Soziales
Die soziale Dimension nimmt auch auf der diesjährigen Konferenz eine zentrale Rolle ein. Leben und leben lassen. Ist das (noch) möglich? Wie kommen wir dahin?
Fragen zu Gesundheit und Gerechtigkeit, Beteiligungsprozessen und gesellschaftlichen Entwicklungen auf lokaler und globaler Ebene ebenso wie unter Betrachtung der Herausforderungen der Zukunft stehen hier im Mittelpunkt und bieten reichlich Raum dafür, das eigene Tun auch im globalen Kontext einmal ganz konkret zu hinterfragen.
Gesundheit, soziale Ungleichheit und Nachhaltigkeit: Zusammenhänge und Herausforderungen in globalen und lokalen Kontexten (Susanne Offen)
Die ungleiche Verteilung von Ressourcen und Teilhabechancen hat vielfältige Einflüsse auf Gesundheitsrisiken und Lebensqualität – in globalen und lokalen Kontexten. Entsprechend hat Gesundheit etwas mit Gerechtigkeit zu tun – und verweist unmittelbar auf Fragen nachhaltiger Entwicklung. Aus Interviews mit Akteur/innen in diesem komplexen Feld, im Seminar erarbeiteter Literatur und selbst recherchierten Texten produzieren die Studierenden kleine Audiofeatures, die gemeinsam diskutiert werden.
Globale Gerechtigkeit - Was Menschen einander als Menschen schulden (Sven Prien-Ribcke)
„Die Politik der Zukunft muss global sozial gerechtfertigt sein“. Der Philosoph Rainer Forst fordert nichts weniger als die Frage der Gerechtigkeit über den Nationalstaat hinaus auf potentiell alle Menschen auszudehnen. Das, was in Zeiten von Finanz- und Klimakrise zwar nahe liegt, ist doch höchst umstritten: Globale Gerechtigkeit würde nicht nur bedeuten, danach zu fragen, was Gerechtigkeit beinhaltet, sondern zu klären, wer in Gerechtigkeitskonflikten zu berücksichtigen ist. Im Rahmen des Projektseminars haben sich die Studierenden mit ausgewählten Fragen der gerechtigkeitstheoretischen Debatte vertraut gemacht und sie mit Blick auf konkrete Reformvorschläge konkretisiert. In der Projektarbeit stand die Auseinandersetzung mit der „globalen Rohstoffdividende“ sowie dem „Health Impact Fund“ von Thomas Pogge im Mittepunkt. Auf der Konferenzwoche stellen die Studierenden ihre ersten Forschungsergebnisse vor – angefangen mit einem Streitgespräch zwischen Aristoteles und Hobbes bis hin zu einem Skype-Interview mit Thomas Pogge.
Good Governance - gute Regierungsführung in Räumen begrenzter Staatlichkeit (Prof. Dr. Kocra Lossina Assoua)
In dieser Veranstaltung soll geklärt werden, was mit dem Konzept des "Good Governance" in Theorie und Praxis genau gemeint ist und welche Relevanz und Bedeutung es in der Entwicklungspolitik hat. Welchen Beitrag kann „Good Governance“ zur Armutsbekämpfung in Afrika leisten? Ist „Good Governance“ ein universell anwendbares Konzept? Ist „Good Governance“ in Räumen begrenzter Staatlichkeit umsetzbar? Diesen Grundfragen wird in dieser Veranstaltung nachgegangen. Der regionale Schwerpunkt ist Afrika.
Migration, Segregation, Parallelgesellschaft: Wohnquartiere und die Entstehung von Nachbarschaften (Michael Sachs)
Das Seminar soll aus dem Blickwinkel einer sozial verantwortlichen Wohnungs- und Quartierspolitik die Risiken einseitiger Sozialstrukturen und die Chancen einer integrativen Quartiersarbeit herausarbeiten. In den Arbeitsgruppen beschäftigen sich die Studierenden mit den Mechanismen des Wohnungsmarktes, großstädtischen Siedlungs- und Sozialstrukturen sowie mit stadtteilbezogenen Handlungsmöglichkeiten. Einige Arbeitsgruppen betrachten die Entwicklung großer Siedlungen wie Lüneburg-Kaltenmoor, Hamburg-Mümmelmannsberg und Hamburger Schanzenviertel unter dem Aspekt integrativer Prozesse und Nachbarschaftsarbeit, weitere Arbeitsgruppen beschreiben die Ziele und Wirkung von Stadtteilprojekten wie dem AWO-Integrationszentrum in Kiel-Mettenhof, dem Café Exil in Hamburg oder dem Förderwerk Elbinsel in Hamburg-Veddel und -Wilhelmsburg.
Nachhaltige Rollenübernahme und Rollengestaltung durch kooperative Entwicklungsarbeit (Kathrin Ibert, Torsten Tarnowski)
Welche Entwicklungsprojekte kommen auf mich in meiner neuen Rolle als StudentIn zu? Welche Verantwortung entsteht daraus für mich? Wie kann ich meine persönlichen Ziele nachhaltig verwirklichen? Wie kann ich meine Kommilitonen/Innen bei deren Entwicklung unterstützen? Ziel des Seminars ist es, den Prozess einer Veränderung bewusst zu erleben sowie Selbststeuerungs- und Unterstützungskompetenzen zu erwerben. Verändern ist möglich! Für jeden von uns einzeln und vor allem in einem kooperativen Miteinander.
