Meldungen aus der Forschung

UNESCO Chair befragt Jugendliche und junge Erwachsene zum Thema Nachhaltigkeit

29.04.2015 Der Klimawandel ist für die Generation der 15-24-Jährigen das wichtigste Umweltthema.

92 Prozent der jungen Menschen unterstützen ausdrücklich die deutsche Energiewende. 70 Prozent möchten zukünftig Ökostrom beziehen. Das zeigen erste Ergebnisse des zweiten „Nachhaltigkeitsbarometers“, einer repräsentativen Studie des UNESCO Chair „Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung“ der Leuphana Universität Lüneburg. Die Studie wird im Auftrag von Greenpeace unter der Leitung von Prof. Dr. Gerd Michelsen durchgeführt. Beteiligte Wissenschaftler sind Heiko Grunenberg und Dr. Clemens Mader. Im Rahmen der Erhebung wurden im Sommer 2014 deutschlandweit 1.511 Personen zwischen 15 und 24 Jahren zu ihrem Nachhaltigkeitsbewusstsein befragt. Bei den hier vorgestellten Daten handelt es sich um eine Auskoppelung von Ergebnissen aus der Gesamtstudie, die Ende 2015 vorliegen wird. „Die Energiewende steht in der jüngeren Generation überhaupt nicht mehr zur Debatte. Die Frage ist dort nur noch, wie man sie bestmöglich ausgestaltet“, fasst Professor Michelsen die Ergebnisse zusammen.

Die ersten Ergebnisse der Studie zeigen, wie sich bei jungen Menschen Umgang und Haltung zu Umweltthemen ändern. Referenz ist das erste Nachhaltigkeitsbarometer, das der UNESCO Chair ebenfalls im Auftrag von Greenpeace 2012 unter der Fragestellung „Was bewegt die Jugend?“ durchführte. So sahen die Befragten damals unter dem frischen Eindruck der Katastrophe in Fukushima die Atomkraft als gravierendstes Umweltproblem an. Bei der zweiten Erhebung haben die globalen Klimaveränderungen mit 33 Prozent stark an Bedeutung gewonnen (2012: 24 Prozent). Der Klimawandel hat sich im Bewusstsein der Jugend als größtes Umweltproblem verankert, gefolgt vom Arten- und Meeresschutz. 59 Prozent der Befragten sind davon überzeugt, dass sich persönliches Engagement lohne. Nur noch 4 Prozent bewerten den Kampf gegen den Klimawandel als „eher unwichtig“ oder „gar nicht wichtig“ (2012:12 Prozent).

Die Energiewende ist für 92 Prozent der jungen Menschen unumstritten wichtig. Diese breite Zustimmung ist unabhängig von Geschlecht, Bildungsgrad, Elternhaus und Wohnsitz überall zu finden. Im verantwortungsvollen Umgang mit Energie liegt für die jungen Menschen eine Möglichkeit, sich aktiv für den Klimaschutz einzusetzen. Mehr als drei Viertel geben an, den eigenen Stromverbrauch zu reduzieren.

Auffällig ist das Interesse am Ökostrom: 70 Prozent der Gruppe wollen zukünftig Ökostrom nutzen, 16 Prozent beziehen ihn bereits. Damit ist die junge Generation deutlich aufgeschlossener als die ältere: Bisher nutzt im Durchschnitt nur jeder fünfte Privathaushalt grünen Strom. Ob bei Themen wie Energiesparen, politischem Engagement oder Mitwirkung in regionalen Energieprojekten – die Jugend von heute ist laut den erhobenen Daten längst Teil der Energiewende. Um diese Entwicklung weiter voranzutreiben, fordert Professor Michelsen, dass nachhaltige Entwicklung auch im schulischen Bildungssystem deutlicher verankert wird. „Durch den frühzeitigen Einsatz von Bildungsaktivitäten, welche sich mit nachhaltiger Entwicklung methodisch und inhaltlich auseinandersetzen, kann das Engagement bereits in jüngerem Alter gefördert werden,“ sind Michelsen und sein Team überzeugt.

Nachhaltige Entwicklung als integralen Bestandteil von Bildung zu verankern ist auch das Ziel des 2005 an Professor Michelsen verliehenen UNESCO Chair „Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung“. Professor Michelsen und sein Team entfalten dazu eine Vielzahl unterschiedlicher Aktivitäten. Die am Lehrstuhl durchgeführten Forschungsarbeiten leisten wichtige Beiträge zur wissenschaftlichen Theoriebildung und zum Transfer von Forschungsergebnissen in den Bereichen Universitätsentwicklung, Hochschulbildung, Kompetenzentwicklung und –messung sowie zu aktuellen Themen nachhaltiger Entwicklung. Die gewonnenen Erkenntnisse werden in verschiedenen Lehr-Lernformaten u.a. im Rahmen des Leuphana-Semesters in die Praxis umgesetzt. 

Eine ausführliche Darstellung der ersten Ergebnisse des Nachhaltigkeitsbarometers 2014 finden Sie hier. Die gesamte Studie wird Ende 2015 veröffentlicht.

Weitere Informationen: Seite des UNESCO Chair „Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung“

Kontakt:

Heiko Grunenberg (heiko.grunenberg@leuphana.de)

Dr. Clemens Mader (clemens.mader@leuphana.de)

Autorin: Dr. Marion Stange (Universitätskommunikation)