oder Nanotechnologie. Vielfach ist dabei auch von Latenz- und von längeren Abwicklungszeiten auszugehen. Zudem stellen sich neuartige Rechts- und Beweisfragen. Auch Risikomanagementaspekte und Versicherungsmöglichkeiten spielen eine Rolle. Es ist für neue Risiken symptomatisch, dass im Moment ihrer „Entdeckung“ noch keine Gewissheit hinsichtlich des definitiven Schadenpotenzials besteht. Die Bandbreite der Risiko-Evidenz ist recht groß, man kann sich das skaliert von „Kein Risiko“ über „Phantomrisiko“ zu „Emerging Risks“ bis hin „bekanntes Risiko“ vorstellen.

Die studentischen Projektergebnisse sind dem sponsernden Rückversicherer (E+S Rück / Hannover Rück) auf Englisch vorgetragen worden. Der Vorstand und die eingeladenen Gäste waren ob der herausragenden Präsentation beeindruckt. Besonders gelobt wurden die Struktur des Vortrags, die juristische Argumentation, die unternehmerische Denkweise und das überdurchschnittlich gute Englisch der Studierenden.

Der Chief Medical Consultant des Rückversicherers, Dr. Tacke, skizzierte in einem Vortrag aus Unternehmenssicht die Risikolandschaft der Emerging Risks. Anhand einer Reihe von Risiken, die mit Beispielsfällen illustriert wurden, ist das Schadenpotenzial deutlich geworden. Die interdisziplinäre Herangehensweise der Arbeitsgruppe „Emerging Risks & Scientific Affairs“ ist betont worden. Die enge Verbindung dieser Gruppe sowohl mit dem Underwriting als auch den Kunden ist spürbar geworden. Es war für die Studierenden faszinierend zu sehen, wie neue Risiken evaluiert, klassifiziert und bis hin zu einem Trendradar ausgearbeitet werden.

Ein ADAC-Fahrsicherheitstraining, zu dem der Rückversicherer die siegreichen Studierenden eingeladen hatte, rundete den Tag ab. Die Hoffnung aller Teilnehmenden ist nun, dass jedenfalls Risiken des Straßenverkehrs etwas beherrschbarer geworden sein mögen.