Meldungen aus der Forschung

Neu an der Leuphana: Ingenieurwissenschaftler Prof. Dr.-Ing. Jens Heger

02.07.2015 „Ich fand es schon immer spannend, zu prüfen, wie man Prozesse optimieren kann, ob in der Produktion oder bei anderen Abläufen“, begründet Professor Heger sein wissenschaftliches Interesse. „Selbst bei einem kleinen Ablauf wie dem Zeitungaustragen kann man sich überlegen, auf welchem Weg man seine Arbeit am effizientesten erledigt.“ Seit Juni 2015 ist Jens Heger als Juniorprofessor für Ingenieurwissenschaften, insbesondere Modellierung und Simulation technischer Systeme und Prozesse, am Institut für Produkt- und Prozessinnovation (PPI) der Leuphana Universität Lüneburg tätig.

Nach einem Studium der Informatik mit dem Nebenfach Wirtschaftswissenschaften in Paderborn promovierte Heger an der Universität Bremen im Fachbereich Produktionstechnik. Seitdem forscht er insbesondere in den Bereichen Produktionsplanung und -steuerung und Reihenfolgeplanung. Durch den Einsatz von Methoden aus der Informatik und dem Operations Research, wie der mathematischen Modellbildung sowie von Heuristiken und Methoden des maschinellen Lernens, werden Abläufe in der Produktion effizienter gestaltet.

In einem aktuellen Paper untersucht Heger beispielsweise, wie man die Reihenfolgeplanung in einer Lackieranlage in der Automobilindustrie optimiert. „Ich überprüfe dabei, wie man Rüstkosten minimieren oder vermeiden kann, die während des Lackiervorgangs durch den Wechsel der Farben der Karosserien entstehen. Wechselt man beispielsweise ständig von dunklen auf helle Farben, ist der Aufwand für die Reinigung der Lackieranlage sehr hoch. Ziel ist es, eine möglichst gute Reihenfolge im Ablauf der Farbwechsel zu wählen, sodass beim Wechsel von der einen Farbe auf die andere möglichst geringe Reinigungskosten anfallen und dennoch die Zielkriterien gut erfüllt werden“, erklärt er.  Die Zielkriterien in der Produktionsplanung umfassen eine hohe Auslastung aller Maschinen, eine fristgerechte Bearbeitung von Aufträgen und die sinnvolle Einteilung von Mitarbeitern. Die gesamte Produktion soll kostenoptimal erfolgen.

Prozessplanung ist bereits seit mehreren Jahrzehnten ein wichtiges Thema in der Forschung. Die Optimierung der Abläufe ist dabei selbst ein stetiger Prozess. „Das Problem bei der Prozessplanung ist die Komplexität vieler Produktionsabläufe“, so Heger. Oft könne man beispielsweise für eine große Produktionshalle nicht innerhalb vertretbarer Zeit einen optimalen Plan ausrechnen, sondern sich nur mit Hilfe möglichst guter Heuristiken an das Optimum annähern. „Diese Heuristiken sollen trotzdem natürlich möglichst gut sein, das heißt sie können in kurzer Zeit eine Lösung ausrechnen, die die Ziele annähernd gut erreicht. Um die Qualität weiter zu erhöhen, muss jedoch in diesem Bereich stetig weiter geforscht werden; insbesondere wenn sich im Rahmen der Industrie 4.0 einige Rahmenbedingungen ändern“, so Heger.

Besonders wichtig für den Juniorprofessor ist der Transfer von wissenschaftlichen Ergebnissen in die Praxis. „Das Schöne an meinem Forschungsgebiet ist, dass es ein praxisbezogenes Themenfeld ist. Man sieht, dass tatsächlich etwas besser läuft, ein Produktionsprozess beschleunigt wurde und man Firmen dabei unterstützt, effizienter zu arbeiten.“ So kann Heger sich auch vorstellen, praktische Projekte mit Firmen aus der Region zu initiieren. „Ich beabsichtige, Bachelor- , Master- und Doktorarbeiten zu betreuen, die in Kooperationen mit Firmen in der Region durchgeführt werden. Aber erst einmal muss ich hier in der Region Fuß fassen und entsprechende Kontakte in die Wirtschaft vertiefen und neu knüpfen.“

Lüneburg mit seiner Nähe zu Hamburg und Bremen, wo er schon lange gelebt hat, gefällt Professor Heger sehr gut. „Ich habe die Universität und die Stadt schon etwas kennengelernt und habe mich hier von Anfang an wohlgefühlt. Mir gefällt die Dynamik an der Leuphana. Spannend am Institut für Produkt- und Prozessinnovation finde ich, dass aktuell viel im Aufbau ist. Zusammen mit anderen neuberufenen Professorinnen und Professoren besteht die Möglichkeit, selbst viel mitzugestalten und seine Forschungsinteressen einzubringen.“ (vtv)

Weitere Informationen: Personenhomepage von Prof. Dr.-Ing. Jens Heger

Autorin: Dr. Marion Stange (Universitätskommunikation)