Forschung & Projekte
2003-2008
Frauenzeitschriften aus der Sicht ihrer Leserinnen – Die Rezeption von Brigitte im Kontext von Biografie, Alltag und Doing Gender
Die Dissertation analysiert die Aneignung der klassischen Frauenzeitschrift Brigitte. Sie fragt nach den Gründen für die Rezeption und danach, wie bei der Aneignung Bedeutungen konstituiert werden. Damit beschreitet sie neue Wege in der Frauenzeitschriftenforschung. Rezeptionsstudien stellen national und international Desiderate dar. Zudem thematisiert sie erstmals die Beziehung zwischen Gesellschaft, Geschlecht und Frauenzeitschriftenlektüre, die in den wenigen vorher erstellten Studien nicht berücksichtigt wurde. Theoretisch fundiert werden drei Ebenen der Nutzung und der Aneignung von Inhalten erarbeitet: Die Studie untersucht Frauenzeitschriftenlesen als lebensgeschichtlichen Prozess, im Kontext von Alltag und Alltagshandeln sowie Doing-Gender-Prozesse bei der Rezeption. Sie folgt der Annahme, dass sich die Aneig¬nung von Frauenzeitschriften für die Analyse geschlechtsgebundenen Medienhandelns und zum Nachvollziehen der (De-)Konstruktion von Gender besonders eignet, weil in dem Medienangebot gesellschaftlich geteilte Entwürfe von Weiblichkeit und geschlechtsgebundene Interessen explizit thematisiert werden.
In einem qualitativen Design werden medienbiografische Befragung, Leitfadeninterview und Copytest trianguliert. Auf Basis von 19 Tiefeninterviews wird durch die Befragung von Leserinnen der Marktführerin Brigitte die Medienbiografie, die Integration der Lektüre in den Alltag sowie die Konstruktion von Gender analysiert. So entsteht eine detaillierte ethnografischen Analyse der Aneignung von Frauenzeitschriften in unterschiedlichen biografischen und sozialen Kontexten. Darüber hinaus leisten die Befunde einen einzigartigen Einblick in die Bedeutung geschlechtsgebundenen Medienhandelns. Sie machen deutlich, dass die Leserinnen das Medium als „Kompendium weiblicher Alltagskultur“ verstehen. Gender wird während der Rezeption performativ zum Ausdruck gebracht. Seine (De-)Konstruktion bestätigt sich als produktives, nicht aber als subversives Moment der Rezeption: Weiblichkeit wird aufgewertet, Zweigeschlechtlichkeit jedoch fortgeschrieben.
Auf einer übergeordneten Ebene betrachtet die Studie die Konstruktion von Geschlecht in Gesellschaften über Medienhandeln. Geschlecht gilt als Strukturkategorie, die den Menschen nicht äußerlich gegenübertritt, sondern von ihnen hergestellt wird. Dies geschieht, indem die Individuen die Begriffe Mann und Frau mit Attributen versehen und Geschlecht in Handlungen zum Ausdruck bringen. Zweigeschlechtlichkeit, und damit auch Machtverhältnisse und Hierarchien werden somit fortgeschrieben. In den Befunden zeigt sich, wie Gender in Alltagspraxen bei der Rezeption geschlechtsgebundener Medieninhalte konstruiert bzw. artikuliert wird und somit gesellschaftliche Relevanz erlangt.
Das Buch mit dem gleichnamigen Titel ist bei transcript in der Reihe Critical Media Studies erschienen.
2008-2010
Spitzenfrauen im Fokus der Medien. Die mediale Repräsentation von weiblichen und männlichen Führungskräften in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.
Leuphana Universität Lüneburg, in Kooperation mit Prof. Dr. Margreth Lünenborg (Universität Siegen), gefördert durch Mittel des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und der Europäischen Union - Europäischer Sozialfonds (ESF). mehr


