Video Vortex #9

Re:assemblies of Video

Einen Höhepunkt in den Aktivitäten des Moving Image Lab stellte Video Vortex, eine interdisziplinäre Konferenz rund um das Phänomen Online-Video, dar. Die neunte Ausgabe fand vom 28. Februar bis zum 2. März 2013 mit über 50 eingeladenen internationalen Teilnehmern auf dem Campus Rotes Feld der Leuphana Universität Lüneburg statt. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Moving Image Lab und vom Post-Media Lab. Die Medientagung markierte zudem den Auftakt von ANALOG, einer Veranstaltungsreihe der Leuphana Universität Lüneburg, die sich explizit an Medienmacher, Unternehmen der Medienbranche sowie Künstler und digitale Videoperformer in der Region Lüneburg richtet.

Die Welt der Videokultur befindet sich im Wandel, und die massiven Veränderungen betreffen auch Online-Videos. Die Glanzzeiten der Video-Pioniere und der Amateurfilmer scheinen vorbei zu sein – ebenso wie die der großen Sendeanstalten: Die Digitaltechnik verfügt inzwischen über professionalisierte Produktionswege, und aufgrund von Experimenten und selbst angeeigneten Fertigkeiten auf Seiten der Macher haben sich neue Stile und Formate schnell durchgesetzt. Domains, Plattformen und Kanäle für mobile Videos sind zum festen Bestandteil der täglichen Mediennutzung geworden. Diese tektonischen Verschiebungen – vom Amateur- und Profibereich zu einem Verbund kreativer Medienmacher, vom Zuschauer zum Mitwirkenden und vom Einzelstandpunkt zur Multiperspektive – haben grenzen- und generationenübergreifende Konsequenzen gehabt, die auch in der Zukunft noch genau zu bestimmen sind.

Darum haben sich auch die Teilnehmer von Video Vortex dieses Themas angenommen: Mit der neunten Ausgabe der Konferenzreihe war endlich die Zeit gekommen, um die Online-Videokultur hinsichtlich Struktur und Kontext zu analysieren. So gingen die Konferenzteilnehmer beispielsweise der Frage nach, welchen Einfluss Augenzeugenvideos auf Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, Kunst und Medien nehmen – und wie sie ihrerseits von diesen beeinflusst werden. Die Redner diskutierten darüber hinaus die Folgen des zunehmenden Verschwimmens der Grenzen zwischen Produzent und Konsument sowie zwischen Amateurfilmer und Profi.

Zum Programm von Video Vortex #9 zählten neben Vorträgen, Performance-Lesungen und thematischen Workshops ebenso Live-Aktionen. So fand in der Lüneburger Altstadt ein Flashmob im Rahmen der Konferenz statt: Die irische Künstlerin Stephanie Hough versammelte auf dem Glockenhof gut ein Dutzend Flashmobber und Interessierte um sich und sang zu Popsongs in eine Haarbürste. Ziel dieser Aktion war es, den Trend der Online-Videos auf Plattformen wie Youtube, in denen Menschen lippensynchron zu ihren Lieblingssongs singen, in die Öffentlichkeit zu tragen und das vermeintlich Private und Persönliche im World Wide Web zu hinterfragen.

Im Rahmen der Konferenz holten das Moving Image Lab und das Post-Media Lab Medienfachleute, Wissenschaftler, Filmschaffende und Aktivisten aus aller Welt an die Leuphana Universität Lüneburg, knüpften Kontakte und ermöglichten neue Kooperationen. Insgesamt 150 Gäste verfolgten das dreitägige Gesamtprogramm, das außerdem online als Livestream zur Verfügung stand.

Video Vortex #9 Website: videovortex9.net


Re:assemblies of Video, Volume I: Beyond the timeline

Video-Reader mit allen Infos zu den Programmpunkten von Video Vortex #9: interlace.videovortex9.net


Video Vortex #9 wurde durch das EU-Großprojekt Innovations-Inkubator Lüneburg unterstützt, das von der Europäischen Union und dem Land Niedersachsen gefördert wurde.