Nachhaltigkeit und Geschlechtergerechtigkeit? (Karin Fischer, Dr. Christine Katz)
Umwelt- und Klimaschutz sind nicht geschlechtsneutral, das ist seit rund 20 Jahren unbestritten. Gerechtigkeit zwischen Männern und Frauen herzustellen, gilt als eine der wesentlichen Voraussetzungen für eine nachhaltige Entwicklung. Aber was muss bei der Gestaltung von Nachhaltigkeit beachtet werden, damit Frauen und Männer gleichermaßen an umweltrelevanten Entscheidungen partizipieren können, damit sie wegen gesellschaftlicher Rollenzuweisungen und Aufgabenverteilungen nicht unterschiedlich von Umweltfolgen und deren Bewältigungsmaßnahmen belastet werden?
Was Nachhaltigkeit mit gesellschaftlichen Geschlechterverhältnissen zu tun hat wurde im Rahmen verschiedener von den Studierenden ausgewählten Themenfelder am Beispiel konkreter Problemzusammenhänge erarbeitet (Projektarbeit):
Nachhaltige Bildung und Gender, Sport, Nachhaltigkeit und Gender, Nachhaltiger Konsum und Gender, Nachhaltigkeit und Gender in der Werbung, Klimawandel und Gender, Nachhaltigkeit bei Frauen in Männerberufen und Männern in Frauenberufen
Nachhaltigkeit: Auch eine Frage von Doing Gender? - Werbespots zum Verhältnis von Gender und Nachhaltigkeit erstellen (Katharina Moths)
Das Seminar befasst sich mit der Frage, inwieweit die Vielzahl kultureller Zuschreibungen und Leitvorstellungen, die mit den Kategorien "Mann" und "Frau" verbunden sind und nach denen wir handeln, eine nachhaltige Entwicklung befördern oder behindern. Diesem komplexen Themenfeld begegnen wir in einer filmischen Auseinandersetzung.
Social Entrepreneurship und Sozialunternehmung in Entwicklungsländern: Unterstützung einer globalen Nachhaltigkeit (Dr. Jorge Guerra González)
Die Unterstützung von Social Entrepreneurs und von Sozialunternehmungen in Entwicklungsländern erweitert den Blick der Studierenden und ermöglicht ihnen eine weltweite Ausstrahlung des Begriffs Wissenschaft trägt Verantwortung im Einklang mit der neudeutschen Bezeichnung Service Learning. Den in Gruppen eingeteilten Studierenden wird die Möglichkeit geboten, Projekte zu unterstützen, die im besten Sinne einer holistischen Nachhaltigkeit konzipiert sind. Sie werden diese teilweise mitgestalten, unterstützen und deren Ergebnisse kontrollieren können. Die jeweiligen dadurch gewonnenen praktischen Erkenntnisse sollen sich mit den im Seminar und im Studium erworbenen theoretischen Kenntnissen vervollständigen.
Soziale Aspekte der Nachhaltigkeit am Beispiel von Mikroprojekten der Entwicklungszusammenarbeit (Dr. Jorge Guerra González)
In diesem Seminar geht es insbesondere darum, dass Studierende praktische Erfahrungen außerhalb der Universität im Bereich der sozialen Aspekte der Nachhaltigkeit sammeln. Der Rahmen nennt sich Service Learning im neuesten Deutsch. Die dadurch gewonnenen Erkenntnisse sollen sich mit den im Seminar und im Studium erworbenen theoretischen Kenntnissen vervollständigen. Den in Gruppen eingeteilten Studierenden werden laufende Mikroprojekte im Bereich der sozialen Nachhaltigkeit/Entwicklungszusammenarbeit aus einigen Ländern Lateinamerikas und Afrikas vorgestellt und zugetraut. Sie werden diese teilweise mitgestalten, unterstützen und deren Ergebnisse kontrollieren können.
Soziale Nachhaltigkeit in der Jugendhilfe und im -Bildungsbereich (Prof. Dr. Hans-Joachim Plewig)
Im Seminar haben 7 Arbeitsgruppen Praxisfelder (Frühförderung: individuelle Konzepte; Sprache; Schule und Migration; Berufsvorbereitung; Mediensucht; Kirchliche Jugendarbeit; Jugendstrafvollzug) unter dem Aspekt Nachhaltigkeit (ökonomisch, kulturell, sozial, ökologisch) untersucht.
Ziel war es, langfristig wirksame Konzepte zu entwickeln, die personenbezogen und/oder strukturell Lebenssachverhalte dauerhaft verbessern sollen. Die Mitglieder der Gruppen haben entsprechende Handlungsempfehlungen erarbeitet. In der Tandem-Sitzung werden im Rahmen einer von den Teilnehmern entwickelten Dramaturgie Ergebnisse und zur Diskussion anregende Thesen vorgestellt.
Zu Besuch bei unseren Nachbarn, den intimate strangers: Netzwerke afrikanischer Migranten in Hamburg (Dr. Ilsemargret Luttmann)
Die Ausgangsfrage des Seminars zielte auf die konkreten Lebenszusammenhänge afrikanischer Migranten in unserer unmittelbaren Umgebung, denn, obwohl wir sie tagtäglich im Straßenbild wahrnehmen und sie Teil unserer Nachbarschaft sind, wissen wir nur wenig über sie, darüber, wie sie sich in unserer Gesellschaft eingerichtet haben und ob sie sich aufgenommen fühlen. Wir haben uns nie gefragt, wie eigentlich ihr Verständnis von Integration aussieht. Welche Diskriminierungserfahrungen mussten sie eventuell machen? Oder was haben sie uns vielleicht an Internationalität und kultureller Kompetenz voraus? Im Laufe der Feldforschungsübungen in Hamburg haben sich dann die Fragen an realen Gegebenheiten neu formiert und konkret zugespitzt. Ausschlaggebend waren die Art der persönlichen Betroffenheit der Studierenden und die realen Begegnungen mit den Menschen und ihren Reaktionen. Es sind spannende Ergebnisse zu erwarten, die auch sehr viel über uns selber aussagen.