Meldungen aus der Forschung

„Ich möchte Wissen brauchbar machen“: Prof. Dr. Michael Frese im Porträt

25.06.2015 Drei Dinge sind es, die Professor Michael Frese als Forscher umtreiben: mit Hilfe von empirischer Forschung auf den Grund der Dinge vorzustoßen, erworbenes Wissen anwendbar zu machen und neue Ideen zu entwickeln. „Warum ich Wissenschaftler geworden bin? Ich hatte schon immer das Bedürfnis zu verstehen, und zwar nicht nur auf der ersten Ebene“, so Frese. „Dabei waren für mich Fehler immer eine Inspirationsquelle. Man lernt nur dann etwas, wenn man merkt, dass man mit seinen ursprünglichen Annahmen falsch lag.“

Michael Frese, Professor für Psychologie, insbesondere Entrepreneurship & Innovation, gehört zu den weltweit am häufigsten zitierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Management-Wissenschaften und der Arbeits- und Organisationspsychologie. Seit 2009 lehrt er im Rahmen eines Joint Appointment an der Leuphana Universität Lüneburg und der National University of Singapore, Business School. Professor Frese veröffentlichte mehr als 350 Artikel und Aufsätze und ist Autor von über 25 Monographien und Sammelbänden. Im Handelsblatt-Ranking Betriebswirtschaftslehre 2014 belegte er den 3. Platz unter allen auf diesem Gebiet an deutschen Hochschulen tätigen Forscherinnen und Forschern.

2013 wurde Professor Frese in die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina gewählt – eine Ehre, die nur wenigen Wissenschaftlern zuteil wird. 2014 berief ihn die renommierte US-amerikanische Academy of Management (AOM) in Anerkennung seiner herausragenden Forschungsleistungen in den Kreis ihrer Fellows. Die jüngste Auszeichnung, die ihm zuteil wurde, war die Verleihung des renommierten Greif Research Impact Award 2015 der University of Southern California (USC) an ihn und seine Mitautoren Andreas Rauch, Johan Wiklund und G.T. Lumpkin für einen 2009 publizierten Aufsatz im Entrepreneurship Theory & Practice Journal. Der Greif-Forschungspreis ehrt die einflussreichste Publikation zu Unternehmertum in den vergangenen sechs Jahren.

Die Frage, wie aus Fehlern etwas Positives entstehen kann, ist auch ein inhaltlicher Forschungsschwerpunkt Michael Freses. Seine wissenschaftlichen Arbeiten zu Fehlermanagement und Fehlerkultur in Unternehmen sind richtungsweisend gewesen und haben weltweit Beachtung gefunden. Freses Forschungsinteresse gilt darüber hinaus psychologischen Effekten von Arbeitslosigkeit, Prädikatoren von Eigeninitiative und psychologischen Erfolgsfaktoren von Unternehmern. Ein Schwerpunkt seiner Tätigkeit sind auch Trainings, insbesondere Fehlermanagementtrainings, Führungstrainings und Trainings zur Verbesserung des unternehmerischen Erfolgs und der persönlichen Initiative. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf Unternehmerinnen und Unternehmern in Entwicklungsländern.

„Ich möchte Wissen brauchbar machen“, so Frese. „Der Praxisbezug spielt in allen meinen Forschungsprojekten eine entscheidende Rolle.“ Besonders deutlich ist der Anwendungsaspekt bei den verschiedenen Forschungsprojekten zu Entrepreneurship-Trainings in Entwicklungs- und Schwellenländern, die Frese und sein Team durchführen. Der Anspruch dabei ist, mehr Menschen in diesen Ländern zu eigenständigem unternehmerischen Handeln zu befähigen, um so die wirtschaftliche Entwicklung des jeweiligen Landes insgesamt zu befördern. Zu den jüngsten Aktivitäten in diesem Bereich gehören drei Projekte in Togo, Mexiko und Äthiopien, die er in Kooperation mit der Weltbank realisiert. „Im Kern geht es dabei um die Frage, wie wir Unternehmerinnen und Unternehmer in diesen Ländern so anleiten können, dass sie ihr Unternehmen klüger führen, also größeren unternehmerischen Erfolg haben“, erläutert Frese. „Innerhalb von dreitägigen Kursen erhalten die Trainingsteilnehmer Input zu verschiedenen Aspekten der Unternehmensführung. Wir führen dabei die Trainings nicht selbst durch, sondern schulen die Kursleiter vorab im Rahmen eines „Train the trainers“-Konzepts. Im Anschluss evaluieren wir den Erfolg der Trainings in einer Vergleichsstudie. Unser Training wird dabei mit einem Trainingsformat der zur Weltbank gehörenden International Finance Corporation (IFC) verglichen. Bestandteil der Studie ist außerdem eine Kontrollgruppe, die kein Training erhalten hat.“

Ein im Ansatz vergleichbares Projekt ist das von der Deutschen UNESCO-Kommission, dem DAAD und der BASF-Stiftung geförderte STEP-Programm, in dessen Rahmen zwölfwöchige Entrepreneurship-Trainings in verschiedenen afrikanischen und asiatischen Ländern durchgeführt werden. Zielgruppe sind hier im Gegensatz zu den Weltbank-Projekten Studierende, die kurz vor ihrem Abschluss stehen und nicht aus den Wirtschaftswissenschaften kommen. Ziel dieser Trainings ist es, den Teilnehmenden ihr eigenes Potenzial als Unternehmerinnen und Unternehmer bewusst zu machen. Die Studierenden werden im Rahmen der Trainings zur Gründung eigener Unternehmen ermuntert und bekommen das nötige praktische und theoretische Rüstzeug für unternehmerische Aktivitäten an die Hand. Die im Projektkontext durchgeführten Studien zur Wirkung der Trainings belegen eindrücklich den Erfolg von STEP. Bisher nahmen etwa 3000 Studierende an den Kursen teil. Durch die Trainings entstehen viele neue Arbeitsplätze, da die neu geschaffenen Unternehmen häufig nicht nur der Sicherung des Lebensunterhalts ihrer Gründer dienen, sondern auch weiteren Arbeitskräften Platz bieten. In einem zeitlichen Abstand von 18 Monaten nach dem Training zeigt sich, dass auf 100 trainierte Studierende im Schnitt 38 zusätzliche Arbeitsplätze kommen, die als direkte Folge des Trainings entstanden sind.

„Der starke Praxisbezug meiner Forschung passt hervorragend zum Profil der Leuphana, die sich ja als eine handlungsorientierte Universität begreift,“ so Frese. „Und ich denke, dass ich durch meine parallele Tätigkeit in Singapur viele interessante Perspektiven in die hier an der Leuphana durchgeführte Forschung einbringen kann, nicht zuletzt in Bezug auf die weitere Internationalisierung der Universität.“ (mst)

Weitere Informationen:

Personenhomepage von Prof. Dr. Michael Frese

Autorin: Vivien Valentiner (Universitätskommunikation)